Von Heuschnupfen die Nase voll

Das Wetter wird schöner, aber leider beginnt damit für viele Allergiker die Heuschnupfen-Saison. Tipps gegen die lästige Erkrankung im Frühling

Von Heuschnupfen die Nase voll

Heuschnupfen / ©shutterstock/Antonio Guillem

Der Heuschnupfen ist für viele die Kehrseite des Frühlingserwachens. Denn zum Leidwesen von Allergikern kommen mit sprießenden Gräsern und Kräutern auch die Pollen. Wir verraten einfache Maßnahmen, gegen die der Blütenstaub keine Chance hat.

Bei den ersten Sonnenstrahlen wollen alle an die frische Luft. Fast alle. Für 12 Millionen Menschen in Deutschland (14,6 Prozent) ist Frischluft mit Husten, Niesen und Augenjucken verbunden. So viele leiden laut Untersuchung des Robert-Koch-Instituts an Pollenallergie, also Heuschnupfen. Bemerkbar macht sich die Krankheit typischerweise vor dem 25. Lebensjahr, meist schon bei Kindern zwischen acht und 16 Jahren.

Wie der Name vermuten lässt, löst der Blütenstaub von Gräsern, Bäumen und Kräutern die Allergie aus. Unser Immunsystem verwechselt deren Eiweiße mit Krankheitserregern und geht in Abwehrhaltung. Letztere sieht nicht bei jedem gleich aus: Von Niesattacken oder Fließschnupfen bis hin zu Asthma reicht die Bandbreite. In jedem Fall beeinträchtigt die Allergie das Wohlbefinden. Betroffene schlafen schlecht und sind nicht leistungs- oder konzentrationsfähig.

Und kaum haben sich die Symptome gelegt, geht das Trauerspiel von vorn los: Bei mildem Klima fliegen die Gräserpollen bis November und im Dezember kommen bereits erste Erlenpollen.

Forscher beobachten, dass die Pollenzeit immer länger wird. Kein Anlass jedoch, die Flinte ins Korn zu werfen. Medikamente wie Kortisonsprays oder Antihistaminika können die Allergie zwar nicht heilen, sehr wohl aber die Beschwerden lindern. Zusätzlich helfen einfache Tricks dabei, die Macht der Pollen zu schwächen:

1. Heuschnupfen: Sprühen, Spülen, Schmieren

Bei der Pollenallergie sind die Schleimhäute gereizt, trocknen aus und werden rissig. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern macht die Betroffenen anfälliger für Infektionen. Salzhaltige Nasensprays, tägliche Nasenspülungen mit Kochsalzlösung und anschließendes Schmieren einer Nasensalbe können Abhilfe schaffen. So wird einerseits die Schleimhaut gesäubert, andererseits Trockenheit vorgebeugt.

Auch mit Olivenöl kann die Haut der Naseninnenwand geschmeidig gehalten werden. Ist die Schleimhaut bereits beeinträchtigt, setzt man zur Heilung am besten auf eine tägliche „Nasenkur“: Nach dem Waschen des Gesichts und einer salzhaltigen Nasenspülung trägt man eine dünne Schicht der Nasensalbe auf. Am effektivsten greift die Methode in geschlossenen, pollenarmen Räumen. Außerdem sollte man sie nicht direkt vor dem Schlafengehen durchführen.

2. Putzteufel erwünscht

Waschen, schrubben, wischen – so lautet eines der Erfolgsrezepte gegen Pollenallergie. Damit sich der allergieauslösende Blütenstaub nicht in den eigenen vier Wänden ausbreitet, sind diese so pollenfrei wie möglich zu halten. Die Regeln gibt der Hausverstand vor: Bringen Sie keine Pollen an Kleidung oder Haaren in die Räume, lassen Sie Jacken und Schuhe am besten vor der Haustür und wechseln Sie Ihre Kleidung beim Betreten der Wohnung.

Schalten Sie während der Pollenzeit vermehrt die Waschmaschine ein, denn neben Kleidung sind Bettwäsche, Kissen, Decken und Vorhänge öfter zu reinigen. Damit die Wäsche pollenfrei bleibt, trocknen Sie sie nicht im Freien. Wischen Sie außerdem Ihre Möbel, Wände sowie Fußböden so oft wie möglich nass ab.

Auch die Investition in einen Staubsauger mit Pollenfilter ist sinnvoll. Was für den Wohnraum gilt, gilt auch für den Körper: Waschen Sie sich beim Betreten des Hauses Hände, Arme und Gesicht – kurz alles, was Frischluft ausgesetzt war. Vor dem Schlafengehen sollten Sie Ihre Haare waschen und sich abduschen, damit sich die Schleimhäute in der Nacht erholen können.
Außerdem halten Sie beim Schlafen die Fenster möglichst geschlossen und lüften Sie generell, wenn weniger Pollen unterwegs sind: In der Stadt vor acht Uhr morgens, auf dem Land abends nach 18 Uhr. Auch während oder nach dem Regen sind günstige Gelegenheiten fürs Rundumlüften.

