Gesünder schwitzen

Seitdem man mir sagte, man könne mit Saunagängen seine Abwehr stärken, gehe ich fast täglich in die Sauna

Gesünder schwitzen

© Maik Brummundt

Seitdem man mir sagte, man könne mit Saunagängen seine Abwehr stärken, gehe ich fast täglich in die Sauna. Es ist ziemlich zeitaufwendig und lässt mich kaum mehr zu etwas anderem kommen. In der Regel fühle ich mich danach fast vollständig dehydriert. Ich bin so erschöpft, dass ich nicht in der Lage bin, auch nur irgendwas zu tun, nachdem ich in der Sauna war. Außer schlafen vielleicht oder essen. Am besten kurz essen und dann lange schlafen. Da ich oft schon am Vormittag in die Sauna gehe, ist der Tag dann natürlich jedes Mal gelaufen. Die Saunagänge machen mich meistens sehr lethargisch. Ich gehe seit etwa 14 Jahren regelmäßig in die Sauna.

Ein oder zwei Saunagänge sind noch irgendwie in Ordnung, aber meistens mache ich mindestens vier. An Tagen besonderer Gefährdung auch mehr. Ein Zusammenhang mit den Erkältungen, die ich trotzdem bekomme, ist nicht zu erkennen. Aber ich höre deswegen natürlich nicht auf. Ich bin sicher, dass mich die Sauna vor weit Schlimmerem bewahrt.

SchwitzenDie meisten Männer geben sich in der Sauna sehr männlich. Männlich ist, sich in die oberste Reihe zu setzen und dem Saunameister durch leicht verächtliche Bemerkungen klarzumachen, dass sein Aufguss bestenfalls eine brauchbare Kindervariante ist. In der Sauna und auf den umliegenden Liegen sitzen mehr oder weniger immer dieselben Gestalten. Drei Rentnerinnen, die sich stets angeregt, aber immer ein wenig zu laut unterhalten. Ein russischer Geschäftsmann, der immer mit Leibwächter erscheint (der die exakt gleichen Pantoffeln trägt wie er). Ein südeuropäischer Playboy, der alle Frauen ab einem gewissen Attraktivitätslevel (unabhängig von der Situation und ihrem Bereitschaftsgrad) sofort anspricht – sofern sie nicht älter als 23 sind. Und ein mittelalter Schönheitschirurg, der das „Best of“ seiner Operationen anhand wechselnder Begleitungen gleich vorzeigen kann.

Und natürlich mein Hypochonderfreund Enzo. Wir sprechen viel über Krankheiten. Es gibt keinen besseren Ort dafür als die Sauna. Wir versuchen, uns dabei immer ein bisschen zu übertrumpfen, meist läuft es auf ein Unentschieden hinaus: Seine Ängste sind fast noch größer als meine, dafür bin ich ab und zu auch mal tatsächlich krank – was bei ihm eigentlich nie vorkommt.

KOMMENTARE

DISQUS: 0