Depression: Anzeichen und Hilfe in der Not

Eine Depression gilt als gesellschaftliches Tabu, und viele Betroffene scheuen sich, die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen.

Depression: Anzeichen und Hilfe in der Not

Wie erkenne ich eine Depression und was kann man dagegen tun? / @iStock/fongleon356

Depression: Wie erkenne ich sie, wie entsteht sie und was kann ich tun?

Wie erkenne ich eine Depression?

Eine Depression bei sich selbst zu erkennen, ist nicht immer einfach. Als typisch gelten die Schlaflosigkeit und das nächtliche Früherwachen mit dem anschließenden Verfangen in Grübelschleifen. Weitere Symptome sind der Stimmungsverlust: Nichts macht mehr Spaß. Hinzu kommt der Antriebsmangel, so dass man sich auch zu einfachen Aufgaben wie Einkaufen oder Schreibtisch aufräumen nicht mehr aufraffen kann. Fragt man Depressive, welche Farbe ihr Leben habe, antworten sie meistens, dass alles grau geworden sei. Weit verbreitet ist die Annahme, dass eine Depression durch Trauer gekennzeichnet sei. Dem ist nicht so. Vermiedene Trauer kann ein Auslöser sein, in der Depression nimmt man kaum Gefühle wahr. Ein weiteres Symptom ist der Lebensüberdruss.

Wie entstehen Depressionen?

Laut einem gängigen Erklärungsmodell zur Entstehung von Depressionen wird die Erkrankung durch veränderte Stoffwechselvorgänge im Gehirn ausgelöst. So weisen depressive Menschen im Vergleich zu Gesunden oft eine erniedrigte Aktivität der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin oder Domamin auf. Außerdem gehen Wissenschaftler davon aus, dass es eines sogenannten Life-Events als Auslöser bedarf, also einer erschütternden Krise.

Was muss ich bei einer Depression tun?

Ist ein Mensch erst einmal depressiv, sollte er zum Arzt gehen. Denn eine Depression ist keine Stimmungsschwankung und keine Trauerreaktion. Sie ist eine behandlungsbedürftige Krankheit, und wer sich in die Hände eines Psychotherapeuten begibt, kann in aller Regel mit einem raschen Behandlungserfolg rechnen. Hierbei kann der Patient zwischen einer medikamentösen und einer gesprächsbasierten Therapie entscheiden oder eine Kombination aus beidem wählen.

Wobei helfen Antidepressiva?

Vielen Patienten kann mit Antidepressiva aus dem Stimmungstief, der Antriebslosigkeit und der nächtlichen Unruhe heraus geholfen werden. Auf manche Symptome der Depression wirken Medikamente außerdem besser als die Psychotherapie. Schlafstörungen lassen sich durch sie in den meisten Fällen gut beheben, während bei einer Psychotherapie deutlich mehr Geduld nötig sei bis es wieder zum Durchschlafen kommt.

Welche Therapie eignet sich?

Die sogenannte Interpersonale Psychotherapie (IPT) folgt einem klar strukturierten Behandlungsfaden. Sie dauert zwölf bis 20 Sitzungen, findet ungefähr einmal in der Woche statt, und eingangs informiert der Psychotherapeut seinen Klienten über das Krankheitsbild Depression. Die Vermittlung theoretischen Wissens, die sogenannte Psychoedukation, kann auch dann sehr wichtig sein, auch wenn sich der Betroffene im Vorfeld gut mit der Erkrankung auseinandergesetzt hat oder sogar vom Fach ist. Danach können die Themen Konflikte herausgearbeitet werden, die zu der Depression geführt haben und um die es in der Therapie gehen soll.
Ist die Depression bei manchen Menschen zu einem Dauerzustand geworden, ist sie chronisch. Hier profitieren die Patienten am stärksten von einer Kombination aus Medikamenten und Cognitiv Behaviorale Systempsychotherapie (CBASP). Die CBASP wurde auf der Grundlage verhaltenstherapeutischer Elemente für chronische Depressionen entwickelt, und das therapeutische Modell unterscheidet sich von dem der akuten Depression. Denn bei einer chronischen Depression ist als Ursache von frühen Verlusterfahrungen oder seelischen und körperlichen Misshandlungen auszugehen. Den Betroffenen fällt es schwer, in ihrem sozialen Umfeld adäquat zu handeln und auf andere zu reagieren. Dadurch bedarf es der modellhaften Erprobung neuer Kommunikationsformen in der therapeutischen Beziehung. Wie zu erwarten, dauert die CBASP länger als die Behandlung einer akuten Depression. Sie setzt eine stabile Beziehung zwischen dem Patienten und dem Therapeuten voraus.

Kann ich eine Online-Therapie machen?

Für leichtere Formen der Depression erforscht Stefan M. Gold von der Universitätscharité Berlin mit Kollegen vom Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf  Online-Programme als neue Behandlungsansätze. Deprexis ist ein solches Programm, mit dessen Hilfe der User mit Hilfe eines Fragebogens zunächst ermittelt, ob er höchstwahrscheinlich an einer Depression leidet. Anschließend kann sich der Nutzer durch zehn Module klicken, die ihn mit Hilfe künstlicher Intelligenz in eine dialogähnliche Situation eintreten lassen. Innerhalb dieser Kommunikation lernt der Betroffene neue Strategien, depressive Denkstrukturen zu vermeiden und aktiv am Leben teilzunehmen. Die Interventionen bestehen beispielsweise aus Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen oder Motivationen zum Aufbau von Erfolgserlebnissen. Außerdem ist der Teilnehmer aufgefordert, Kindheitserfahrungen und belastende Erinnerungen aufzuschreiben. Das Fazit der Forscher um Stefan M. Gold: Bei Menschen mit leichten Depressionen kann das untersuchte Programm durchaus helfen, aus einem seelischen Tief herauszufinden. Für Menschen mit klinischer Depression ist es hingegen nicht geeignet.

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