Implantat ohne Schnitt und Naht

Vor einem Zahnersatz haben viele Menschen Angst. Eine 3D-Planung am Computer ermöglicht jedoch ein Implantat ohne Skalpell oder Naht.

Implantat ohne Schnitt und Naht

Implantat ohne Schnitt und Naht / ©iStock/AntonioGuillem

Herr Dr. von Sternberg, was empfehlen Sie – eine Zahnbrücke oder ein Implantat?

Für eine Brücke müssen die gesunden Zähne neben der Lücke beschliffen werden, damit sie eine Stützfunktion übernehmen und eine Brücke eingefügt werden kann. Sie schrumpfen dadurch in Höhe und Breite. Diese abgetragene Zahnsubstanz bildet sich nicht nach, sie ist unwiederbringlich verloren. Das ist beim Implantat anders. Hier wird eine künstliche Zahnwurzel im Knochen verankert, und der fehlende Zahn kann in die Zahnreihe eingepasst werden. Bei einer Brücke ist außerdem das Problem, das sich der Knochen unter ihr mitunter zurückbildet. Dann entsteht eine kleine Lücke, die nur schwer zu reinigen ist und auch nicht schön aussieht. Unter Umständen muss die Brücke irgendwann entfernt und der Knochen darunter wieder aufgebaut werden. Angesichts solcher möglicher Komplikationen und vor allem wegen der ausbleibenden Beschädigung gesunder Zähne, ist das Implantat im Vergleich zur Brücke die erste Wahl.

Ein Implantat schlägt mit ungefähr 2000 Euro zu Buche, eine Brücke kostet ungefähr halb so viel.

Ja, bei herkömmlichen Implantaten ist das richtig.

Sie setzen in Ihrer Praxis Implantate ohne Skalpell ein und arbeiten dafür mit Röntgen- und Computertechnologie. Ist das nicht noch teuer?

Das vermuten viele Patienten. Tatsächlich aber ist die sogenannte navigierte Implantologie günstiger als die herkömmliche mit dem Skalpell. Denn der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Das ist vergleichsweise kurz und dadurch kostengünstiger.

Wie funktioniert die navigierte Implantologie?

Bei einem herkömmlichen Implantat muss der Zahnarzt das Zahnfleisch durch ein Skalpell öffnen und den Knochen freilegen. Das klingt so blutig, wie es ist. Bei der navigierten Implantologie errechne ich in einem 3D-Modell am Computer zunächst, an welcher Stelle im Knochen das Implantat verankert werden soll. Das ist möglich durch eine Röntgenaufnahme des Kiefers. Dann schicke ich das 3D-Modell an einen Techniker, der eine Schablone erstellt. Sie wird individuell angefertigt, passt genau auf Zähne und Knochen und verfügt über eine winzige, ungefähr drei Millimeter große Ausstanzung für das Zahnimplantat. Man spricht von Schlüsselloch-Implantologie, weil das Implantat wie durch ein kleines Schlüsselloch eingefügt wird. Ich drücke das Implantat sozusagen durch die Öffnung.

Welche Vorteile hat der Patient?

Die navigierte Implantologie geht schnell. Dadurch, dass es nur ein kleiner chirurgischer Eingriff ist, heilt die Wunde schneller aus. Sie ist deutlicher kleiner als bei der gängigen Implantologie, wo ich ja das Zahnfleisch mit dem Skalpell bearbeite. Im Endeffekt kann der Patient mit weniger Schmerzen und weniger Schwellungen rechnen. Und durch die Schlüsselloch-Implantologie und die genaue 3D-Diagnostik müssen wir seltener den Knochen aufbauen. Das spart ebenfalls Geld und sorgt für geringere Schmerzen.

In Deutschland ist die navigierte Implantologie noch nicht so stark verbreitet. Ist das in China anders? Sie waren 2017 in Shanghai und haben dort Vorträge zum Thema gehalten.

Der Markt in China ist ein ganz anderer. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung werden Implantate dort erst langsam zugänglich für die Mehrheit der Gesellschaft. Entsprechend groß ist das Interesse an deutscher Expertise für Implantologie. Gleichzeitig sind die Chinesen sehr aufgeschlossen für neuartige Methoden.

Wird die navigierte Implantologie irgendwann Standard in Deutschland sein?

Es wird immer schwierige und spezielle Fälle geben, in denen die navigierte Implantologie nicht die sinnvollste Methode ist. Aber beim Großteil aller Eingriffe wird sie sicher zum Standard. Warum etwas Freihand erledigen, wenn man es vorher durch Computerplanung und Schablone absichern kann?

Dr. Dr. Norman von Sternberg

Dr. Dr. Norman von Sternberg

Dr. Dr. Norman von Sternberg

Dr. Dr. Norman von Sternberg machte 2003 seinen Doktor in Medizin und 2007 den Doktor in Zahnmedizin an der Uni Hamburg. Seit 2007 ist er Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, sowie Fachzahnarzt für Oralchirurgie und Implantologie. Im Wartezimmer seiner Altbaupraxis im Hamburger Stadtteil St. Georg hängen nicht nur Zeugnisse und Zertifikate an der Wand, sondern auch Zeichnungen von Udo Lindenberg – mit persönlicher Widmung.

 

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