Na, sauber!

Hygiene: Zu wenig ist eklig, zu viel sorgt für Hautprobleme. Wie viel Waschen es sein darf

Na, sauber!

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Waschen muss sein, dennoch können wir unter der Dusche, in der Badewanne und vor dem Waschbecken auch übers Ziel hinausschießen. Unsere Haut hat ihre eigene Flora, überaus nützliche Bakterien und Pilze, die ihr helfen, schädliche Krankheitserreger abzuwehren. Zum Glück lassen sich unfeine Gerüche auch vermeiden, ohne der Haut zu schaden. Sieben blitzblanke Facts über Hygiene.

Bitte keine Schaumschlacht

1 Die tägliche Dusche gehört für 65 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen einfach dazu. Normale, gesunde Haut macht das klaglos mit, doch bei trockener Haut können Wasser, Shampoo und Duschgel Probleme verursachen. Hautärzte sprechen in solchen Fällen davon, dass man sich ein Ekzem „angewaschen“ hat, und empfehlen, Seife und Duschgel nur punktuell zu verwenden.

„Es gibt absolut keinen Grund, täglich den Rücken mit Seife abzuschrubben“, urteilt der Hamburger Dermatologe Professor Volker Steinkraus. Nur unter den Achseln und im Genitalbereich arbeiten ab der Pubertät sogenannte apokrine Schweißdrüsen, die ohne das Zutun von Seife und Wasser im Zusammenspiel mit Mikroorganismen einen stechenden Geruch produzieren. Am übrigen Körper nützt der Verzicht auf Seife vor allem dem Talggehalt der Haut und stärkt nach neuen Erkenntnissen sogar ihren Immunschutz.

Intime Frage

2Frauen neigen bei ihrer Intimhygiene zu Übertreibungen. „Es wird zu häufig und mit zu aggressiven Mitteln gereinigt, Slip-Einlagen mit Parfümbenutzt oder sogar Desinfektionsmittel. Das sind alles Sachen, die gehören da nicht hin“, sagt die Hamburger Frauenärztin Inge Reckel-Botzem. Ihre Pflege-Empfehlung: einmal am Tag mit warmem Wasser waschen, zwei- bis dreimal in der Woche eine milde Seife, zum Beispiel eine Baby-Seife, oder eine im pH-Wert dem Scheidenmilieu angepasste Intimwaschlotion benutzen. Wer zu viel reinigt, schwächt den Eigenschutz des Körpers und begünstigt so zum Beispiel Pilzinfektionen. Andersbei der Wäsche von Dessous: Niedrige Temperaturen reichen nicht, um Stoff zu desinfizieren. Wer nie bei 60 Grad wäscht oder völlig auf Hygiene-Spüler verzichtet, kann sich deshalb immer wieder bei sich selbst anstecken.

Handfeste Basics

3Während auf der Haut eine Menge Keime wohnen, die uns Gutes tun, lauern auf U-Bahn-Griffen, Türklinken, Geländern Erreger, die krank machen können. Deshalb lautet das oberste Hygiene-Gebot aller Experten: richtig Hände waschen. Das schafft laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung höchstens ein Drittel der Deutschen! Kurz mit Wasser benetzen bringt wenig, man muss die Hände inklusive der Zwischenräume zwischen den Fingern 20 bis 30Sekunden lang mit Seife einreiben, gründlich abwaschen und ebenso gründlich abtrocknen, und das mehrmals täglich. Gutes Händewaschen bewahrt einen nicht nur vor Erkältungen, sondern steigert die Stimmung. „Embodiment“ heißt ein junger psychologischer Forschungsansatz, der untersucht, wie der Körper die Psyche beeinflusst. Dabei kam heraus, dass Händewaschen entspannt und uns unsere Umwelt gnädiger beurteilen lässt.

Normale Seife tut‘s auch

4„Antibakteriell“ klingt appetitlich, doch viele der mit dem Begriff beworbenen Seifen enthalten noch immer das umstrittene Biozid Triclosan. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, auf solche Produkte zu verzichten. Die flächendeckende Verwendung von Triclosan fördert die Entwicklung resistenter Keime, und im Normalfall reinigen Wasser und Seife die Haut ausreichend.

Wo Wasser nicht reicht

5Das Gesicht nur mit Wasserwaschen? Keine gute Idee. Trockene Haut trocknet davon aus, weil das verdunstende Restwasser körpereigene Feuchtigkeit mit sich zieht, während talgreiche, zu Pickeln neigende Haut nicht sauber genug wird.

Ausnahmefälle

6Ganz Kleine und ganz Große müssen besonders sorgsam vorgehen. Kinder- und Altershaut produzieren weniger körpereigene Feuchthaltemittel, die Wasser in der Hornschicht binden, sie müssen also sehr schonend – etwa mit Baby-Seife – gereinigt werden.

Ganz oder gar nicht

7Dass man sich viel zu wenig oder viel zu viel wäscht, ist gar nicht so ungewöhnlich, wie es klingt. An einem Ende der Fahnenstange verweigern viele Kinder und Teenager phasenweise jede Form von Körperreinigung. Kinderpsychologen empfehlen, das mit Gelassenheit zu nehmen –schließlich legt sich das Phänomen meist von allein. Andererseits kann exzessive Körperhygiene Zeichen einer Zwangsstörung sein. In extremen Fällen nehmen die Reinigungsrituale den ganzen Tag ein. Betroffenen und ihren Angehörigen wird empfohlen, sich bei Fachverbänden Hilfe zu holen, zum Beispiel auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (www.zwaenge.de).

 

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