Gelenke: In bester Verbindung

Was Sie über Knie und Co. wissen sollten, damit Sie beweglich bleiben – ein Leben lang

Gelenke: In bester Verbindung

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Aua, meine Schulter, mein Knie, mein Rücken! Fast jeder hat irgendwann Gelenkschmerzen, sportliche Leute sogar oft schon in ganz jungen Jahren. Wir stellen die häufigsten Fragen rund um die Scharniere des Körpers.

Woher kommen die Beschwerden?

1„Der Grund ist meistens, dass das Gelenk entweder entzündet oder abgerieben ist“, erklärt Bewegungstherapeut Arlow Pieniak aus Hamburg (workittraining.de). Bei der Entzündung spricht man von einer Arthritis, wobei es sich um einen akuten Fall handelt, der unter anderem mit einer Erwärmung, Rötung, Schwellung oder einem Erguss einhergeht; also mit einer Ansammlung von Flüssigkeit im Gelenk, die dort nicht hingehört. Hingegen ist die Arthrose ein schleichender Prozess der „kalten“ Gelenkabnutzung. In beiden Fällen können vor allem Fehlbelastungen die Ursache sein – sowohl kurzzeitige, hochintensive als auch jahrelange geringere, etwa durch zu viele Pfunde auf den Rippen. Wenn es wehtut, ist das Gelenk selbst aber nicht immer der einzige Grund, oft kommt mehreres zusammen. „Schmerzen werden viel zu selten mit Problemen wie verklebten Faszien oder muskulären Dysbalancen in Verbindung gebracht“, sagt Pieniak. Faszien sind ein Netzwerk aus Bindegewebsfasern, die die Gelenke, Sehnen, Bänder, Knochen, Organe, Nerven und Muskeln umhüllen und am rechten Platz halten; muskuläres Ungleichgewicht entsteht oft durch einseitige Belastungen oder falsches Training. Aus Erfahrung ist Pieniak überzeugt, dass die Behandlung solcher Strukturen die eine oder andere Operation verhindern oder zumindest weit hinauszögern könnte. Beispiel neue Hüfte: „Anstatt eine Prothese einzusetzen, würde es mitunter reichen, den Piriformis – einen Muskel unterhalb des großen Gesäßmuskels – zu mobilisieren, die Oberschenkelvorderseite zu dehnen und die Bauchmuskulatur zu trainieren“, so der Experte. Einen Versuch ist das Muskelprogramm wert, für gewöhnlich genügen dazu nämlich drei Behandlungen beim Sport- oder Physiotherapeuten.

Muss jeder damit rechnen?

2Nein, entgegen der weitläufigen Meinung ist Arthrose kein Schicksal, das jedem von uns im Alter widerfährt. „Je besser man sein Leben lang im Sinne einer guten Gelenkführung trainiert, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, später vom schmerzhaften Verschleiß betroffen zu sein“, sagt der Bewegungstherapeut. Schauen Sie sich daher direkt mal im Spiegel an: Stehen Sie im Hohlkreuz? Haben Sie X- oder O-Beine? Machen Sie einen Rundrücken oder einen sogenannten Geierhals, bei dem sich der Kopf nach vorn schiebt? Dann ist es – egal wie alt Sie sind – Zeit, mit entsprechendem Training zu beginnen. Wie das für Sie aussieht, entscheidet der Physiotherapeut oder ein Personal Trainer mit Reha- Schwerpunkt.

Wie kann ich vorbeugen?

3Gelenkschmerzen lassen sich durch Sport vermeiden. Aber nicht jede Art von Bewegung tut zu jedem Zeitpunkt gut. „Wer mit instabiler Hüfte oder ebensolchen Knien laufen geht, wird das schmerzhaft zu spüren bekommen“, erklärt Pieniak. Die Instabilität beruht oft auf zu schwachen Muskeln, ihre Kraft fehlt für einen reibungslosen Ablauf der Gelenkbewegung. „Gezielter Muskelaufbau ist darum die einzige Möglichkeit, eine schmerzende Hüfte wieder zu stabilisieren oder ein kaputtes Knie in die richtige Position zu bringen“, so der Experte – im Prinzip ist es wie bei den X-Beinen. Wenn das Gelenk erst mal wieder auf Spur ist, ist Sport das Beste, was ihm passieren kann: Unsere Scharniere reagieren Pieniak zufolge vergleichbar darauf wie die Muskulatur – alle Anteile werden besser durchblutet, der Knochen wird stetig stärker, und es entsteht mehr Gelenkflüssigkeit, die als Schmiermittel Abriebschmerzen unmittelbar lindern kann. Pieniak setzt auf Krafttraining: Dabei entfallen starke Stoßbelastungen wie etwa beim Springen bzw. Joggen. Und es lässt sich stufenweise steigern.

Was hilft, wenn‘s wehtut?

4Aussitzen ist keine gute Idee. Ausnahme: wenn nach einer ungewohnten Belastung wie der Gartenarbeit der Rücken zwickt. „Das vergeht meist nach drei Tagen Ruhe von selbst“, sagt Pieniak. Anders sieht es bei wiederkehrenden Leiden aus. „Es reicht nicht, eine Schmerztablette zu nehmen oder sich eine Spritze geben zu lassen. Wichtig ist, die Ursache zu bekämpfen.“ Denn selbst wenn die Wehwehchen mit Medikamenten erst mal verschwinden – nicht selten kommen sie umso stärker zurück. Der Grund für die vorübergehende Besserung ist nämlich auch eine Schonhaltung, die man automatisch einnimmt, um dem Schmerz zu entgehen. Sie macht die Muskeln aber langfristig schwächer, weitere Fehlbelastungen entstehen. Kritisch ist es zudem, wenn der Schmerz immer mit einer bestimmten Bewegung wie dem Aufstehen auftritt. Pieniak: „Dann bitte bald einen Arzt oder Physiotherapeuten um Rat fragen.“

Ist Knacken schlimm?

5Laut Experte Pieniak gibt es drei verschiedene Arten von Knacken: helles, dumpfes und knirschendes. Das helle können manche Leute willentlich erzeugen, indem sie ihre Finger auseinanderziehen. Was dabei passiert, haben kanadische Forscher der University of Alberta kürzlich enträtselt: Das Geräusch entsteht, wenn sich beim kräftigen Ziehen zwischen den Gelenkflächen eine Blase bildet. Ähnlich könnte es ablaufen, wenn das Knie hell knackt, weil die Kniescheibe aus ihrer Gleitbahn rutscht. Um sie in der Spur zu halten, empfiehlt Pieniak, vor allem die Beinrückseite zu trainieren, etwa indem man auf dem Boden liegt und Po und Hüfte maximal anhebt. Bei einem dumpfen oder knirschenden bis rasselnden Knacken – egal in welchem Gelenk – sollten Sie direkt einen Termin beim Orthopäden vereinbaren.

 

 

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