Haarkuren: Kurz mal auf Kur

Pflegespülungen sind nur die halbe Miete, wer sein Haar liebt, benutzt Haarkuren – sagt die Werbung. Zu Recht? so gesund fragt nach

Haarkuren: Kurz mal auf Kur

Haarkuren: Kurz mal auf Kur © shutterstock/Alliance

1. Können Kuren mehr als Conditioner?

Haarkuren enthalten ähnliche Pflegestoffe wie Conditioner (Spülungen), aber mehr davon. Zum Beispiel positiv geladene Pflegestoffe, die von negativ geladenen Säuren in Haarschäden magnetisch angezogen werden. Hoch dosiert, richtig aufbereitet und angewandt, können solche Stoffe ins Haarinnere vordringen „Darin besteht der wichtigste Unterscheid zu Conditionern“, erklärt Claudia Guida, Trainerin bei der Apothekenhaarpflegemarke Phyto.
„Spülungen sollen an der Oberfläche bleiben, um sofort Geschmeidigkeit und Glanz zu erzeugen. Eine Kur dringt in die Haarfaser ein und kann hier reparieren, nähren, aufbauen.“

2. Brauchen wir alle Haarkuren?

Junges Haar, also Haar nahe der Wurzeln, ganz bestimmt nicht. Unter dem Mikroskop sieht es aus wie eine Schlange, seine Kutikula – die Außenhaut aus schuppig angeordneten Eiweißplättchen – glänzt ebenmäßig. Da gibt es nichts zu kurieren. Täglicher chemischer, physikalischer und mechanischer Stress durch Tenside bzw. Seife, Hitze, UV-Licht und Reibung hat über die Zeit allerdings seinen Preis, deshalb sind bei zwei, spätestens drei Jahre altem Haar Kuren empfehlenswert. Als Richtlinie kann man sich merken: Alles ab Kinnlänge braucht mehr Pflege.

3. Was passiert, wenn man auf Kuren verzichtet?

Hat die schützende Außenhaut Lücken, gelangt der Umweltstress zum Haarinneren, dem Faserstamm (Kortex). Er besteht aus Faserbündeln und wird zusammengehalten durch fragile Eiweiß- und Fettverbindungen.
Werden sie zersetzt, verlieren die Haare ihre Reißfestigkeit und Elastizität – Spliss und Haarbruch drohen. Kuren können die Entstehung solcher Schäden verlangsamen oder sogar verhindern. Gegen bereits entstandenen Spliss richten sie aber nichts aus.

4. Gefärbt, gelockt, gestresst?

Chemische Veränderungen machen die Schuppenschicht unabhängig von Haarlänge und -alter sensibel. „Gewelltes, gefärbtes und aufgehelltes Haar braucht erheblich mehr Pflege als unbehandeltes Haar“, sagt Claudia Guida. „In solchen Fällen empfehlen wir, sich mindestens einmal wöchentlich eine auf das Haar abgestimmte Pflegekur zu gönnen.“ Naturkrause ist ebenfalls so ein Pflegefall: In den Krümmungen wird die Schuppenschicht leicht gespreizt, deshalb sind Locken so empfindlich.

5. Wie verwendet man Haarkuren richtig?

Anwendungsfehler beobachtet die Friseurmeisterin Claudia Guida häufig. „Nur in seltenen Fällen empfiehlt es sich, die Haarkur vom Ansatz bis zur Spitze aufzutragen, etwa bei naturtrockenen, sehr dicken Haaren oder bei einer trockener Kopfhaut.“ In der Regel gilt: „Das Kurprodukt nur auf die Längen und Spitzen auftragen, dann bleibt der Stand am Ansatzerhalten und die Längen und Spitzen bekommen Glanz und Elastizität.“ Außerdem empfiehlt Guida, vor der Kur keine Spülung zu verwenden, dann dringen Wirkstoffe tiefer und besser ein, und sich bei der Anwendung Zeit zu nehmen. „Je dicker das Haar ist, desto länger sollte die Kur einwirken.“

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