Übrigens: Mehr Hygiene ist nicht immer eine Lösung. Im Gegenteil. Eine Theorie besagt, dass Allergien aufgrund übermäßiger Hygiene entstehen, weil sich das Immunsystem neue Feinde suchen muss. Ein Untersuchungsergebnis scheint das zu bestätigen: Viele Geschwister vermindern das Risiko, dass die Kinder an Heuschnupfen erkranken, weil es im vollen Kinderzimmer meist unhygienischer zugeht. Durch den ständigen Austausch von Keimen und Allergenen wird das Immunsystem trainiert, so Experten.

3. Indoor ist das neue Outdoor

Auch wenn Frischluft bekanntlich gesund ist, ist sie doch Pollenträger Nummer eins. Deshalb sollten Betroffene in der Zeit „ihres” Blütenstaubs Outdoor-Aktivitäten eher auf Indoor verlegen und generell den Aufenthalt im Freien auf ein Minimum reduzieren. Für Letzteres gelten dieselben Zeiten wie fürs Fensterlüften; das heißt, in der Stadt ist man morgens vor 8 Uhr, auf dem Land abends nach 18 Uhr am sichersten vor den Pollen. Zusätzlich kann eine Brille vor Pollen schützen.

4. Investieren macht sich bezahlt

Die beste Anschaffung fürs Zuhause eines Pollenallergikers sind Luftreiniger oder Luftwäscher. Beide reduzieren die Anzahl der Allergene in der Raumluft und sorgen so dafür, dass das Atmen in der Wohnung leichter fällt. Gerade bei intensivem Pollenflug oder starkem Heuschnupfen macht sich dieser Kauf bezahlt.

Günstiger, dafür aber auch weitaus weniger effektiv, sind Fliegengitter mit speziellem Pollenschutz. Einerseits fangen sie fliegendes Ungeziefer, andererseits haben sie das Filtern der Allergene zur Hauptaufgabe. Sie schützen zwar nicht hundertprozentig, aber können durchaus helfen, zwei Fliegen (oder Pollen) mit einer Klappe zu schlagen.

5. Kalt-warmer Boost fürs Immunsystem

Der beste Verbündete im Kampf gegen sämtliche Krankheiten ist ein gestärktes Immunsystem. Das gilt auch für Allergiker. Kurbeln Sie deshalb das Immunsystem an: Dampfbäder befeuchten die Schleimhäute, reinigen, durchbluten und lindern Reizungen. Einen ähnlich positiven Effekt haben Saunagänge oder Wechselbäder.

6. Küchenparty

Viele frische, rohe und pflanzliche Lebensmittel, weniger Fleisch und Milchprodukte: Für Allergiker gelten die Grundregeln ausgewogener Ernährung erst recht. Der Griff zum richtigen Nahrungsmittel kann für Betroffene entweder eine Linderung des Juckreizes oder ein Mehr desselben bedeuten. Wer etwa täglich Vitamin C in Form von Bananen, Sonnenblumenkernen oder Leinsamen zu sich nimmt, der setzt auf ein natürliches Antihistaminikum. Letzteres bindet den Botenstoff Histamin und verhindert das lästige Jucken.

Außerdem enthalten rohes Obst und Gemüse mit den Vitaminen A, C und E starke Antioxidantien, die Entzündungen hemmen und Zellschäden vorbeugen. Pollenallergiker müssen noch aus einem weiteren Grund darauf achten, was auf ihrem Teller landet: Erwachsene entwickeln oft „Kreuzallergien” mit einigen Obstsorten oder Nüssen. Ob Sie betroffen sind und welche Nahrungsmittel Sie meiden sollen, verraten Allergietests im Labor.

7. Vermeidungstaktik

Zigarettenrauch, chlorhaltiges Wasser, Duftstoffe oder chemische Zusatzstoffe in Reinigungsmitteln können bei Pollenallergikern die Beschwerden verstärken. Wer auf Triefnase oder Reizhusten verzichten möchte, der meidet diese Stoffe.

8. Flucht ist eine Lösung

Sie lesen richtig: Wer die Möglichkeit hat, sollte seinen Urlaub in die Zeit des Pollenflugs verlegen. Zur Auswahl stehen Urlaubsdestinationen, in denen diese Pollen (noch) nicht fliegen. Hoch im Kurs steht Meerurlaub – am besten auf einer Insel oder an einer Küste mit Seewind; doch auch im Gebirge oberhalb von 2000 Metern sind Betroffene vorm Blütenstaub gefeit.

Mit diesen Maßnahmen sind Sie für die nächste Pollenzeit bestens gewappnet. Um zu wissen, wann sie zum Einsatz kommen, behalten Sie am besten einen Pollenflugkalender im Blick.

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