Ernährungsreport: Was wir essen

Die Deutschen würden sich gern gesund ernähren und wünschen sich artgerechtere Tierhaltung, essen aber am liebsten Fleisch

Ernährungsreport: Was wir essen

© iStock/villagemoon

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Gesundheit, Qualität und Tierwohl sind den Deutschen bei ihrer Ernährung wichtig. Soweit die Theorie. Denn trotzdem landen zu viel Fleisch und Fertigprodukte auf dem Teller. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung für den „Ernährungsreport 2017“ , der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) herausgegeben wurde. Für den Report hat das Meinungsforschungsinstitut forsa rund 1.000 Deutsche befragt.
Die meisten Deutschen wünschen sich demnach, dass ihnen das Essen nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist (89 Prozent). Trotzdem gaben 41 Prozent der Befragten an, gern mal eine Tiefkühlpizza oder andere Fertigprodukte zu essen. Mehr als jeder Zweite findet eine schnelle Zubereitung des Essens wichtig. Etwa 39 Prozent kochen noch täglich selbst.

Mehr Geld für artgerechte Tierhaltung

Fast jeder zweite Befragte gab an, beim Einkauf auf tiergerechte Haltung zu achten, und drei Viertel finden ein staatliches Tierwohl-Label wichtig oder sehr wichtig. Dass danach gefragt wurde, könnte daran liegen, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ein solches staatliches Label plant.
Von der Landwirtschaft erwarten 70 Prozent eine artgerechte Haltung der Tiere. Neun von zehn Befragten wären sogar bereit, mehr Geld für artgerechte Tierhaltung ausgeben: im Schnitt 13,60 Euro für ein Kilo Fleisch. Zugrunde gelegt wurde bei der Befragung ein Kilopreis für Fleisch aus herkömmlicher Produktion in Höhe von 10 Euro. Doch reicht das aus? Als Beispiel: Rindfleisch aus artgerechter Haltung kostet in der Regel deutlich über 20 Euro pro Kilo.
Gleichzeitig achten 57 Prozent der Deutschen laut des Reports beim Einkauf darauf, dass die Nahrungsmittel preiswert sind. Rund zwei Drittel kaufen ihr Essen im Supermarkt ein. Über 40 Prozent gehen auch in Discounter – mehr als im Jahr davor.

Deutsche essen am liebsten Fleisch

Mit Abstand am liebsten essen die Deutschen weiter Fleischgerichte. Das passt zum hohen Fleischkonsum. Etwa 60 Kilogramm Fleisch im Jahr isst ein Deutscher laut Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie im Durchschnitt. Das ist etwa doppelt soviel wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) maximal empfohlen. Wie viele Menschen sich vegetarisch ernähren, wurde für den Ernährungsreport nicht abgefragt.

Das essen die Deutschen am liebsten:
53% Fleischgerichte
38% Nudeln/Pasta-Variationen
20% Gemüsegerichte
16% Fischgerichte
15% Suppen/Eintöpfe
14% Kartoffelgerichte
13% Pizza
13% Geflügelgerichte
Quelle: „Der BMEL-Ernährungsreport 2017“

Deutsche stellen Mindesthaltbarkeitsdatum infrage

Einige Lebensmittel wie zum Beispiel Salz können nicht verderben. Trotzdem haben sie ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Das halten neun von zehn Befragten für unnötig. Außerdem finden 70 Prozent ein Verbrauchs- oder Verfallsdatum sinnvoller als das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Drei Viertel der Befragten sagten, sie würden Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht sofort wegwerfen, sondern auf Genießbarkeit prüfen. Trotzdem werfen die Deutschen laut WWF im Jahr etwa 18,4 Millionen Tonnen Lebensmittel weg.

Besseres Essen in Kitas und Schulen und ein eigenes Schulfach

Gutes und gesundes Essen in Kitas und Schulen ist den Deutschen sehr wichtig. 90 Prozent wünschen sich hier verbindliche Essensstandards. Zwei Drittel wären bereit, für Bio-Schulessen mehr zu bezahlen. Darüber hinaus wünschen sich etwa neun von zehn Befragten Ernährungsunterricht oder Ernährungskunde als zusätzliches Fach in der Schule. Sie finden das Fach im Vergleich zu Mathematik, Deutsch oder Englisch wichtig oder sehr wichtig.
Und noch etwas zeigte sich im Ernährungsreport: Ostdeutsche ernähren sich gesünder als Westdeutsche. Sie greifen seltener zu Süßigkeiten und essen mehr Obst und Gemüse.
Ein Klischee bestätigt sich ebenfalls: Frauen konsumieren bewusster als Männer. So achten sie etwa häufiger auf Biosiegel, Fairer-Handel-Siegel und Tierwohllabel.


 

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