Es darf gelacht werden: Internationaler Tag des Witzes

Es gibt selten gute und kluge Witze, obgleich das Wort Witz (wizze) im Mittelalter Klugheit bedeutete. Doch wer selten lacht, wird schneller krank.

Es darf gelacht werden: Internationaler Tag des Witzes

Internationaler Tag des Witzes: Lachen ist gesund ©iStock/Buffy1982

Der 1. Juli ist Internationaler Tag des Witzes. Passend zum Thema haben wir erliner Psychotherapeut und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger interviewt. Er ist Autor des Buches „Humor für Anfänger und Fortgeschrittene“.

Am 1. Juli ist Internationaler Tag des Witzes. Herr Dr. Krüger, kennen Sie einen guten Witz?

Ich habe in meinem Regal bestimmt hundert Witzbücher, und darin findet man vielleicht ein Dutzend guter Witze. Die Mehrzahl der schlechten Witze dreht sich um Erotik und ist auf einem intellektuell eher dürftigen Niveau angesiedelt. Interessant und lustig wird ein Witz dann, wenn sie etwas mit der Person des anderen zu tun haben.

Zum Beispiel?

Ich war vor einiger Zeit auf der Geburtstagsfeier einer 70jährigen Dame eingeladen, von der alle Anwesenden wussten, dass ihre Ehe nicht besonders gut läuft. Sie erzählte einen Witz: „Kommt eine Tochter zur Mutter und sagt: ‚Ich habe jemanden kennen gelernt, der klaut. Da sagt die Mutter: ‚Lass es bleiben mit ihm, das wird schlimmer.‘ Nach einiger Zeit kommt die Tochter wieder zur Mutter und sagt: ‚Ich habe einen kennen gelernt, der säuft. Sagt die Mutter. ‚Lass es bleiben, das wird schlimmer‘. Schließlich kommt die Tochter erneut zur Mutter und sagt: ‚Ich habe einen kennen gelernt, der mir immer an die Wäsche gehen will.‘ Oh‘, sagt die Mutter. ‚Den kannste nehmen. Das gibt sich.“ Das war lustig, denn allen war bewusst, dass die Frau mit dem Witz ihr Leben erzählt. Man sieht: Gute Witze enthalten ein Problem und eine Lösung. Sie dienen dazu, das Leben aus einer anderen und entspannten Haltung wahrzunehmen.

Sind Witze nicht letztlich auch Geschmacksache?

Ja. Viele Menschen teilen Vorlieben wie für ein Lieblingsgericht oder eine Sportart. Humor ist hingegen etwas ganz spezifisches. Er verrät, wann wir ins Schwingen kommen, und welche Lebenswerte wir verinnerlicht haben. In meinen therapeutischen Sitzungen achte ich deshalb immer darauf, was jemand witzig findet. Die Witze, über die jemand lacht, sagen sehr viel über seine Persönlichkeit aus. Und wenn man nicht über die Witze seines Partners lachen kann, ist das in der Regel ein Riesenproblem. Frauen empfinden Männer vor allem als dann attraktiv, wenn diese Männer in einer sehr spontanen Situation über sich selber lachen können. Denn es zeigt ihnen, dass sie im Alltag auch Probleme mit Humor meistern werden.

Was bedeutet es, wenn jemand nicht gut über sich selbst lachen kann?

Dann ist der Betreffende eitel und wird entweder sehr schnell verzweifelt oder sehr schnell wütend. Um humorvoll zu sein, muss ich mein eigenes Leben mitunter so sehen, als fände es auf einer Bühne statt. Ich muss also in der Lage sein, mich aus einem manchmal sehr kränkenden Leben zurückzuziehen und es mit Abstand betrachten. Dieser Abstand ermöglicht Humor.

Hat diese Art des Humors Auswirkungen auf die Gesundheit?

