Tumor operiert. Und jetzt? Leben nach dem Krebs

Nicht mehr krank und doch nicht ganz gesund. Fünf Dinge, die alle wissen sollten, die eine Krebstherapie überstanden haben

Tumor operiert. Und jetzt? Leben nach dem Krebs

© iStock/Jump Fotoagentur

Die gute Nachricht: immer mehr Menschen überleben eine Krebserkrankung, die Heilungschancen haben sich seit den 1970er-Jahren verdoppelt. Doch die Krankheit geht meist nicht spurlos an einem vorüber. Oft bedeutet der Krebs einen Einschnitt im Alltag, in der Beziehung, im Beruf. Hier die wichtigsten Informationen für Betroffene.

1. Das Leben nach dem Krebs wird anders

Wenn ich das überstanden habe, wird alles wie vorher: Diese Vorstellung haben viele Patienten. Doch die Krankheit ändert vieles. „Nach einer größeren Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ist die Lebensqualität häufig eingeschränkt“, sagt Prof. Anja Mehnert, Psychoonkologin an der Uniklinik Leipzig. Krebs beeinflusst oft lange den Alltag, die Gedanken, Gefühle, die Kraft. Nebenwirkungen und Langzeitschäden der Erkrankung und Therapie können auftreten. Hilfreich ist ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse, aber auch Geduld. Anja Mehnert empfiehlt, sich nicht so sehr damit zu vergleichen, wie man vorher war. Sondern mehr auf die kleinen Fortschritte zu achten; einzuplanen, dass es gute und schlechte Tage geben wird. Und sich immer wieder etwas vorzunehmen, was Freude macht. Nicht unbedingt wird nach Krebs alles schlechter. „Viele meiner Patienten berichten auch von mehr Lebenssinn und Lebensfreude“, sagt die Psychoonkologin. Sprechstunden für Überlebende bieten z. B. manche Landeskrebsgesellschaften der Deutschen Krebsgesellschaft.

2. Bewegung hilft bei Erschöpfung

Fatigue ist eines der häufigsten Probleme nach Krebs. Diese schwere Erschöpfung lässt sich kaum durch Ausruhen lindern – aber erstaunlicherweise durch Bewegung. Eine Überblicksstudie zeigte gerade, dass körperliche Aktivität wirksamer ist als Psychotherapie oder Medikamente. Sport verringert zudem die Nebenwirkungen mancher Krebstherapien und scheint zumindest bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs das Rückfallrisiko zu senken. Wichtig ist, vorab ärztlichen Rat zu suchen, sich nicht zu überfordern und eine Aktivität zu finden, die Spaß macht. Unterstützung bietet zum Beispiel eine neue App speziell für Krebspatienten namens movival. Per Smartphone oder Computer hilft sie dabei, ein selbst gewähltes Bewegungsziel zu erreichen.

3. Angst lässt sich lindern

Nach der Behandlung fürchten viele, dass der Krebs wiederkommt, Ängste, die normal und berechtigt sind. Es gibt jedoch Wege, sie erträglicher zu machen. Zum Beispiel bedrohliche Vorstellungen zu Ende zu denken: Was würde passieren, wenn …? Und zu Situationen, die man sich ausmalt, konkrete Informationen zu finden. Etwa, woran man merken würde, dass wieder ein Tumor wächst oder welche Therapien möglich wären. Der Arzt ist dabei ein Ansprechpartner, aber auch Krebsberatungsstellen. Alles hilft, was einen stabilisiert, wie genug schlafen, Sport treiben und sich nicht einigeln – sondern Zeit mit Menschen verbringen, die einem guttun. Eine Untersuchung der renommierten Cochrane-Gruppe zeigte, dass sowohl das Hören von Musik als auch die Teilnahme an Musiktherapie die Angst von Krebspatienten deutlich lindern kann. Unterstützung leisten Selbsthilfegruppen oder Psychoonkologen.

4. Die Kraft wird leicht überschätzt

Über 60 Prozent der jüngeren Erkrankten kehren nach einer Krebserkrankung in ihren Beruf zurück, für viele ist das eine positive Rückkehr zur Normalität. Doch eine große Frage stellt sich fast allen: wie belastbar sie noch sind. Man sollte hier ehrlich zu sich selbst sein und erst dann zurückzukehren, wenn man sich wirklich fit genug fühlt. Denn viele starten hoch motiviert, „nach drei oder vier Jahren gehen aber häufig die Jobs verloren, weil die Leistungsfähigkeit der Menschen nicht mehr wie vorher ist“, sagt Georgia Schilling, Geschäftsführerin der Hamburger Krebsgesellschaft. Meist ist es sinnvoll, in kleinen Schritten anzufangen: Nach dem sogenannten Hamburger Modell steigert man die Arbeitszeit von wenigen Stunden am Tag bis zur Halbtags- oder Vollzeitstelle.

5. Liebe kann wachsen

Eine schwere Krankheit ist eine Herausforderung für jede Beziehung. Der erkrankte Partner verändert sich, setzt womöglich andere Prioritäten als vorher. Die Rollen verschieben sich. „Die gesunden Partner sind genauso, wenn nicht sogar noch höher belastet als die Erkrankten. Sie müssen auch viele praktische Aufgaben übernehmen“, sagt Anja Mehnert. Krebs hat oft Folgen für die Sexualität – wegen Erektionsproblemen, Inkontinenz oder weil sich der Körper durch die Operation verändert hat. Scham und Verlassensängste können plötzlich eine Rolle spielen. „Wichtig ist, dass man sich Zeit gibt und immer wieder die Nähe zueinander sucht“, sagt Anja Mehnert. Beziehungen werden durch das gemeinsame Durchstehen der Krankheit oft sogar stärker. Eine Anlaufstelle für Paare mit Krebserkrankung ist die Medizinische Hochschule Hannover .

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