Der USB-Stick, der HIV erkennt

Wissenschaftler des Imperial College London haben einen neuen HIV-Test entwickelt, der die Behandlung von Patienten erheblich verbessern könnte

Der USB-Stick, der HIV erkennt

© Imperial College London/DNA Electronics

Was heute alles in eine Hosentasche passt: Kleinstcomputer in der Form von Smartphones, Drohnen, das gesammelte Wissen der Menschheit auf immer kleineren Speichern, die immer größere Kapazitäten haben. In diese Reihe gesellt sich nun auch ein neuartiger HIV-Test.

Wissenschaftler des Imperial College London haben zusammen mit Experten der Firma DNA Electronics einen Weg gefunden, Patienten so einfach und schnell wie nie auf das Humane Immundefizienz-Virus zu testen – mit nichts weiter als einem Tropfen Blut auf einem USB-Stick, vergleichbar mit herkömmlichen Blutzuckertests. Mehr noch: Dauerte ein HIV-Test bisher bis zu drei Tage, sind es mit der neuen Methode maximal 30 Minuten.

Und so funktioniert’s – stark vereinfacht: In dem USB-Stick ist ein sogenannter CMOS-Chip verbaut. Dieser reagiert auf Veränderungen im pH-Wert des Blutes, den die HI-Viren verursachen. Diese pH-Änderung führt zu einem elektrischen Signal, das der USB-Stick an einen Computer oder ein anderes Empfangsgerät weitergeben kann. Wie genau die Technik hinter dem Gerät funktioniert, beschreiben die Wissenschaftler in einer Studie.

In Laboruntersuchungen erreichte der Test eine Genauigkeit von bis zu 95 Prozent. Er ist nicht nur deutlich schneller als bisherige Methoden, sondern hat noch eine Reihe weiterer Vorteile: Zum einen könnte er – sollte er Marktreife erlangen – deutlich billiger sein. Außerdem eignet er sich besonders für abgelegene Regionen und verschiebt den Schwerpunkt einer Behandlung näher an den Patienten.

Denn der Test verrät nicht nur, ob man HIV-positiv oder -negativ ist, sondern auch, wie hoch die Konzentration der Viren im Blut ist. Patienten können so bei sich zuhause verfolgen, ob und wie stark eine eventuelle Behandlung anschlägt.

Die Forscher dämpfen die Erwartungen zwar etwas, da der Chip noch einiges an Entwicklungsarbeit braucht, bis er frei zugänglich ist. Aber sie zeigen sich zuversichtlich: Bislang brauche es für einen solchen HIV-Test Maschinen vom Umfang großer Kopiergeräte. Jetzt passe er auf einen USB-Stick.


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