Ja. Alle Forschungen zeigen, dass der Humor der stärkste Gesundheitsfaktor ist – er ist wichtiger als Nicht-Rauchen, gesunde Ernährung oder Sport. Humorvolle Menschen verfügen über ein widerstandsfähiges Immunsystem. Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, Dinge lustig zu finden. Beim Humor ist die Kernfrage, wie wir darauf reagieren, wenn etwas im Leben etwas schief geht: In Alltagssituationen, wenn es regnet, der Bus wegfährt und der Chef schlecht gelaunt ist. Oder bei Problemen in der Partnerschaft. Oder aber in schweren Belastungssituationen wie einer Krankheit.

Kann man Humor lernen?

Seit Jahrzehnten dreht sich die Forschung der Resilienz um die Frage, wie es dazu kommt, dass manche Menschen an schweren Lebensbelastungen zerbrechen, während andere über eine innere, sie schützende Widerstandsfähigkeit verfügen. Dabei zeigt sich: Man braucht ein Ego, das sich über die eigene Rolle im Leben bewusst ist. Menschen, die Schwierigkeiten gut wegstecken können, kennen sich in der Regel und können beispielsweise leicht sagen, über welche fünf positiven Eigenschaften sie verfügen. In meinen Therapiesitzungen versuche ich deshalb immer das Ego zu steigern.

Wie machen Sie das?

Ich fordere die Patientinnen und Patienten auf, über fünf positive Eigenschaften bei sich selbst nachzudenken, Freunde danach zu fragen oder ein Tagebuch über Erfolgserlebnisse zu führen. Dadurch, dass man den Fokus auf die positiven Dinge lenkt, wird eine ausgewogenere Selbstakzeptanz befördert. Das zweite, was einen im Leben stützt, sind soziale Beziehungen. Es sind nicht hunderte Herzensfreundschaften nötig, wohl aber das Gefühl, inmitten dieser großen, einsamen Welt gut aufgehoben zu sein. Dann sage ich meinen Patienten, dass sie innerhalb der nächsten hundert Tage damit beginnen sollen, Lebensprojekte in Angriff zu nehmen. Steuererklärung, Tauchkurs, Malen, aufräumen – egal was. So kommt man in eine Aufbruchsstimmung. Und dann sollte man sich einmal in der Woche ungefähr eine Stunde Zeit nehmen und auf die innere Stimme hören. Durch solche Maßnahmen wird man zu einer Art Kraftzentrum, in dem das Innenleben wichtiger ist als die versagende Welt. Wenn sie das hinkriegen, dann kriegen sie Humor.

Was halten Sie von Programmen wie Lachyoga?

Ich selbst habe an Lachyogakursen teilgenommen, und meiner Erfahrung nach hilft es. Aber eben nur in alltäglichen Belastungssituationen. In dem Augenblick, in dem uns das Leben ein bisschen mehr beutelt, sind wir auf eine innere Kraft angewiesen, die Philosophen den Lebenshumor genannt haben.

Hat der Humor sich im Laufe der Menschheit verändert?

Ja, durchaus. Vom alten Griechenland bis ins 18. Jahrhundert haben die Menschen vor allem über andere gelacht. Der Humor hatte dadurch etwas sehr Vernichtendes, in Fragestellendes, Aggressives. Erst als sich der Mensch ungefähr zu Lebzeiten Goethes seiner Individualität bewusst wurde, begann er über sich selbst zu lachen. Der Humor wurde dadurch zu einer Art Stoßdämpfer des Lebens. Und das ist er bis heute.


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Wolfgang Krüger ist ein Berliner Psychotherapeut und Buchautor. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Überwindung von Ängsten und Depressionen sowie der Aufarbeitung von Beziehungsschwierigkeiten. Er hat unter anderem Bücher zu den Themen Freundschaft, Eifersucht und Humor veröffentlicht und jetzt das Buch „Humor für Anfänger und Fortgeschrittene“ geschrieben.


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