Couperose: Harte Zeit für zarte Haut

Wenn das Wetter rauer wird, blüht Couperose auf – und zwar bei jedem fünften Deutschen. Was gegen die erweiterten Äderchen im Gesicht hilft

Couperose: Harte Zeit für zarte Haut

© Jump Fotoagentur/Lars Matzen

Ein bisschen Röte ist normal: Nach dem Sport, der Sauna oder einem Gläschen Merlot haben wir alle rote Wangen, ganz einfach weil die Blutgefäße sich erweitern und durch die Haut schimmern. Sie können auch mal brennen dabei. Ärzte sprechen erst von Couperose, wenn die Gefäße ohne ersichtlichen Grund aktiv werden, die Röte lange anhält und peu à peu zum Dauergast wird.

Warum genau passiert das? Hitze- und Kältestress sind Haupttrigger für Rötungsschübe („Flushs“), weil die Thermorezeptoren an den Blutgefäßen bei Couperose auf jede noch so kleine Abweichung reagieren. Da reicht schon eine steife Brise, um einen Flush auszulösen. Auch die Gene spielen eine wichtige Rolle. Immunreaktionen auf UV-Licht, Ungleichgewicht in der Hautflora sowie entzündete Talgdrüsen schüren das Feuer.

Allerdings streiten die Fachleute, was nun die Henne und was das Ei sei, genau wie bei der Frage, ob Couperose eine Vorstufe oder eine Spielart der behandlungsbedürftigen Hautkrankheit Rosazea ist. Betroffene können den Streit getrost ignorieren: Bei der Therapie sind sich die Ärzte wieder einig.

Was Betroffene bei Couperose tun können

1. Je öfter man Flushs vermeidet, desto stärker bleiben die Äderchen und desto langsamer entwickelt sich die Couperose. Die erste Maßnahme ist daher Klimaschutz für die Wangen. Also beim Herbstspaziergang das Gesicht in einen weichen Schal wickeln, für die Radtour bei Frost eine Sturmmaske anziehen. Verbringt man einen gemütlichen Abend am Kamin, sorgt Thermalwasserspray für partielle Kühlung, und in der Sauna schirmt ein feuchtes Tuch die Wangenpartie vor der Hitze ab. Auch vor Herbstsonne will die Haut geschützt sein, denn bei Couperose geben schon kleine UV-Dosen Anlass für eine verstärkte Immunantwort. Mechanischer und chemischer Stress sind No-Gos, deshalb machen Betroffene am besten einen großen Bogen um kratzige Stoffe, Rubbelpeelings, Reinigung mit scharfen Tensiden oder Anti-Aging-Cremes mit Vitamin-A-Derivaten oder Fruchtsäuren.

Was Kosmetik schafft

2. Ausbleibende Pflege und Seifenschaum wären für die sensibilisierte Haut eine echte Zumutung. Damit ihr Eigenschutz intakt bleibt, braucht sie spezielle Cremes und milde Reinigungsfluids. Neben milder Pflege bieten dermokosmetische Couperose-Produkte z. B. durch gefäßstärkende Stoffe Linderung. Der Effekt sei wissenschaftlich belegt, erklärt Martin Schmitz von Dr. Grandel. „Die Hautrötung wird in solchen Studien mit der sogenannten Chromametrie gemessen und anhand digitaler Fotografie analysiert.“ Die Technik zeigt: Die Testpräparate können Rötungen sichtbar reduzieren. Die marktreifen Produkte helfen zusätzlich durch grün schimmernde Pigmente, die das Rot optisch ausgleichen, und tun durch ihre kühlende Wirkung gut. Ein Geheimtipp bei Couperose ist Heilerde, als Maske angewendet. Die mineralischen Partikel aus Lehm, Ton oder Löß beruhigen die Haut sichtbar.

Was Dermatologen empfehlen

3. Haben sich bei fortgeschrittener Couperose Äderchen deutlich sichtbar und dauerhaft erweitert, können sie per Laser zerstört werden. „Laser sind für die oberen Hautschichten das Nonplusultra“, sagt der Münchner Hautarzt Dr. Hans-Peter Schoppelrey. „Bei Couperose gibt es spezielle Laser, die ihre Energie in der roten Farbe der Blutkörperchen im erweiterten Gefäß entladen.“ Bis die Äderchen Vergangenheit sind, müssen allerdings mehrere Behandlungen erfolgen (jeweils ab etwa 180 Euro, die Krankenkassen zahlen nicht). Gehen mit der Rötung starkes Brennen, Pusteln und Pickelchen einher, sollte ein Dermatologe eine genaue Diagnose stellen. Es ist manchmal nicht leicht, Rosazea von Akne zu unterscheiden. Und immer gilt: Den individuell hilfreichsten medizinischen Wirkstoff zu finden erfordert Erfahrung und Geduld.

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