Heil- und Tonerde: Alleskönner für sanfte Haut- und Haarpflege

Es gibt kaum ein Beauty-Produkt, das so unterschätzt wird: Tonerde spendet Feuchtigkeit, heilt Entzündungen und reguliert Fett-Überschüsse

Heil- und Tonerde: Alleskönner für sanfte Haut- und Haarpflege

Nur für den Fall, dass Sie weder Hobby- noch Profi-Geologe sind: Als sich in der Eiszeit Gletscher gen Süden wälzten, pulverisierten sie im Laufe der Jahrtausende selbst Felsen. Von ihrem Steinstaub ist hier die Rede, nicht von saftiger Muttererde vom Acker. Damit aus dem rein mineralischen Staub ein Beauty- und Gesundheitsprodukt wird, muss allerdings noch viel passieren.

Im marokkanischen Atlasgebirge etwa bergen Arbeiter feuchte Tonerde aus Stollen, waschen sie wieder und wieder, um sie schließlich trocknen zu lassen und als „Ghassoul“ zu verkaufen. Andere Namen für den prähistorischen Zauberstaub sind Ton-, Lava- und Wascherde oder auch Heilerde – so darf er sich aber nur dann nennen, wenn er als hochgereinigtes Medizinprodukt sogar innerlich anwendbar wäre.

Heilerde bindet Fett und Bakterien

Unabhängig von Name und Herkunft kann der Stoff aus der Eiszeit eigentlich nur eins: Er setzt erstaunliche Kapillarkräfte frei, weil seine Oberfläche im Verhältnis zum Durchmesser gigantisch ist. Ein Teelöffel des Gesteinspulvers, heißt es, habe 100 Quadratmeter Fläche – und die wirken wie ein Magnet auf alles Flüssige. Der Naturheilkundler Prof. Bernhard Uehleke von der Berliner Hochschule für Gesundheit und Sport weiß, was diese Urgewalt auf der Haut erreichen kann. Rührt man Tonerde mit Wasser zu einer Paste an und trägt sie als Maske auf, ziehen die winzigen Partikel beim Trocknen alles an, was nicht niet- und nagelfest ist. „Es entsteht eine Saugwirkung von innen nach außen“, so Uehleke. „Dabei bindet Heilerde Fett, Talg, Wundsekrete und andere Flüssigkeiten sowie darin gelöste und anhaftende Stoffe und Bakterien.“

Diese rein physikalische Wirkung endet jedoch, sobald die Feuchtigkeit in Haut und Erde im Gleichgewicht ist. Daher wird sie auch von gestresster Haut gut vertragen, weshalb Heilerde gerade bei Akne, Rosazea, Psoriasis und Neurodermitis empfohlen wird. Trockene Haut profitiert sogar doppelt von dem Urzeiterbe, weil es mineralische Ionen an die Haut abgibt. Vor allem Natrium- und Kaliumionen binden langfristig Wasser und fördern so nachhaltig die Durchfeuchtung der Haut. Gerade konnte eine Studie zeigen, dass bestimmte Tonerde-Produkte die Hautfeuchtigkeit innerhalb von vier Wochen um nahezu 23 Prozent erhöhen können.

Heilerde beruhigt die Haut

Heilerde hat für angegriffene Partien aber noch mehr in petto: „Durch eine reflektorische Wirkung wird die Durchblutung verbessert, der Stoffwechsel gefördert und die Wundheilung unterstützt“, sagt Uehleke. Weil das Eiszeiterbe als veganer, natürlicher Beauty-Trumpf immer beliebter wird, steckt es mittlerweile in vielen Kosmetikprodukten. Puristen lagern die Urzeiterde trocken und rühren sie je nach Verwendung mit Öl (wirkt rückfettend bei trockener Haut) oder Wasser an. Wenig Wasser bzw. Öl lässt eine zähe Paste entstehen (prima für Masken), viel Wasser eine Art Lotion (ideal zum Reinigen von Haut und Haar). Zu viel Wasser verwandelte die Autorin dieses Artikels in ein Erdferkel, als sie sich das erste Mal die Haare mit Tonerde wusch. Aber die Haare wurden unglaublich seidig und glänzend.

EINMAL ZUR ERDE, BITTE!

  1. Alles klar: Spezialist gegen Akne. „Heilerde Maske“ ­von Dermasel, Portionssachet um 2 Euro
  2. Vielseitig: Tonerde zum Selberanrühren. „Jalë Rhassul Wascherde“ von Tautropfen, 400 g um 20 Euro
  3. Sanft: Serum gegen Spannungsgefühl, Juckreiz, Schuppung. „Akut-Serum“ von Luvos med, 50 ml um 14 Euro
  4. Gründlich: gegen fettige Kopfhaut und müde Haare. „Curbicia klärende Shampoo-Maske“ von René Furterer, 200 ml um 26 Euro

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