5 Mythen über Sonnenschutz: Chemische Filter und Nanopartikel

Dass Sonnenschutz enorm wichtig ist und unsere Haut vor schädlicher UV-Strahlung schützt, ist hinreichend bekannt. Doch ist bei Sonnenschutzmitteln das teure Produkt zwangsläufig die bessere Wahl, sind mineralische Filter sicherer als chemische und sind Nanopartikel per se gefährlich für die Gesundheit? Wir stellen hier fünf Irrtümer richtig, die über Sonnenschutz kursieren.

5 Mythen über Sonnenschutz: Chemische Filter und Nanopartikel

5 Mythen über Sonnenschutz / ©iStock/mabe123

Wir decken weit verbreitete Mythen über Sonnenschutz auf.

1. Teurer Sonnenschutz ist besser als günstiger

Teuer ist doch eigentlich immer besser als günstig, oder etwa nicht? Nein! Das sagt auch „Stiftung Warentest“. Das teuerste Testprodukt mit 21 Euro pro 100 Milliliter genügt den Anforderungen nicht. Das günstigste mit 1,17 Euro pro 100 Milliliter hingegen schon. Der Preis sagt also nicht unbedingt etwas über die Qualität des Produktes aus. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe hingegen schon. “Auch teure Sonnencremes können kritische Stoffe wie Benzophenone 3 – 5, Ethylhexyl Methoxycinnamate oder 4-Methylbenzylidene Camphor enthalten. Diese können im Körper eine hormonähnliche Wirkung entfalten.” so Dr. Mandy Hecht, Inhaltsstoff-Expertin bei CodeCheck. Ein hoher Preis ist kein Garant für den konsequenten Verzicht von Herstellerseite auf kritische Stoffe wie bestimmte chemische Filter, Mineralöle, Silikone oder PEG/ PPG-Emulgatoren. Lassen Sie sich also nicht von preislich suggerierter Qualität blenden, sondern prüfe stets das Kleingedruckte.

2. Je öfter ich nachcreme, umso länger kann ich in der Sonne bleiben

Ein Irrtum, der sich hartnäckig hält, ist das Addieren des Lichtschutzfaktors durch mehrfaches Eincremen. Wer sich einmal mit Lichtschutzfaktor 20 eincremt, verlängert den natürlichen Schutz der Haut um den Faktor 20. Wenn die Eigenschutzzeit beispielsweise zehn Minuten beträgt, wären das 200 Minuten bzw. gut drei Stunden Sonnenbaden ohne Sonnenschäden – egal wie oft man nachcremt. Generell wird jedoch empfohlen, nach zwei Drittel der Zeit in den Schatten zu wechseln. Bei Kindern ist besondere Vorsicht geboten. Der Lichtschutzfaktor verrät übrigens nur den UVB-Filter und nicht, ob ein UVA-Schutz vorhanden ist. Oft findet man letzteren durch die Angabe von Sternen auf der Rückseite des Produkts. Übrigens: Während UVB-Strahlen Sonnenbrand verursachen (B wie Brand), lassen UVA-Strahlen die Haut altern (A wie Altern).

3. Chemische Filter schützen besser als mineralische

Der Lichtschutzfaktor in Sonnenschutzprodukten wird grundsätzlich entweder durch chemische oder mineralische Filter bzw. eine Kombination von beiden gewährleistet. Chemische dringen in die Haut ein und halten UV-Strahlen durch Absorption oder Umwandlung ab. Mineralische Filter verbleiben dagegen auf der Hautoberfläche und reflektieren oder zerstreuen die schädlichen Strahlen. Sie hinterlassen jedoch meist einen Weißfilm auf der Haut.

“Bei einigen chemischen Filter ist Vorsicht geboten, da sie häufiger Allergien auslösen als mineralische. Weiterhin stehen sie im Verdacht, eine Wirkung im Körper zu entfalten, die denen von Hormonen ähnelt,” so Dr. Hecht. Wenn sie über die Haut ins Meer gelangen, können einige chemische Filter Schäden am Erbgut von Fischen und Korallen verursachen. Stoffe wie Oxybenzon und Octinoxat, welche als Benzophenone bzw. Ethylhexyl Methoxycinnamate in der INCI-Liste deklariert sind, werden unter anderem für das Korallensterben verantwortlich gemacht. Bei rund 14.000 Tonnen Sonnencreme, die Schätzungen zufolge jedes Jahr im Meer landen, kann man sich die dramatischen Auswirkungen ausmalen. Daher wurde auf Hawaii gerade ein Verbot verhängt.

Stoffe wie Benzophenone 3-5, Ethylhexyl Methoxycinnamate oder 4-Methylbenzylidene Camphor sollten Sie daher vermeiden.

4. Nanopartikel sind per se gefährlich

Nanopartikel sind mineralische Filter wie Titanium Dioxide (nano), Zinc Oxide (nano) oder Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol (nano) in Nanoform. In ihrer geringen Größe sorgen sie für ein besseres Verstreichen der Creme und verringern den Weißeffekt. Aber sie sind umstritten. “Zwar konnten bisher keine schädlichen Wirkungen bei gesunder Haut nachgewiesen werden. Wie jedoch sonnengestresste Haut oder empfindliche Kinderhaut auf sie reagiert, ist bisher nicht bekannt“, so Dr. Hecht. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bei Sonnenbrand, sehr empfindlicher Haut und kleinen Kindern auf Nanopartikel verzichten. Übrigens: Auch Nanopartikel können, ähnlich wie manche chemische Filter, von Korallen absorbiert werden.

5. Make-up ist Schutz genug

Viele Frauen denken, dass Make-Up als Schutzschicht vor UV-Strahlung ausreichend sei. Doch nur, wenn zuvor ein Sonnenschutz aufgetragen wurde. Die Pigmente in Make-Up allein reichen dagegen definitiv nicht aus. Auch Make-up mit einem LSF von 20 bis 30 bietet im Sommer meistens nicht genug Schutz vor UV-Strahlung. Weiterhin ist es nicht empfehlenswert, Make-Up mit LSF mit einem Sonnencreme zu kombinieren. “Hierbei trägt man sich eventuell gleich mehrere kritische chemische Filter auf die Haut auf,” so Dr. Hecht. Der BUND spricht in diesem Zusammenhang mit dem sogenannten Cocktaileffekt: Wenn Stoffe in Kombination mit anderen Stoffen eine stärkere Wirkung entfalten. Eine gute Lösung ist daher ein guter Sonnenschutz ohne kritische Stoffe mit Tönung.


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