Taschen tragen

Über der Schulter oder lieber huckepack? Wie sich die Siebensachen körpergerecht tragen lassen, erklärt Physiotherapeut Björn Meurer

Taschen tragen

© iStock/Massakre

„Das Tablet, Portemonnaie, Schlüsselbund, Wasserflasche – wie praktisch, wenn der ganze Kram für unterwegs in eine Tasche passt. Allerdings kommen so schnell mehrere Kilogramm an Traglast zusammen – die Sie sich ja tagtäglich umhängen. Diese Art von Gewichtheben ist aber leider kein gutes Krafttraining. Es schadet Schultern und Rücken erheblich und kann sogar die Wirbelsäule verkrümmen. Denn Schulter- und Nackenmuskeln, damit verbunden die Brust- und Halswirbel, versuchen immer wieder, in Balance zu kommen und der einseitigen Belastung gegenzusteuern. Wird das zu schwer, gerät der Oberkörper auf Dauer in einen Schiefstand. Die Folgen: Verspannung, Schmerz, Stress. Das passiert nicht, wenn Sie es so machen:

Tasche über die Schulter hängen

Körperfreundlich ist das nur, wenn die Tasche kaum etwas wiegt. Denn dann ziehen sich auch die Schultermuskeln nicht hoch und Sie bleiben entspannt und gerade gerichtet. Bei drei Kilo ziehe ich hier definitiv die Grenze – das Gewicht der Tasche mitgerechnet! Trotzdem sollten Sie auch dann das hübsche Stück immer wieder von einer auf die andere Schulter wechseln und so oft wie möglich irgendwo abstellen, um die einseitige Belastung zu unterbrechen.

Diagonal über der Brust tragen

Das ist die bessere Variante, wenn die Tasche über längere Zeit getragen wird, etwas bei Spaziergängen oder längerem Stehen an Bushaltestelle oder in der U-Bahn. Denn so verteilt sich die Traglast, und da wir auch diagonale Muskelketten im Oberkörper haben, machen Sie sich so die natürliche Physiologie funktioneller zunutze. Außerdem liegt die Tasche dichter an und das ist gut: Je näher Sie Gewicht am Körper tragen, umso mehr entlasten Sie Ihre Wirbelsäule.

Rucksack statt Hängebeutel

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, mehr als drei Kilo zu schleppen. Etwa, wenn das Laptop und noch die Lunchbox mit müssen. So ein Zusatzgewicht gehört für mich auf jeden Fall auf den Rücken! Es sollte allerdings nicht mehr als 10 Prozent Ihres Körpergewichts sein. Achten Sie beim Tragen auch darauf, dass Sie sich dabei gerade halten können und die Schultern unten bleiben. Am besten sind Rucksäcke mit mehreren Fächern übereinander. Dann lässt sich die Last besser verteilen und bei festgezogenen Riemen dichter am Rücken tragen.

Bevor Sie sich für eine dieser Varianten entscheiden, stellen Sie Ihre Handtasche mal eben auf die Waage – möglicherweise erübrigt sich die Entscheidung und Sie packen besser gleich in einen Rucksack um …“

Björn Frederic Meurer
Björn Frederic Meurer ist Physiotherapeut mit einer Praxis in Hamburg. Vor 20 Jahren hat er das Konzept der Rückenschule maßgeblich mitgestaltet. Sein therapeutischer Ansatz: „Ich behandele, der Körper heilt“. www.meurer-hamburg.de

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