Dermatologisch getestet: Was ist das Siegel wert?

Dermatologisch getestet, hypoallergen: Diese Bezeichnungen findet man häufig auf Produkten für sensible und allergische Haut. Doch was sagen sie aus?

Dermatologisch getestet: Was ist das Siegel wert?

Dermatologisch getestet - das ist kein geschützter Begriff. Doch welche Siegel sagen wirklich etwas aus? ©Adobe Stock, Good Studio

Juckreiz, schuppige Stellen und Rötungen: Allergische Haut hat viele Gesichter. Für fast jeden dritten Deutschen gehören laut Robert Koch-Institut allergische Reaktionen der Haut zum Alltag. Weitere zehn Millionen haben sehr trockene Haut, rund zwei Millionen leiden an Schuppenflechte, und drei bis fünf Prozent aller Erwachsenen sind von Neurodermitis betroffen, so die Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. Die Zahlen zeigen: Empfindliche Haut betrifft immer mehr Menschen!

Dermatologisch getestet, hypoallergen: Irreführende Bezeichnungen

Die Kosmetikindustrie hat den Bedarf längst erkannt. “Dermatologisch getestet” oder “hypoallergen” steht auf zahlreichen Produkten. Als Qualitätssiegel dürfen diese Formulierungen aber nicht verstanden werden: So sagt “dermatologisch getestet” nichts darüber aus, wie viele Personen die Creme getestet haben – auch der Testzeitraum ist nicht festgelegt. Außerdem verrät der Begriff nichts über das Ergebnis des Tests: Reagieren Versuchspersonen allergisch, kann der Hersteller dennoch “dermatologisch getestet” auf die Creme schreiben. Auch die Bezeichnung “hypoallergen” lässt Raum für Interpretationen, wie der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW) betont. Zwar wird der Verzicht auf allergieauslösende Konservierungs-, Duft- und Farbstoffe vorausgesetzt, rechtlich geschützt ist der Begriff jedoch nicht. Tatsächlich enthält der Großteil der so ausgezeichneten Produkte Inhaltsstoffe, die für sensible Haut ungeeignet sind, ergab eine Studie, die 2017 im Gesundheitsmagazin Jama Dermatology veröffentlicht wurde.

Je weniger Inhaltstoffe, desto verträglicher

Kosmetika im Allgemeinen seien aber gut verträglich, verweist der IKW auf die Statistik. Im Jahr 2015 etwa wurde pro einer Million verkaufter Körperpflegemittel durchschnittlich nur in 1,3 Prozent aller Fälle eine gesundheitliche Unverträglichkeit gemeldet. Um dennoch die Gefahr von
Hautreizungen zu vermeiden, raten Experten, einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe von Haut- und Körperpflegeprodukten zu werfen. Deren Kennzeichnung ist durch EU-Richtlinien festgelegt. Generell gilt die Faustregel: Je weniger Inhaltsstoffe, desto verträglicher.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte neue Pflegeprodukte vorab an der Ellenbeuge testen und drei bis vier Tage warten. Zeigen sich Symptome, sollte man auf das Pflegeprodukt verzichten – dem Wohlbefinden in der eigenen Haut zuliebe.

Unabhängige Qualitätssiegel

  • ECARF-Siegel: Die Europäische Stiftung für Allergieforschung zeichnet unter anderem allergikerfreundliche Pflegeprodukte aus. Diese werden von unabhängigen Wissenschaftlern anhand festgelegter Kriterien bewertet.
  • DAAB-Label: Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. markiert Produkte, die frei von bekannten Kontaktallergenen, stark irritierenden Inhaltsstoffe mit Allergiepotenzial sowie Duft- und Aromastoffen sind. Zusätzlich finden anonymisierte Anwendertests statt.
  • Empfohlen von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V.: Kennzeichnung für Produkte, die auf ihre Verträglichkeit für Hautpatienten und Allergiker untersucht sowie von unabhängigen Gutachtern positiv bewertet wurden.

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