Auf das Smartphone schauen, ohne Nackenverspannungen zu riskieren

Wer lange mit gesenktem Kopf aufs Display starrt, kriegt es im Genick. Wie man dem „Handynacken“ vorbeugt, sagt Physiotherapeut Björn Meurer

Auf das Smartphone schauen, ohne Nackenverspannungen zu riskieren

© iStock/jehsomwang

„Ich beobachte es überall: Im Café, in der S-Bahn, auf dem Bürgersteig: Menschen, die auf Handys starren. Mit herunter geklapptem Kopf, so dass das Kinn fast die Brust berührt. Aber: Je tiefer der Kopf nach vorne sinkt, desto stärker wird der Rücken belastet. Wer auf sein Mobilgerät blickt, hat den Kopf oft um 45 Grad gesenkt. In dieser Position muss die Halswirbelsäule Zugkräften von etwa 20 Kilogramm aushalten. Das bedeutet: Die Bänder sind ständig gedehnt, die Haltemuskulatur angespannt und der Schulter- Nacken-Bereich wird nicht genug mit Blut versorgt. Deshalb habe ich 7 Tipps zusammengestellt, wie Sie einem steifen Nacken, Kopfschmerzen und Wirbelsäulenverschleiß verbeugen können.“

Kleine Guck-Schule


1. Kopf nur leicht nach vorne neigen und dabei nicht in der Halswirbelsäule abknicken. Ein Neigungswinkel bis 15 Grad ist physiologisch okay

2. Haltung öfter wechseln. Alle 5 bis 7 Minuten den Kopf heben, Augen geradeaus, den Rücken aufrichten und dabei die Schultern unten lassen. Das aktiviert die Nackenmuskeln und entlastet die Halswirbel.

3. Mit den Augen rollen. Mit ausgestreckten Arm langsam einen großen Kreis um das Gesichtsfeld beschreiben, dabei nur mit den Augen dem Zeigefinger folgen. Zweimal in beide Richtungen. Effekt: Die Augenmuskulatur entspannt sich und dadurch wird auch wieder der erste Halswirbel beweglich. Denn es besteht tatsächlich ein direkter Zusammenhang in der Muskelkette, die zu Nackenschmerzen führen kann.

 

Wenn das Genick schon verspannt ist


1. Schultern richtig hochziehen und halten, bis 10 zählen und wieder lösen. Es hilft, auch verhärtete Muskeln zunächst fest anzuspannen, weil sie anschließend viel besser entspannen können.

2. Armkreisen – Schultern fallen lassen und 10 Mal beide Arme abwechselnd vor und- zurückkreisen lassen. Effekt: Die Muskeln im Schulterbereich und an der Halswirbelsäule werden gut durchblutet und Verkrampfungen lösen sich wieder.

3. Schulterkuss – Den Kopf langsam zur einen Schulter ziehen, die andere Schulter nach unten ziehen, so dass ein sanfter Zug im seitlichen Muskelstrang zu spüren ist. Dann den Kopf wieder aufrichten und zur anderen Seite.

4. Nackenmassage – Den Kopf entspannt auf die Brust fallen lassen, Schultern senken und mit beiden Hände sanft kreisend die Muskelstränge auf beiden Seiten der Halswirbelsäule massieren, dabei bewusst ein- und ausatmen. Das entspannt – noch bevor der Handy-Akku leer ist.

 

Björn Frederic Meurer
Björn Frederic Meurer ist Physiotherapeut mit einer Praxis in Hamburg. Vor 20 Jahren hat er das Konzept der Rückenschule maßgeblich mitgestaltet. Sein therapeutischer Ansatz: „Ich behandele, der Körper heilt“. www.meurer-hamburg.de

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