„Ein Freund, ein guter Freund…“: Die Kunst der Freundschaft

Am 30. Juli feiern wir den internationalen Tag der Freundschaft. Der Gedenktag soll an die Bedeutung der Freundschaft zwischen Personen, Ländern und Kulturen erinnern.

„Ein Freund, ein guter Freund…“: Die Kunst der Freundschaft

Freundschaft ist gut für Körper und Geist ©iStock/jacoblund

Nicht nur am Internationalen Tag der Freundschaft zeigt sich, wie wichtig diese für unsere Seele und Körper

Warum ist Freundschaft so wichtig für das Leben?

„Das Kernproblem unseres Lebens ist die Einsamkeit. Um ihr zu entfliehen, brauchen wir Freunde. Ein soziales Dorf, in dem wir uns sicher fühlen“, sagt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger und Autor des Buches: „Freundschaft: beginnen – verbessern – gestalten“. Die Familie oder der Partner reichen als Bollwerk gegen die Einsamkeit oftmals nicht aus. Denn bei ihnen bestehen mitunter Verpflichtungen oder finanzielle Bündnisse. Freunde hingegen stärken ohne Vorbehalte. In ihrer Gegenwart erscheinen Probleme buchstäblich kleiner: In Experimenten schätzen Menschen die Steigung eines Hügels geringer ein, wenn ein Freund neben ihnen steht.

Welche Todsünden in der Freundschaft gibt es?

Kaum eine Freundschaft hält es aus, wenn jemand ständig Termine absagt oder hinter dem Rücken lästert und tratscht. Dadurch zerbricht Vertrauen, ein Grundpfeiler der Freundschaft. Auch Eigenschaften wie Dickköpfigkeit können eine Freundschaft im Alltag stark belasten. „Unzuverlässigkeit, Vertrauensmissbrauch und Disharmonien im Alltag – diese drei Todsünden führen garantiert zum Aus einer Freundschaft“, sagt Wolfgang Krüger.

Bin ich ein guter Freund?

Wer die drei Todsünden umschifft, ist auf dem richtigen Weg, ein guter Freund zu sein. Eine diplomatische Streitkultur kann außerdem helfen, Konflikte zu lösen. Wolfgang Krüger: „Probleme mit dem Freund, die mich länger als einen Tag beschäftigen, verpacke ich im Gespräch wie einen Doppel-Whopper. Zuerst sage ich, dass mir der Freund viel bedeutet. Dann schildere ich die Situation aus meiner Sicht und frage, wie er sich an meiner Stelle fühlen würde. Das Problem ist dann eingefasst, und wir kommen ins Gespräch. Schweigen und Vorwürfe schaffen hingegen Distanz.“

Wie pflege ich Freundschaften?

Je älter wir werden, umso wichtiger werden Beruf, Ehe, Kinder. Für Freunde bleibt oft wenig Zeit. Wirklich enge Beziehungen überstehen zwar Durststrecken, kommen aber auch nicht gänzlich ohne gemeinsame Projekte aus. Wolfgang Krüger rät deshalb, in Freundschaften genauso erfinderisch zu sein wie in Partnerschaften: „Nehmen Sie sich mindestens eine Stunde pro Woche Zeit für einen Freund. Oder schreiben Sie ihm hin und wieder eine Art Liebesbrief, in dem Sie mitteilen, warum sie befreundet sind. Erinnern Sie sich daran, wie Sie sich kennen gelernt haben und lassen Sie sich Fotoalben aus der Kindheit zeigen.“

Geld und Freundschaft – kann das gut gehen?

Freundschaft ist eine Angelegenheit des Herzens, Geld eine des Verstandes – in Freundschaften eine oft unheilvolle Konstellation, die man nicht heraufbeschwören sollte. Denn Geld radikalisiert durch einseitige Abhängigkeit die Beziehung. „Wenn mir jemand etwas schuldet und nicht zurücknimmt, nehme ich das im Streit vielleicht als Argument gegen ihn und vermische dadurch zwei Konflikte“, erklärt Wolfgang Krüger. Natürlich gibt es Notsituationen wie schwere Erkrankungen, in denen man Geld leihen sollte, damit die Freundschaft nicht an unterlassener Hilfe zerbricht. „Bei Summen über 1000 Euro würde ich aber immer einen Vertrag aufsetzen, damit Klarheiten geschaffen werden.“

Wolfgang Krüger
ist ein Berliner Psychotherapeut und Buchautor. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Überwindung von Ängsten und Depressionen sowie der Aufarbeitung von Beziehungsschwierigkeiten. Er hat unter anderem Bücher zu den Themen Freundschaft, Eifersucht und Humor veröffentlicht.

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