Durst!

Jeder tut es, jeden Tag. Und doch halten sich Irrtümer rund ums Trinken. Was hinter diesen fünf Mythen steckt

Durst!

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Wer viel trinkt, sieht besser aus

Vielleicht. Wer reichlich Wasser trinkt, könnte schlanker sein als Menschen, die weniger trinken. Forscher der University of Illinois haben jüngst über 18.000 Erwachsene über ihr Ess- und Trinkverhalten interviewt. Ihre Studie belegte, dass jene Befragten, die mehr Wasser tranken, deutlich weniger Kalorien zu sich nahmen als andere. Und bereits vor Jahren zeigte eine Studie der Berliner Charité, dass Wassertrinken den Stoffwechsel bei normalgewichtigen Menschen aktiviert – zwei Liter täglich bedeuten demnach 100 zusätzlich verbrannte Kalorien. Beim Trinken von körperwarmem Wasser verbrannten die Probanden allerdings ein Drittel weniger Kalorien als bei kühlem Wasser, da das Wasser vom Körper nicht mehr erwärmt werden musste.
Auch die Haut profitiert von viel Wasser, heißt es oft. „Regelmäßig zu trinken ist Voraussetzung für schöne Haut, mehr trinken macht allerdings nicht immer noch schöner“, sagt dagegen der Karlsruher Hautarzt Dirk Meyer-Rogge. In jüngeren Jahren sei der Gehalt an Hyaluronsäure in der Haut hoch, sie sei in der Lage, reichlich Wasser zu speichern, und polstere so Fältchen ab. Mit dem Alter jedoch werde bei jedem die Haut trockener, reichliches Trinken bringe dagegen nichts, eher geeignete Pflegeprodukte.

Kohlensäure schadet den Zähnen

Nein. Denn das, was im Sprudelwasser blubbert, ist gar keine Säure, sondern Kohlendioxid (CO2) – ein wasserlösliches Gas, das umgangssprachlich Kohlensäure genannt wird. Mineralwasser schädigt also nicht die Zähne. Schorle mit Fruchtsäure und Mineralwasser mit Geschmack, das meist Zitronensäure enthält, dagegen schon. Sprudel sorgt vielmehr für eine bessere Durchblutung der Mundschleimhaut, fördert den Speichelfluss, reinigt die Geschmackspapillen und intensiviert den Geschmack des Getränks. Kohlendioxid hat außerdem eine leicht desinfizierende Wirkung, die Sprudel-wasser haltbarer macht als stilles Wasser.

Heilwasser ist nur etwas für Ältere

Nein. Heilwässer können für jeden eine Ergänzung zu gesunder Ernährung sein. In den 34 Heilwässern, die in Deutschland erhältlich sind, stecken reichlich Mineralstoffe, Salze und Spurenelemente. In Wasser gelöste Mineralien werden vom Körper besonders gut aufgenommen und eignen sich zur Vorbeugung oder Linderung bestimmter Beschwerden. Etwa magnesiumreiche Wässer (ab 100 mg/l) bei Konzentrationsschwierigkeiten, Muskelkrämpfen und Migräne; oder Wasser mit viel Hydrogen-karbonat (ab 1300 mg/l) bei Sodbrennen und zur Anregung der Verdauung. Kalziumreiche Wässer (ab 250 mg/l) empfehlen sich besonders für Menschen, die wenig Milchprodukte zu sich nehmen. Damit Heilwässer Wirkung zeigen, müssen sie täglich getrunken werden. Auch manche Mineralwässer enthalten ähnlich hohe Dosen an Mineralstoffen, doch
ob die etwas bewirken, ist bisher nicht untersucht. Als Arzneimittel müssen Heilwässer die versprochene vorbeugende, lindernde oder heilende Wirkung wissenschaftlich nachweisen.

Auf mein Durstgefühl kann ich mich verlassen

Das ist umstritten. Während manche Wissenschaftler dafür plädieren, unabhängig vom Durst regelmäßig zu trinken, sind andere gerade vom Gegenteil überzeugt. „Es gibt keinen Beweis dafür, dass wir mehr trinken sollen, als es unserem natürlichen Durstgefühl entspricht“, schreibt die Ärztin Margaret McCartney im renommierten „British Medical Journal“. Menschen ab Ende 60 verspüren jedoch oft weniger Durst, schuld daran sind u. a. alternde Nerven in Mund, Rachen und Magen. Bei kalten Temperaturen lässt bei allen Menschen der Durst nach, obwohl der Körper genauso viel Flüssigkeit braucht wie bei Wärme. Empfohlen werden einem gesunden Erwachsenen am Tag rund 1,5 Liter an Getränken. Bei Hitze, trockener kalter Luft, schwerer Arbeit, Sport und salzigem Essen entsprechend mehr. Worüber sich die Wissenschaft einig ist: Es bringt keinen Vorteil, so viel wie möglich zu trinken.

Wer nur Leitungswasser trinkt, lebt ungesund

Nein. Mineralstoffe stecken auch in diesem Wasser, manchmal sogar in gleich hoher Dosierung wie im Mineralwasser. Die Kontrollen für Trinkwasser sind streng; vereinzelt gefundene Spuren etwa von Arzneimitteln stellen laut Umweltbundesamt keinerlei Risiko für die Gesundheit dar. Die Wasserwerke garantieren die Qualität des Wassers bis zum Hausanschluss. Wer ganz sichergehen will, informiert sich über die Rohre im Haus: In manchen Regionen liegen noch Leitungen aus Blei. Generell gilt: Wasser erst eine Weile laufen lassen, bevor man es trinkt – in stehenden Lachen könnten sich Keime bilden.

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