Kosmetik aus frischen Zutaten

Cremes und Lotionen aus natürlichen, frischen Ingredienzien – ohne Konservierungsstoffe. Die Vor- und Nachteile des neuen Trends

Kosmetik aus frischen Zutaten

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Dass es solche Produkte jetzt gibt, hat auch mit einer Gesetzesänderung von vor rund zehn Jahren zu tun. Damals hatte die EU festgelegt, dass Kosmetik mit einem Verfallsdatum (etwa: 12/16) versehen werden muss, oft gekennzeichnet mit einem Sanduhr-Symbol oder einem geöffneten Tiegel. „Die Einführung des Mindesthaltbarkeitsdatums war eine riesige Herausforderung, denn große Firmen produzieren große Mengen, die allein schon aus logistischen Gründen sehr lange haltbar sein müssen“, sagt die Dänin mit finnischen Wurzeln, damals Marketingleiterin einer großen französischen Drogeriemarke.

Vitamine zerfallen mit der Zeit

Sie fing an, sich verstärkt mit den Zutaten für mehr Haltbarkeit zu beschäftigen: Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Stabilisierungsmittel, die in vielen Produkten stecken. Die heute 40-Jährige verblüffte, wie schnell manche aktive Inhaltsstoffe ohne solche Helfer ihre Wirkung einbüßen. Zum Beispiel Vitamin C: Bei Wasserkontakt zerfällt das Antioxidans innerhalb weniger Wochen. Jasmi Bonnéns großes Aha-Erlebnis: „Hautpflege ist wie Nahrung, wie beim Obst und Gemüse gehen die Vitamine mit der Zeit verloren.“

Hautpflege ist wie Nahrung, wie beim Obst und Gemüse gehen die Vitamine mit der Zeit verloren.

Gut verpackt hält besser

Und genau hier punktet Frischekosmetik: Vom Rosenwasser über Traubenkernöl, Hyaluronsäure oder Sheabutter, alle Zutaten kommen so frisch wie möglich in die Tube und sind zum sofortigen Verbrauch bestimmt. Vitamin C wird zum Teil sogar erst zu Hause in die wässrige Phase gegeben (etwa beim „Supreme-C Serum Treatment“ von Nuori). Eine ganz große Rolle in puncto Haltbarkeit spielt bei Frischekosmetik – genau wie bei konventionellen Produkten – die Verpackung: Um die Inhaltsstoffe vor Licht zu schützen, müssen etwa Öle dunkel verpackt sein, sei es in Aluminium, dunklem oder lackiertem Glas. Metalltuben oder sogenannte Airless-Verpackungen, die wie Tiegel aussehen, verhindern den Kontakt des Produkts mit der Luft. Das ist gut so, denn durch Sauerstoff oxidieren die guten Zutaten. Der Nachteil von Frischekosmetik: Die Produkte sind vergleichsweise teuer und sollten – klar – zügig verbraucht werden. Darum tragen sie keine Abkürzungen oder Symbole, sondern handfeste Datumsangaben auf der Verpackung. Bei Nuori sind es sogar zwei Daten: „best before“ markiert die Haltbarkeit der konservierungsmittelfreien Produkte, angegeben wird der Tag sechs Monate nach Herstellung. „start using by“ ist das Datum, an dem das Produkt drei Monate alt ist – zu diesem Zeitpunkt soll es im heimischen Badezimmer angekommen sein. Damit das Konzept „Frischekosmetik“ funktioniert, dürfen die Produkte also nicht lange im Laden stehen. Kein Wunder, dass sie vor allem online vertrieben werden. Und so ist die hippe Kosmetik ein weiterer Trend, der erst mit dem Internet möglich wurde.

 

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