Termin bei Dr. Google

Wer im Internet Informationen zur Gesundheit sucht und Krankheiten googelt, fühlt sich danach oft schlechter. Vermeiden Sie diese fünf Fehler

Termin bei Dr. Google

© Mauritius Images

1. Sie geben einfach ein Symptom ein

Zum Stichwort Kopfschmerzen liefern Suchmaschinen wie Google über sieben Millionen Treffer. Wer nun querbeet liest, verzettelt sich schnell. Und der Schädel brummt schlimmer als vorher.

Besser: Sie suchen so spezifisch wie möglich. Ergänzen Sie Ihren Suchbegriff mit treffenden Schlagwörtern, zum Beispiel „Stirn“, „bohrend“, „Erkältung“. Je nachdem, was Ihr Problem am besten beschreibt. Okay, und jetzt nicht gleich weiterklicken, wenn die Ergebnisliste aufploppt. Denn: „Die Treffer sind nicht nach inhaltlicher Qualität sortiert“, erklärt Dr. Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln. Internetseiten werden für Suchmaschinen optimiert, also so gestaltet, dass die Website in der Trefferliste möglichst weit oben erscheint. Aber das bedeutet weder wahr noch wahrhaftig. Prüfen Sie: Wer steht hinter dem Informationsangebot? Manchmal erkennt man das am Namen, spätestens im Impressum oder auf Unterseiten wie „Über uns“. Sind finanzielle Interessen im Spiel? Sind die Autoren qualifizierte Experten, Mediziner? Es zeugt von Qualität, wenn diese Angaben leicht zu finden und mit Datum versehen sind. Natürlich können auch Pharmaseiten hilfreich sein – wenn man im Hinterkopf behält, dass die Interessen eines Unternehmes dahinter stehen. Besonders empfehlenswert sind unabhängige Angebote wie gesundheitsinformation.de.

2. Sie stöbern in Patientenforen

Kein Wunder, wenn Sie niedergeschlagen sind, nach den Leidensgeschichten. Natürlich sind Foren wichtig – aber für Patienten zum Austausch, nicht zur Diagnose oder um sich über mögliche Behandlungen zu informieren. Insgesamt sollten Sie einkalkulieren, dass das Netz kränker ist als die Realität. „Bedrohliche Erkrankungen, schlechte Erfahrungen mit Medikamenten oder Ärzten werden viel stärker verbreitet als gute Nachrichten“, sagt Ärztin Anja Bittner aus Dresden, Mitgründerin der Website washabich.de und Expertin für Arzt-Patienten-Kommunikation.

Besser: Bleiben Sie auf Portalen, die systematisch viele Krankheiten abdecken, solange Sie keine ärztliche Meinung haben, wie etwa netdoktor.de, lifeline.de oder onmeda.de. Diese Seiten haben auch alle ein Gütesiegel wie den HON-Code der Stiftung „Health On the Net“, das afgis-Siegel des Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem oder die Zertifizierung der „Stiftung Gesundheit“. Ein Anhaltspunkt beim Lesen ist auch das Stichwort „evidenzbasiert“: Dann beruhen die Aussagen auf wissenschaftlich belegten Daten und Studien.

3. Sie horchen beim Suchen ständig in sich hinein

Oje, es wird schlimmer! Beim Surfen im Netz sind solche Empfindungen keine Einbildung. „Symptombeschreibungen können wie ein Nocebo wirken – eine Tablette, bei der man eine negative Wirkung spürt, ohne dass ein Wirkstoff im Spiel war“, erklärt Bittner. Es ist erwiesen, dass die Überzeugung, krank zu sein, körperliche Beschwerden hervorrufen kann. Besser: „Wer sich als kleinen Hypochonder kennt, sollte den Computer erst gar nicht hochfahren“, rät Bittner. Nehmen Sie das Telefon zur Hand – und vereinbaren einen Termin beim Arzt Ihres Vertrauens.

4. Sie stellen eine Diagnose

Statt einfach nur Informationen zu sammeln, sind Sie ganz sicher: Das ist es! Nun können Sie an nichts anderes mehr denken.

Besser: Ziehen Sie möglichst wenig Schlüsse aus Ihren Recherchen, und machen Sie sich möglichst wenig Sorgen. Die zuständigen Ärzte haben das bessere Fachwissen, egal wie gut Sie recherchieren. Klar hat der Netzdoc immer ein leeres Wartezimmer und unendliches Wissen. Aber er kann weder auf Sie eingehen noch abwägen. Und die Basis jeder Diagnose ist die gründliche Untersuchung des Patienten.

5. Sie überfallen Ihren Arzt mit den gesammelten Informationen

54 Prozent der niedergelassenen Ärzten finden internetinformierte Patienten problematisch, so eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Ein Drittel ist der Ansicht, die Inhalte würden Patienten eher verwirren. Ärzte müssen sich erst ein eigenes Bild machen – nicht davon, was der Patient weiß, sondern von seiner Gesundheit.

Besser: „Sagen Sie kurz, was Sie herausgefunden haben, und konzentrieren sich dann darauf, Ihre Beschwerden gut zu beschreiben“, rät Bittner. Die große Zeit des Internets kommt nach der Diagnose, dann kann man gezielt suchen. „Der informierte Patient kann sogar die Therapie verbessern“, erklärt Dr. Jan Böcken von der Bertelsmann Stiftung. Wer gut Bescheid weiß, entscheidet besser über die Therapie mit und sorgt mehr für seine Gesundheit, verfolgt sogar den Behandlungsplan gewissenhafter, beweisen Studien. Ideale Quellen sind dann unabhängige Seiten wie krebsinformationsdienst.de sowie Patientenleitlinien auf der Website patienten-information.de der Bundesärztekammer. Leitlinien, nach denen Ärzte behandeln sollten, findet man mit den Stichwörtern „Leitlinie“ und der jeweiligen Krankheit. Und dann alle Kraft voraus für die Genesung!

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