Mindful Walking: laufend entspannt sein

Spazierengehen tut gut, ja. Doch was hat es mit „Mindful Walking“, einer Geh-Meditation auf sich? Autorin Karin Banduhn hat es ausprobiert

Mindful Walking: laufend entspannt sein

© iStock/fizkes

Die Augen zu, die Arme ausgestreckt, lasse ich meine Hüften kreisen und frage mich, was die Leute im Park wohl von mir denken. Vielleicht so was wie „Aha, Esoterikerin. Gleich umarmt die noch die Bäume“. Sonst haste ich nach dem Lunch ja auch hier lang, um schnell mal Luft zu schnappen und private Mails zu checken. Heute aber mache ich meine Mittagspause bewusst ganz anders. Und bin damit zum Glück nicht allein.

Neben mir zieht Tobias Sprenger genüsslich die Luft ein und atmet mit einem lautem Ahhh! wieder aus. Er lädt dazu ein, in mich hinein zu horchen. Als Facharzt für Ganzheitliche Medizin hat er natürlich Routine darin. Doch bin ich bereit, mich auf das Experiment einzulassen und Achtsamkeit zu üben?
Setzen Sie jetzt ganz langsam einen Fuß vor den anderen“, sagt mein Experte für Gehmeditation, eine Form der Entspannung, die ich nie ernst genommen habe – bis heute.

Es knackt unter der Ferse, ich trete behutsam auf eine dicken Knubbel und drücke ihn im Zeitlupentempo in die weiche Erde. Fühlt sich komisch an. ‚Bitte lass es ein Tannenzapfen gewesen sein‘, schießt mir durch den Kopf und ich muss kichern. Ja, allmählich entspanne ich mich und bemerke den Boden unter meinen Füßen. Gefühlt dauert es eine Ewigkeit, bis ich mit geschlossenen Augen die ersten Schritte schaffe, ohne zu blinzeln oder zu stolpern, und wundere mich, wie neu sich bloßes Gehen anfühlt, wenn man an nichts anderes denkt.

„Schritt für Schritt zu inneren Ruhe“ hieß es in der Einladung für diese Probe-Session zum Mindful Walking. Ich spüre die milde Herbstluft in meinen Lungen, höre das Laub unter den Sohlen rascheln und bemerke, wie der Druck aus dem Kopf weicht. Vielleicht, weil das Gedankenkarussel gerade Pause macht? Neugierig wandele ich weiter. Wohin oder wie weit, sei völlig egal, erklärt Doc Sprenger. Wenn der Geist abschweift, konzentriert man sich wieder auf das Atmen und die Bewegung.

Denn Achtsamkeit ist nicht kompliziert und man muss auch keinen Kurs buchen, um sie mit Erfolg zu praktizieren. Es geht einfach darum, den einen Moment wahrzunehmen – und dann noch einen. Bei mir klappt das besser beim Gehen als im Schneidersitz auf der Yogamatte. Die Übung ist zu Ende und ich stelle verblüfft fest, dass sie nicht einmal 10 Minuten gedauert hat. Aber: Mein Blick auf die Welt ist glasklar und ich fühle mich wach und voller Energie. Das hätte ein doppelter Espresso niemals geschafft.

Das Tolle am Mindful Walking: Man kann es immer und fast überall im Alltag einbauen, am besten draußen in einer natürlichen Umgebung. Und das Beste für mich an dieser Mini-Meditation: Ich kann mich damit wunderbar selbst mit einem Lächeln im Gesicht überraschen.

Möchten Sie es auch einmal ausprobieren? Diese Broschüre von Weleda bietet eine übersichtliche Schritt-für-Schritt-Anleitung.

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