Bouldern: Den Depressionen davon klettern

Bouldern ist gut für Körper und Geist: Das hat eine Studie ergeben, die psychische Auswirkungen des Boulderns auf Depressionen untersucht hat.

Bouldern: Den Depressionen davon klettern

Bouldern: Klettern gegen Depressionen / ©iStock/Remains

Boulder ist auf Englisch der Felsblock – und als Bouldern gilt das Klettern ohne Seil an Felsblöcken in der Natur oder an künstlichen Kletterwänden. In Indoorhallen sind die Wände ungefähr viereinhalb Meter hoch und übersät mit bunten Griffnoppen, an denen sich die Kletterer hochziehen und dabei, einer Route folgend, nur eine Farbe benutzen. Wer fällt, plumpst auf eine Matte, die den Sturz abfedert. In den vergangenen Jahren hat sich Bouldern in vielen deutschen Großstädten zur Trendsportart entwickelt.

Bouldern als Antidepressivum

Bouldern stärkt die Muskulatur des Oberkörpers und verbessert die Körperspannung – für Büromenschen ein idealer Ausgleich zu ihrer sitzenden Tätigkeit. Doch Bouldern hilft auch gegen Depressionen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von der Universität Erlangen. 2015 konnten sie erstmals belegen, dass Bouldern depressive Symptome lindert. Die Forscher hatten die an der Studie teilnehmenden Patienten zwei Jahre lange an die Kletterwand geschickt. Eine Gruppe startete sofort mit der achtwöchigen Klettertherapie, die andere erst nach zwei Monaten. Das Ergebnis: Bei der zweiten Gruppe blieben die depressiven Symptome unverändert, bis sie zu Klettern begannen. Und bei allen Patienten verbesserte sich die depressive Verstimmung durch das Bouldern.

Ausweg aus der Grübelschleife

Etwa 15 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer in Deutschland erkranken einmal im Leben an einer Depression. Typisch für die Erkrankung sind nicht nur eine anhaltende Traurigkeit, Interesselosigkeit, ein geringes Selbstwertgefühl und Schlafstörungen. Die Betroffenen verfangen sich außerdem in Grübelschleifen. Wieder und wieder käuen sie im Kopf bestimmte negative Gedanken durch, ohne dabei zu einer Lösung zu gelangen. Im englischsprachigen Raum sprechen Wissenschaftler beim Grübeln deshalb in Anlehnung an das Wiederkäuen von Kühen von „Rumination“.
Ein Ausweg aus der Grübelsschleife bietet laut der Erlanger Forscherinnen und Forscher das Bouldern. Denn das Klettern erfordert eine punktgenaue Konzentration im Hier und Jetzt. Damit unterscheidet sich das Klettern von Ausdauersportarten wie Radeln oder Laufen, bei denen sich Gedankenschleifen gut vorsetzen lassen.

So geht es weiter

In einem breiter angelegten Studienrahmen vergleicht das Erlanger Forscherteam die Bouldertherapie in einem größer angelegten Studienrahmen mit bewährten Depressionsbehandlungen. Im Fokus stehen eine verhaltenstherapeutische Depressionsbewältigung, wie sie aktueller Standard ist, die Bouldertherapie und ein allgemeines sportliches Aktivierungsprogramm.

Sie wollen mehr zum Thema Stress, Burnout und Depression lesen? Dann haben wir für Sie ein vielfältiges Dossier des Magazins Lebenlang gefunden. Mit interessanten Beiträgen aus den Perspektiven von Betroffenen, deren Angehörigen, aber auch Medizinern.

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