Erkältung, Grippe, Bronchitis: Voll erwischt

Erkältung, Grippe, Bronchitis: Jetzt ist Hochsaison für Infekte. Was Sie schon immer darüber wissen wollten – und wie man neuerdings mit Antibiotika umgeht

Erkältung, Grippe, Bronchitis: Voll erwischt

©plainpicture/Lubitz + Dorner

Meist fängt es mit einem Halskratzen an, dann läuft die Nase, später ist sie dicht, und nach ein paar Tagen kommt der Husten. Erkältet war wirklich jeder schon, viele erwischt es sogar mehrmals im Jahr. Jede Wette, dass Sie sich viele dieser Fragen dann auch schon gestellt haben.

1. Ich bekomme viel häufiger eine Grippe als andere. Stimmt da vielleicht was nicht mit meinem Immunsystem?

Nein, keine Sorge. Studien haben zwar gezeigt, dass es auch Menschen gibt, die auf eine Ansteckung mit Erkältungsviren (Rhinoviren) nicht nennenswert reagieren, also keine Symptome wie Schnupfen, Fieber oder Husten entwickeln. Ungefähr jeder vierte gehört zu diesen Glücklichen. Doch wenn das Immunsystem sich heftig gegen die Viren wehrt, ist das eigentlich eher ein gutes Zeichen für den Zustand der Abwehr. Schließlich dienen all die unangenehmen Begleiterscheinungen der Erkältung letztendlich dazu, die Erreger schnell wieder loszuwerden oder unschädlich zu machen. Deshalb muss man sich keine Sorgen machen, wenn man öfter als andere erkältet ist. Zwei bis drei Infekte pro Jahr sind für Erwachsene sowieso ganz normal. Und Kindergarten- und Grundschulkinder haben oft sechs bis zehn Erkältungen im Winterhalbjahr.

2. Wie kann ich verhindern, dass sich andere bei mir anstecken?

In den ersten drei Tagen sind Erkältungen besonders infektiös. Die meisten Erreger sitzen in der Nase und werden beim Niesen in der Luft verteilt, oder sie geraten beim Naseputzen an die Finger – und von dort überallhin. Darum ist beste Schutz für andere, in die Ellenbeuge zu niesen und zu husten. Von dort verteilen sich die Viren nicht so leicht weiter. Benutzte Taschentücher sofort selbst entsorgen. Die Hände sehr häufig waschen. Möglichst wenig ins Gesicht fassen; das gilt auch für (noch) nicht Infizierte, denn Erkältungsviren geraten leicht von den Fingern in die Augen und von dort durch den Tränengang in die Nase. Und dann ist sehr oft der Schnupfen nach acht bis zehn Stunden da … Um die Kollegen zu schützen, sollte man am besten zu Hause bleiben. Denn nur, weil Erkältungssymptome oft nicht so stark sind, dass man zwangsläufig im Bett bleibt, können sich die Infekte so gut ausbreiten.

3. Wenn ich erkältet bin, fühle ich mich immer total krank. Warum macht meiner Freundin „das bisschen Schnupfen“ gar nichts aus?

Ein grippaler Infekt kann tatsächlich sehr unterschiedlich verlaufen und im schlechtesten Fall fast so schlimm sein wie eine echte Virusgrippe (Influenza). Zum einen gibt es viele verschiedene Erkältungsviren, die nicht alle gleich aggressiv sind, zum anderen reagiert das Immunsystem individuell verschieden. Einige bekommen bei einer Erkältung nie Fieber, andere immer. Die einen sind normalerweise nach zwei Tagen durch mit ihrem Schnupfen, andere schlagen sich mit einer schweren Erkältung auch zwei Wochen herum. Und werden danach unter Umständen noch wochenlang den Husten nicht los. Es hat also keinen Sinn, sich an der robusten Freundin zu messen.

4. Muss ich mit einer Erkältung überhaupt zum Arzt?

Normalerweise nicht. Es gibt aber einige Warnzeichen, die auf eine zusätzliche bakterielle Infektion (eine sogenannte Superinfektion) hinweisen, die in vielen Fällen antibiotisch behandelt werden muss: Wenn die Erkältung nach einigen Tagen schlimmer statt besser wird, wenn das Fieber auf um die 39 Grad steigt, wenn man sich total krank
fühlt und bei der kleinsten Anstrengung außer Atem gerät, sollte man sicherheitshalber doch zum Arzt gehen. Denn dann könnte sich beispielsweise eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung entwickelt haben.

