Mikroplastik auf Rundreise

Ob Creme oder Duschgel: Mikroplastik steckt in unzähligen Kosmetikprodukten. Die Folgen für unsere Gesundheit sind nicht abzusehen. Dabei wäre es so leicht, die Kügelchen aus dem Alltag zu verbannen und damit einen unheilvollen Kreislauf zu durchbrechen

Mikroplastik auf Rundreise

© Deborah Massing
1.

BADEZIMMER

In Tagescreme, Lippenstift und Puder dient Mikroplastik als Bindemittel oder Füllstoff. Viele Peelings und Duschgels sind mit bis zu zehn Prozent der weichen Kügelchen angereichert, um den Reinigungseffekt zu erhöhen. Zwar wollen immer mehr Hersteller inzwischen auf diese Zugabe verzichten. Doch die Liste der Produkte, in denen Kunststoffpartikel stecken (kann man z. B. auf BUND.net runterladen), ist noch immer schier endlos.

2.

ABWASSER

Beim Duschen und Abschminken schwemmen die höchstens stecknadelkopfgroßen Polymere ins Abwasser. Kein Sieb hält sie auf, es müsste schon Poren wie ein Kaffeefilter haben. Auch aus Fleece-Pullis und Sportkleidung werden mit jedem Waschgang Chemiefasern in den Abfluss gespült. Hier gibt es zum Glück bald Abhilfe: Ein Wäschenetz – die Erfindung eines Berliner Start-ups – fängt schon in der Trommel den Plastikmüll ab. Die ersten dieser sogenannten Guppy Friends wurden bereits produziert und über ein Crowdfunding finanziert (Infos: guppyfriend.com).

3.

KLÄRWERK

Am Herausfiltern des winzigen Plastikmülls wird fieberhaft geforscht. Wissenschaftler der Universität Oldenburg haben ein Filtertuch entwickelt, das aufbereitetes Abwasser von Kügelchen nahezu vollständig reinigt. Doch bis ein derartiges Konzept in Serienproduktion geht, strömen die Kunststoffe, vor allem Polyethylen, ungehindert aus der Kanalisation über die Kläranlagen in die Umwelt. Übrigens auch auf die Felder, da der dorthin ausgebrachte Klärschlamm damit verseucht ist.

4.

FLÜSSE UND MEERE

500 Tonnen Plastikkügelchen, allein aus kosmetischen Mitteln, gelangen jedes Jahr in Nord- und Ostsee, schätzt das Bundesumweltamt. Jahrhunderte braucht es, bis sie abgebaut sind. So lange treibt das Plastik wie Plankton durch die Meere und zieht Schadstoffe aus dem Wasser an.

5.

TIERE

In den Mägen von Kabeljau, Aal und Makrele ist längst Mikroplastik gefunden worden. Bei Miesmuscheln haben Biologen im Zusammenhang mit den Partikeln entzündetes Gewebe und Unfruchtbarkeit festgestellt. Sie gehen davon aus, dass Bestandteile des Plastiks hormonell störend wirken können. Ein Rückgang der Fischbestände wäre demnach nur eine Frage der Zeit.

6.

MENSCHEN

Auch bei uns sind in Blut und Organen bereits Kunststoff-Rückstände nachgewiesen worden. Der Zusammenhang mit dem Verzehr von Speisefischen und Meeresfrüchten ist unklar, aber eben auch nicht abwegig. Über die mögliche gesundheitsschädigende Wirkung auf den Menschen streiten Experten. Eines ist aber völlig klar: Es ist leicht, auf Mikroplastik zu verzichten.

PLASTIKPARTIKEL VERMEIDEN – SO GEHT’S:

Bis 2020 wollen die Hersteller von Kosmetik und Sportbekleidung nur noch natürliche, abbaubare Substanzen beimischen. Weil das noch lange hin ist und bisherige Zusagen nicht viel verändert haben, ist es besser, selbst zu handeln: Mit der App „Codecheck“ (kostenlos, für Android und iOS) Produkt im Laden scannen – und das Miniprogramm sagt, welche Art von Mikroplastik enthalten ist, und schlägt ggf. Alternativen vor. Auf der sicheren Seite ist man mit zertifizierter Naturkosmetik, sie ist garantiert frei von Plastikpartikeln.

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