„No Poo“: Saubere Haare ohne Shampoo

Haare waschen ohne Shampoo. Geht das überhaupt? Bloggerin Madeleine Alizadeh hat es ausprobiert und erzählt im Interview von ihren Erfahrungen

„No Poo“: Saubere Haare ohne Shampoo

Symbolbild: © iStock/Carol_Anne

Madeleine Alizadeh, „No Poo“ bedeutet, kein Shampoo im herkömmlichen Sinn zu benutzen. Sie haben das ausprobiert. Für wen eignet sich No Poo besonders gut?

Es eignet sich für alle Menschen gut, besonders für die, die unzufrieden sind mit ihrer Kopfhaut. Sprich für die, die fettige Kopfhaut haben, trockene Kopfhaut haben, zu Schuppen neigen oder zu Rötungen. Also alle, die mit herkömmlichem Shampoo und ihrer Kopfhaut nicht zufrieden sind.

Welche Vorteile hat No Poo im Vergleich zum Haarewaschen mit Shampoo?

Der Gedanke hinter No Poo ist, dass man die Talgdrüsen auf der Kopfhaut wieder ins Gleichgewicht bringt. Das kann man sich vorstellen wie auch mit der Haut im Gesicht. Wenn man zum Beispiel besonders fettige Haut hat und Gesichtsreiniger oder Produkte im Gesicht verwendet, die stark austrocknen, dann merkt man in der ersten Sekunde: „Oh die Haut ist nicht fettig und schön glatt.“ Nur je aggressiver die Talgdrüsen ausgetrocknet werden, desto mehr Talg produzieren sie natürlich nach. Das heißt, was mit No Poo erzielt werden soll, ist, dass ein natürlicher Fettfilm auf der Haut bleibt, damit die Talgdrüsen nicht zu stark nachproduzieren. Und dass die Haare nicht so schnell wieder fettig werden und man das Haarewaschen hinauszögern kann.

Sie haben verschiedene Methoden von No Poo ausprobiert. Wie kamen Sie damit klar?

Ich habe viel ausprobiert, von der Natronwäsche über Haarseife hin zu Roggenmehl und Lavaerde, wo ich dann letztendlich geblieben bin. Ich habe auch Haartees ausprobiert, und ich habe es mit einer Kastanienlauge versucht.

Ihre Favoriten sind Lavaerde und Roggenmehl. Wie kann ich mir das vorstellen: Wie genau wäscht man sich mit Roggenmehl die Haare?

Man muss das Roggenmehl mit Wasser anmischen, am besten siebt man es davor ab, damit keine Klumpen entstehen. Es ist auch wichtig, dass man Roggenmehl verwendet und kein Weizenmehl, weil in Weizenmehl viel Gluten enthalten ist, also der Weizenkleber. Das bekommt man nicht gut aus den Haaren raus. Roggenmehl wird zu einer glatten Masse und klebt nicht in den Haaren. Man kann aber glaube ich auch Kichererbsenmehl nehmen. Solange nicht viel Gluten drin ist, geht es. Ich nehme immer drei bis fünf Esslöffel Mehl mit soviel lauwarmem Wasser, bis es zu einer cremigen Masse wird, die nicht zu fest und nicht zu flüssig ist. Einfach so, dass man es gut auf der Kopfhaut verteilen kann. Lavaerde mischt man genauso an. Wichtig ist immer, und das vergessen viele: Man muss schon die mechanische Reinigung berücksichtigen. Das heißt, man muss, wenn man No Poo macht, natürlich viel besser auf der Kopfhaut verreiben und verrubbeln und mechanisch mit den Fingern reinigen.

Woher kommt die reinigende Wirkung vom Roggenmehl?

Roggenmehl als auch Lavaerde enthalten natürliche Tenside. Die sind für die reinigende Wirkung verantwortlich. Und Roggenmehl ist auch gut, weil es viele Aminosäuren, Mineralien und Viamine enthält.

Was empfehlen Sie Menschen, die No Poo ausprobieren möchten?

Ich würde einfach erstmal eine Methode ausprobieren. Am Anfang rät man zu einer Natronwäsche, weil dabei die Silikonrückstände von Shampoos leichter aus dem Haar rausgehen. Es dauert natürlich, bis das Haar sich wirklich vollständig des Silikons entledigt hat. Das heißt, die Anfangsphase ist meistens wirklich sehr hart, weil die Haare nicht wirklich schön sind.

Im Internet kann man oft abschreckende Geschichten lesen, dass die Haare wochenlang oder sogar noch über Monate fettig aussehen. Wie lang hat die Übergangszeit bei Ihnen gedauert?

Bei mir hat es ungefähr sechs Wochen gedauert. Meine Haare sind am Anfang schneller fettig geworden. Aber am Ende musste ich wirklich nur noch einmal die Woche Haare waschen. Was wichtig ist bei No Poo ist, dass man nicht den Mut verliert, weil es eben längere Durststrecken geben kann. Man muss auch herausfinden, was für einen selbst gut funktioniert. In einer Facebook- Gruppe habe ich teilweise Sachen gelesen und mich gefragt: Wieso funktioniert das bei mir nicht? Jedes Haar ist anders, jede Kopfhaut ist anders. Was bei mir funktioniert muss noch lange nicht bei dir funktionieren. Viele vergessen auch einfach die mechanische Reinigung, weil das selten erzählt wird. Und das hat bei mir einen Riesenunterschied gemacht.

Normales Shampoo schäumt und riecht gut. Haben Sie davon etwas vermisst bei No Poo?

Ich persönlich habe den Duft noch am ehesten vermisst. Den Schaum überhaupt nicht, daran habe ich mich echt sehr schnell gewöhnt. Und ich benutze auch am Körper nur ein Stück Seife oder gar nichts. Ich bin eh vom Schaum weg sozusagen.

Sie benutzen jetzt wieder Shampoo, aber als festes Shampoobar, mit dem Sie die Plastikverpackung einsparen. Warum haben Sie mit No Poo wieder aufgehört?

Ich mache inzwischen vier- bis sechsmal die Woche Yoga, und davon oft Hot Yoga, also das, wo man so richtig stark schwitzt. Das heißt, ich dusche dann immer gleich im Studio und wasche mir die Haare immer nach den jeweiligen Hot Yoga Stunden. Da kann ich nicht mit Lavaerde und Roggenmehl antanzen und mein halbstündiges Programm im Bad abhalten.

Das heißt, No Poo dauert länger?

Es dauert minimal länger, ja. Ich würde sagen fünf Minuten. Aber wenn man im Studio nur 20 Minuten Zeit für Haare waschen, Fönen, Anziehen hat, dann sind diese fünf Minuten leider sehr lang.

Madeleine Daria Alizadeh

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Fotocredit: Maximilian Salzer

Madeleine Sophie Daria Alizadeh ist eine der bekanntesten Bloggerinnen Österreichs. Die 27-jährige Wienerin schreibt auf ihrer Webseite www.dariadaria.com über nachhaltige und faire Mode, Zero Waste, Kosmetik, vegane Ernährung und Reisen. Über das Thema „No Poo“ hat sie die FAQ „Haare waschen ohne Shampoo“ zusammengestellt.


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