Gefahr durch rezeptfreie Medikamente

Viele Deutsche kaufen in der Apotheke Medikamente ohne Rezept, wenn sie an Krankheitssymptomen leiden. Damit setzen sie sich allerdings Gefahren aus.

Gefahr durch rezeptfreie Medikamente

Medikamente werden üblicherweise von einem Arzt verschrieben. Der Mediziner schaut sich die Symptome des Patienten an, nimmt Tests vor und stellt dann ein Rezept aus, das der Patient in der Apotheke einlösen kann. Es gibt allerdings auch zahlreiche Medikamente, die ohne Verschreibung in der Apotheke zu haben sind. Dabei handelt es sich vor allem um Schmerzmittel, aber auch um Wirkstoffe gegen Beschwerden wie Erkältungen, Verstopfungen oder Sodbrennen. Studien haben allerdings gezeigt, dass zahlreiche dieser frei erhältlichen Medikamente nicht nur unwirksam, sondern auch gefährlich für die Gesundheit sind.

Krankheiten selbst heilen

Wie das Institut für Demoskopie in Allersbach herausgefunden hat, kaufen 70 Prozent aller Deutschen regelmäßig rezeptfreie Medikamente in der Apotheke. Damit folgen sie dem Trend, sich selbst zu heilen, ohne dabei in Kontakt mit einem Arzt zu stehen. In den USA wird derzeit eine App getestet, die die so genannte Selfie-Medizin fördert. Sie erinnert Patienten daran, ihre Medikamente zu nehmen und die Behandlung nicht vorzeitig abzubrechen. Kauft man allerdings seine Tabletten ohne das Wissen des Arztes in der Apotheke, dann setzt man sich möglicherweise einer Gefahr aus. Anfang des Jahres hat die Stiftung Warentest 35 Medikamente unter die Lupe genommen, die besonders häufig in der Apotheke gekauft werden.

Vielseitige Medikamente

Die Stiftung Warentest testete unter anderem Medikamente, die gegen unterschiedliche Krankheitsbilder wirken sollen. Dabei zeigte sich, dass vor allem Präparate gegen Erkältungen eher weniger geeignet sind. Sie enthalten nämlich Wirkstoffe, die mehrere Symptome zugleich bekämpfen sollen. Nimmt man bei einer Erkältung etwa Grippostad-C-Kapseln ein, dann wird man sowohl mit dem Schmerzmittel Paracetamol als auch mit Vitamin C, Koffein und Chlorphenamin versorgt. Das ist insofern problematisch, als dass jeder Inhaltsstoff seine eigene Wirkung entfaltet, die möglicherweise gar nicht gewünscht ist. So soll das Chlorphenamin eigentlich nur der Schwellung der Nasenschleimhaut entgegenwirken, sorgt aber dafür, dass der Einnehmende müde wird. Viel besser wäre es, Medikamente einzunehmen, die die spezifischen Symptome gezielt bekämpfen, wie etwa ein Nasenspray. Außerdem bergen einige Präparate, die mehrere Wirkstoffe miteinander kombinieren, die Gefahr, dass sich die Wirkstoffe untereinander schwer vertragen. Manche von ihnen enthalten zum Beispiel sowohl Alkohol als auch Paracetamol, was sehr belastend für die Leber ist.

Rezeptfreie Medikamente und gefährliche Nebenwirkungen

Überhaupt ist Paracetamol mit äußerster Vorsicht zu genießen. Zwar belastet der Wirkstoff den Magen-Darm-Trakt nicht übermäßig und löst zudem selten Allergien aus. Allerdings kann eine Überdosis sehr schnell zu Schäden an der Leber führen. Nimmt man nur etwas mehr als die empfohlene Höchstmenge von vier Gramm Paracetamol pro Tag ein, kann es im schlimmsten Fall zu einem Versagen der Leber kommen. Fachleute gehen davon aus, dass Paracetamol nach heutigen medizinischen Standards gar keine Zulassung bekommen hätte. Auch Aspirin hat einige Nebenwirkungen, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. So ist das beliebte Medikament belastend für den Magen-Darm-Trakt und kann Allergien auslösen. Zudem hemmt es die Gerinnung des Blutes. Mehr als drei Gramm Aspirin pro Tag sollte man auf keinen Fall einnehmen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, immer die Nebenwirkungen ernst zu nehmen, die auf der Packungsbeilage von Medikamenten verzeichnet sind – ganz gleich, ob es sich um verschriebene oder rezeptfreie Medikamente handelt. Außerdem sind Schmerzen und andere Krankheitsbilder stets ein Warnsignal des Körpers, das nicht ignoriert werden sollte. Statt regelmäßig zu frei erhältlichen Medikamenten zu greifen, um beispielsweise Kopfschmerzen oder Verstopfungen zu bekämpfen, sollte man besser zu einem Arzt gehen. Dieser wird dem Problem auf den Grund gehen und die geeignete Behandlung vornehmen.

KOMMENTARE