Naturkosmetik: Schönes Vorbild

Wie knallige Lippenstifte, Metallic- Lidschatten und Nagellacke es schaffen, den Kriterien für Bio-Kosmetik zu entsprechen

Naturkosmetik: Schönes Vorbild

© Mauritius Images

Eines ist mal klar: Konventionelle Kosmetik hat es leichter als Naturkosmetik. Über tausend verschiedene Pigmente stehen für ihre Looks zur Verfügung. Die Ökos müssen mit 50 auskommen, mehr gibt es nicht in Bio-Qualität. Und dabei kriegen sie Eyeliner wie gelackt hin, Hightech-Grundierungen, die konventionellen Make-ups von Profi-Visagisten inzwischen in nichts mehr nachstehen, und vor allem erstaunlich fröhliche und erstaunlich viele Farben. Wie schaffen die das?

Indem sie sich die Natur zum Vorbild nehmen. „Bei Schmetterlingsflügeln zum Beispiel entstehen die sichtbaren Farben nicht nur durch individuelle Farbstoffe, sondern auch durch die besondere Lichtbrechung aufgrund der sogenannten Ultrastruktur“, sagt Marie Calas, Leiterin Entwicklung beim Naturkosmetikhersteller Dr. Hauschka. Der Effekt lässt sich etwa für Lidschatten nachahmen: Mineralpigmente werden teils mit Metalloxiden oder anderen Pigmenten beschichtet, sodass auch sie das Licht unterschiedlich reflektieren, was zur jeweiligen Farbwahrnehmung führt. Reichlich Glimmer lässt sich ebenfalls nach diesem Prinzip erzeugen, etwa mit Mineralien, die entweder unterschiedlich fein gemahlen oder mit Titandioxid (einem weißen Pigment) behandelt sind. „Wir können so einen matten Schein, ähnlich dem von Perlen oder Perlmutt, erzielen oder ein stärkeres Schimmern in den Farben des Regenbogens“, sagt Calas.

Und wie ist es bei Lippenstiften? Kommerzielle Marken können ihre Farben aus 43 zugelassenen Pigmenten mischen, bei zertifizierter Naturkosmetik sind es gerade mal fünf: Eisenoxid geht in Richtung Kupfer, Permanganat ist eher ein Violett, Beetenrot und Anthocyane, die in vielen Pflanzen vorkommen, sind nicht sehr stabil und lichtempfindlich. Was für knallrote Lippen übrig bleibt, ist Karmin. Der Farbstoff wird aus weiblichen Schildläusen gewonnen. Darum können leuchtend rote Lippenstifte nie vegan sein, genau wie es keine veganen Bio-Nagellacke gibt. In dem bisher einzigen Bio-zertifizierten Farblack kommt Schellack zum Einsatz, eine ebenfalls von Schildläusen produzierte harzige Substanz, die eine Trocknungszeit von bis zu zehn Minuten erfordert (von Logona, in fünf Tönen, um 15 Euro). Auch einen Schellack-Überlack (um 9 Euro) gibt es, er sorgt dafür, dass die Farbe länger auf den Nägeln bleibt.

Die Haltbarkeit auf Haut oder Wimpern ist eh eine Herausforderung bei Bio-Kosmetik, auch bei Mascara. „Ein wasserfestes Produkt ganz ohne Silikone und Vinylpolymer zu entwickeln ist schwierig“, sagt die Expertin. „Denn diese beiden Inhaltsstoffe sind üblicherweise für den wasserdichten Film auf den Wimpern verantwortlich.“ Aber manchmal kann man tricksen, wenn man bei Bio bleiben will: Wimpern tuschen, mit den Fingerspitzen schwarzen Lidschatten aufnehmen und auf die Wimpern pressen – so lassen sich Panda-Augen auch bei Naturkosmetik-Mascara weitgehend vermeiden.

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