Wunderbar – und erschreckend, was die Sonne so bewirken kann

Sonnenlicht ist super für die Stimmung, unentbehrlich für die Knochen, schädlich für die Haut. Wie viel UV-Strahlen es sein dürfen

Wunderbar – und erschreckend, was die Sonne so bewirken kann

© Deborah Tyllack

An einem schönen Sommertag im Stadtpark reichen schon ein paar Minuten im Licht. Also, erst den Timer stellen, dann in die Sonne!

In den ersten 5 Minuten

Wenn Licht auf die Netzhaut trifft, setzt der Körper Endorphine frei. Die sorgen nicht nur für ein super Gefühl, sondern kurbeln auch Stoffwechsel und Fettverbrennung an, so eine Studie aus Kanada. Außerdem aktiviert Sonnenlicht den Kreislauf und hilft, den Blutdruck zu regulieren.

In höchstens 10 Minuten

UV-Strahlen treffen in den Zellen auf das Erbgut, das ihre Energie absorbiert. Je nachdem, wie intensiv die Sonne ist, geraten dadurch mehr oder weniger DNA-Moleküle teilweise durcheinander. Und das bedeutet: Die darin gespeicherte Information kann nicht mehr korrekt abgelesen werden. In tieferen Hautschichten erreichen die UV-Strahlen dann die Kollagenfasern, die für die Elastizität verantwortlich sind. Und greifen diese an – darum verursacht Sonnenlicht vorzeitige Falten.

Nach 20 Minuten

Die Reparatur der DNA läuft auf vollen Touren, schadhafte Zellen werden aussortiert. Zudem kurbelt der Körper die Melanin-Produktion in den Melanozyten an, das Pigment soll die Zellkerne wie ein Sonnenschirm schützen.

Dieser körpereigene Mechanismus ergibt viel Sinn, denn zeitgleich stellt die Haut lebenswichtiges Vitamin D her, das die Knochen stärkt und möglicherweise sogar das Risiko von Darm- und Brustkrebs senken könnte. Aber: Laut Prof. Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention reichen je nach Hauttyp schon 2- bis 3-mal in der Woche 10 bis 20 Minuten Sonne aus, um den Vitamin-D-Bedarf zu decken. Und zwar angezogen – was im Gesicht, an Händen und eventuell Unterarmen ankommt, ist absolut ausreichend.

Nach 30 Minuten

Ohne Creme mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) wird es jetzt selbst für Sonnengewöhnte brenzlig: Mehr als LSF 3 bis 4 schafft das Melanin nicht. Ist es überfordert, kommt der Sonnenbrand. Die Haut beginnt aber erst zu brennen, wenn der Entzündungsprozess schon in vollem Gange ist. Die DNA-Reparatur läuft weiter, das Problem ist aber: Wird sie überlastet, macht sie Fehler.

Im Laufe der nächsten Stunden und danach

Durch unvollständige Reparaturen können dauerhaft veränderte Zellen entstehen, vor allem, wenn man regelmäßig zu viel Sonnenlicht abbekommt. Jetzt kommt es darauf an, wo der Fehler passiert ist: Liegen die veränderten Stellen im Bereich von Genen, die festlegen, wie schnell eine Zelle wächst, ist die Basis für ihr unkontrolliertes Wuchern – also für Krebs – geschaffen. Wenn die Fehler in den Melanozyten geschehen, entsteht der besonders gefährliche schwarze Hautkrebs (Melanom). Alarmierend: Alle zehn Jahre verdoppelt sich in Deutschland die Anzahl der Befunde. Hautkrebs ist nur durch Entfernen im Anfangsstadium heilbar. Daher lohnt es sich, alle zwei Jahre zum kostenlosen Hautscreening zu gehen.

 

 

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