5. Stimmt es, dass man Antibiotika neuerdings nur noch möglichst kurze Zeit schlucken soll – und nicht mehr auf jeden Fall alle nehmen muss, die in der Packung sind?

Da haben sich die Empfehlungen tatsächlich geändert. Denn neue Studien haben gezeigt, dass eine kürzere Behandlung genauso effektiv ist. Und dass die Gefahr der Vermehrung resistenter (gegen Antibiotika unempfindlicher) Keime steigt, je länger man das Antibiotikum einnimmt. Bisher dachte man immer, man könnte die besonders widerstandsfähigen Bakterien doch noch töten, wenn man nur lange genug behandelt. Heute weiß man: Durch die effiziente Ausschaltung der auf das Antibiotikum empfindlichen Erreger schafft man stattdessen reichlich Platz für die Vermehrung der gefährlichen unempfindlichen Keime. Außerdem gilt: Je länger man Antibiotika schluckt, desto mehr Nebenwirkungen wie Durchfall oder Pilzinfektionen der Scheide treten auf. Diese sogenannten Kollateralschäden einer Antibiotikatherapie kann man ebenfalls zumindest teilweise durch eine kürzere Behandlungszeit verhindern.

6. Und wie lange soll ich die Antibiotika nun nehmen?

Das müssen letztendlich Ärztin oder Arzt entscheiden. Aber es gibt Faustregeln: Schlägt ein Mittel gut an, geht es einem also schon nach zwei Tagen deutlich besser, reichen oft fünf Behandlungstage. Lassen die Beschwerden nur allmählich nach, sind eher sieben Tage zu empfehlen. Viele Antibiotika-Packungen enthalten einen Vorrat für zehn Tage. So lange muss man häufig nicht behandeln. Und wenn man am dritten Tag der Einnahme überhaupt keine Besserung spürt, sollte man noch mal zum Arzt gehen. Denn das deutet darauf hin, dass das Antibiotikum gar nicht das richtige für diesen speziellen Infekt ist.

7. Dass insgesamt zu viel Antibiotika verordnet werden, stimmt aber nach wie vor, oder?

Ja! Gegen Viren helfen Antibiotika bekanntlich nicht, trotzdem werden sie viel zu oft auch bei grippalen Infekten verordnet. Außerdem kommen sie in der Massentierhaltung buchstäblich tonnenweise zum Einsatz, weil die Tiere damit besser zunehmen. Die unkritische Verwendung über Jahrzehnte hinweg hat zu einer dramatischen Resistenzentwicklung geführt; es gibt immer mehr Keime, gegen die keine oder nur ganz wenig Antibiotika anschlagen. Aber es gibt zugleich Hoffnung: Sowohl in den Praxen als auch von Tierärzten werden heutzutage weniger Antibiotika verordnet als noch einige Jahre zuvor.

8. Ist es übertrieben, wenn ich bei jedem Schnupfen gleich Nasenspray nehme?

Eigentlich nicht. Denn wenn man Nasenspray oder -tropfen wirklich nur wenige Tage lang benutzt, kommt es nicht zu den bekannten Nebenwirkungen auf die Nasenschleimhaut bzw. zur Gewöhnung. Dafür machen die abschwellenden Mittel nicht nur die Nase frei, sie können auch Schlimmeres verhindern: eine Nebenhöhlen- oder Mittelohrvereiterung. Denn wenn die Nasenschleimhaut über mehrere Tage angeschwollen ist, kann das Sekret aus den Stirn- und Kiefernhöhlen und aus dem Ohr nicht mehr abfließen. In der gestauten Flüssigkeit können sich Bakterien vermehren und schmerzhafte Vereiterungen auslösen. Übrigens empfiehlt es sich bei einem Schnupfen zudem, nachts mit erhöhtem Kopfteil oder einem dicken Kopfkissen zu schlafen. Auch das lässt die Schleimhäute abschwellen.

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