Gehirnforschung: Wie entstehen die Ängste?

Ängste gehören zum Leben. Sie sind nützlich – zum Beispiel wenn wir auf der Straße nach rechts und links blicken, um sicher die Straße zu überqueren und aus Angst, andernfalls von einem Auto angefahren zu werden. Wie genau aber entstehet Angst im Gehirn?

Gehirnforschung: Wie entstehen die Ängste?

Wie entstehen die Ängste im Gehirn? / Bild ©iStock/FamVeld

Wo liegt der Ursprung der Ängste und wovor haben die Menschen Angst?

Informationen ins Gehirn

Was geschieht, wenn wir im Dunkeln ein Geräusch hören, vor dem wir uns fürchten? Oder im Keller eine langbeinige Spinne entdecken? Das sind Fragen, mit denen sich der US-amerikanische Psychologe Joseph LeDoux beschäftigt. In seinem Buch „Angst. Wie wir Furcht und Angst begreifen und therapieren können, wenn wir das Gehirn verstehen“ beschreibt er, wie als erstes die Information – also das unheimliche Geräusch oder das Bild der Spinne– ins Gehirn gelangt, genauer in den Thalamus. Der Thalamus gilt als Tor zum Bewusstsein und sendet die Signale weiter. Zum Beispiel zur Amygdala.

Die Amygdala

Die Amygdala wird wegen ihrer Form in der Anatomie auch Mandelkern genannt, und sie ist für Emotionen und Gefühle wie Furcht, Panik oder Angst zuständig. Erreicht das Signal über den Thalamus die Amygdala, gleicht diese die neuen Informationen mit alten, bereits abgespeicherten ab. Sie schlägt Alarm, indem sie die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin oder Noradrenalin anregt. Die Folge davon sind emotionale Zustände, wie Trauer, Wut oder auch Aggressionen. Auf körperlicher Ebene können sich diese Gefühle als Herzrasen, Schwindel oder Übelkeit äußern.
Die Amygdala schickt ihre grobe Ersteinschätzung an die Großhirnrinde. Nun kommt es zu der Reaktion Flucht oder Kampf. Erst wenn der präfrontale Cortex der Amygdala mitteilt, dass keine reale Gefahr besteht, wird die Situation im Kopf „entschärft.“ Joseph LeDoux ist der Auffassung, dass erst diese Rückkopplung eine bewusste Angstempfindung möglich macht – denn vorher läuft alles weitgehend automatisch und damit unbewusst ab.

Wie funktioniert die Informationsübermittlung?

Wichtig dafür, dass ein Signal übermittelt wird, sind die Botenstoffe Neurotransmitter im Gehirn. Sie vermitteln zwischen den Synapsen verschiedener neuronaler Nervenzellen. Dopamin ist beispielsweise einer der bekanntesten Botenstoffe, viele kennen ihn als Glückshormon. In der Amygdala aber kommt ihm eine gegensätzliche Aufgabe zu: Je mehr Dopamin in der Amygdala ausgeschüttet wird, desto größer ist die Angstreaktion. Außerdem gibt es das Serotonin. Wenn dieser Botenstoff fehlt, kommt es zum Gefühl der Sorge, Unruhe und Angst. Daher kann Serotoninmangel auch zu depressiven Verstimmungen und Aggressionen führen.

Was sind die Ängste der Deutschen?

Was den Menschen konkret Angst macht, ist sehr unterschiedlich. Die einen fürchten sich vor kleinen Tiere, andere kennen die Höhenangst. Aber auch die politische Situation kann Ängste auslösen. 2018 wurden im Rahmen einer Studie 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt. Ein Ergebnis: Die Sorge um die Gefährdung der internationalen Lage durch die Politik des US-Präsidenten steht mit Abstand auf Platz eins. Mit 69 Prozent erreicht sie einen der höchsten Werte, die jemals in der Ängste-Studie gemessen wurden. „Trumps rabiate ‚America First‘-Politik, seine Aggression gegen internationale Arrangements und die nicht minder aggressive Handels- und Sicherheitspolitik auch gegenüber Verbündeten verschrecken die Bevölkerungsmehrheit“, erklärt Professor Dr. Manfred G. Schmidt, Politologe an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg.

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