Innere Unruhe: Die Zerrissenheit in mir

Innere Unruhe ist für viele ein Zeichen von Schwäche und damit kein Thema für die Öffentlichkeit. Paradoxerweise füttert man mit dieser Einstellung den inneren Teufel, den man bekämpfen will.

Innere Unruhe: Die Zerrissenheit in mir

Wenn Marc Zuckerberg sagt, dass ihn eine innere Unruhe antreibt, ständige Höchstleistung zu liefern, dann will man diese Unruhe schnell als Stärke empfinden – die logische Konsequenz einer Leistungsgesellschaft. Schnell aber verwechselt man innere Unausgeglichenheit mit Fleiß, dem Drang, voranzukommen, mit ungesunder Belastung – denn tatsächlich kann dauerhafte innere Unruhe krank machen.

Ob man wirklich selbst zu den Betroffenen zählt, ist nicht immer gleich offensichtlich. Häufig empfinden wir auch kurzfristigen Stress als Unruhe; das können die nervösen Wochen vor einer wichtigen Prüfung sein oder einfach ein paar wache Stunden im Bett, in denen man einen stressigen Tag Revue passieren lässt. Diese Form des Stresses ist bald vorbei – dann kann auch der Gedanke helfen, dass auf den Höhepunkt der Stresssituation ein neuer Anfang folgen wird, egal ob es die Prüfung ist oder ein belastendes Beziehungsende ist.

Krankhaft nervös: Wann wird innere Unruhe gefährlich?

Gefährlich wird es, wenn die Unruhe über einen kurzen Zeitraum hinausgeht und sukzessive die Lebensqualität beeinträchtigt. Dann kann es sein, dass die innere Zerrissenheit eher eine Begleiterscheinung körperlicher Krankheitsbilder ist. Die möglichen Gründe reichen von A wie ADHS bis Z wie (Leber-)Zirrhose. Frauen sind zusätzlich einem Risiko ausgesetzt, da die Unruhe auch unerwünschter Begleiter der Wechseljahre sein kann.

Oft entsteht die Ursache allerdings im Kopf des Patienten – als Anhängsel einer psychischen Erkrankung. Ein Tabuthema, was keines sein müsste. Schließlich sind psychische Erkrankungen erst mal nichts anderes als ein Zustand, bei dem Gedanken, Gefühle oder Verhalten von Personen funktional von dem abweichen, was gemeinhin als normal bezeichnet wird. Einhergehend ist damit immer eine zumindest gefühlte Beeinträchtigung der Lebensqualität – und das geschieht häufiger, als man wohl annehmen mag. Somit sind solche Prozesse mitnichten ein Grund für Scham, vielmehr ist es wichtig und gesund, sich anzuvertrauen und auszutauschen, um die verlorene Lebensqualität zurückzugewinnen.

Endlich zur Ruhe kommen

Wer innerlich unter Spannung steht, greift hingegen häufig zu Stressbekämpfern wie Kaffee, Zigaretten oder anderen Drogen. Dabei ist das oft kontraproduktiv. Lieber sollte man den Grund für das eigene Unwohlsein finden und sinnvoll bekämpfen. Ist zum Beispiel die dauerhafte Vermeidung eines unangenehmen Gesprächs der Grund für Nervosität, hilft es, sich dieser Angst zu stellen. Ist es die Unzufriedenheit im Job, kann man sich selbst ehrlich die Frage beantworten, ob eine Veränderung sinnvoll sein kann.

Unterstützend können in dieser Zeit auch pflanzliche Mittel wirken, die sanft die eigene Ausgeglichenheit stärken. Wie bei anderen pflanzlichen Medikamenten gilt aber auch hier: Vorsicht bei Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. So kann zum Beispiel Johanniskraut die Wirkung von Immunsuppressiva und Cholesterinsenkern vermindern. Wenn das eigene Hinterfragen nicht zum Erfolg führt, sollte man sich an einen Arzt wenden. Dabei kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass man ein Problem mit Millionen anderer Menschen teilt und es keinen Grund gibt, sich dessen zu schämen. Im Gegenteil. Das Leben ist kurz genug. Da sollten wir es wenigstens zufrieden genießen.

Beitragsbild: ©iStock/marzacz

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