Aus dem Auto aussteigen

Schnell mal aus dem Wagen springen – das mag der Rücken gar nicht. Auf den richtigen Dreh kommt es an, sagt Physiotherapeut Björn Meurer

Aus dem Auto aussteigen

© iStock/Halfpoint

„Sie denken, dass aus dem Auto auszusteigen banal ist? Fragen Sie doch mal Ihren Rücken, was er davon hält, wenn Sie ihn nach einer langen oder anstrengenden Fahrt plötzlich und unbedacht ins Freie wuchten. Bevor Sie dafür die womöglich schmerzhafte Quittung bekommen, empfehle ich Ihnen den richtigen Dreh:

Vorarbeit beim Fahren: Rücken gerade hinterm Lenkrad!

Die meisten sitzen beim Autofahren zu weit hinten und steuern mit ausgestreckten Armen. Das fühlt sich vielleicht bequem an und sieht auch lässig aus. Doch im Verlauf der Fahrt krümmt sich dann der Rücken, statt samt Schultern stützenden Kontakt zur Lehne zu haben. Auf diese Weise kommen Sie mit verkrampften Muskeln ans Ziel. Viel besser: Die Rückenlehne möglichst aufrecht gestellt lassen und den Sitz so weit vorn platzieren, dass auch beim Durchtreten der Bremse das Bein noch angewinkelt ist. Die Sitzfläche sollte waagerecht sein – kippt sie nach hinten ab, gerät der Ischias-Nerv unter Dauerdruck und reagiert womöglich gereizt: Mit anhaltend stechenden Schmerzen in Hüfte und Gesäß. Stellen Sie sich einfach vor, Sie sind Rennfahrer – denn die sitzen wirklich rückengerecht.

Die Füße zuerst

Sobald Sie in der Parklücke angekommen sind, widerstehen Sie bitte dem Impuls, als erstes den Oberkörper zur geöffneten Wagentür zu drehen. Denn Ihr Rücken ist mangels Bewegung während der Fahrt schlecht durchblutet und die Muskeln daher inaktiv. Verdrehen Sie nun im Sitzen die Wirbelsäule, kommt es leicht zu Rotationsblockaden der Lendenwirbel, oft auch zu einem schmerzhaften Hexenschuss.

Den vermeiden Sie, indem Sie aus dem Becken heraus die Oberschenkel seitlich drehen und die Füße draußen parallel auf dem Boden abstellen. Spezielle Drehkissen oder einfach eine glatte Plastiktüte unter dem Gesäß erleichtern diese rückenfreundliche Drehbewegung auf dem Autositz.

Rückenschonend aufrichten

Die Füße sind nun schon draußen, die Beine hüftbreit auseinander. Jetzt brauchen Sie nur noch ein bisschen Schwung, um mit gestreckter Lendenwirbelsäule auf die Füße zu kommen. Dafür können Sie sich auch mit den Händen an der Tür und Lenkrad abdrücken. Strecken Sie im Stand sanft Ihren Rücken und aktivieren Sie ihn dadurch wieder, bevor Sie loslaufen.

Und bitte jetzt nicht die Tüten und Taschen mit krummem Rücken vom Beifahrersitz wuchten. Verstauen Sie lieber Ihre Einkäufe im Kofferraum. Mit gebeugten Knien, langem Rücken und angewinkelten Armen heben Sie selbst kleine Lasten so dicht wie möglich am Körper und drücken sich dabei aus den Beinmuskeln heraus sportlich-elegant wieder in den Stand. Et voilà, geht doch!“

Björn Frederic Meurer
Björn Frederic Meurer ist Physiotherapeut mit einer Praxis in Hamburg. Vor 20 Jahren hat er das Konzept der Rückenschule maßgeblich mitgestaltet. Sein therapeutischer Ansatz: „Ich behandele, der Körper heilt“. www.meurer-hamburg.de/

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