Interview mit einer Corona-Betroffenen: Mein Leben mit COVID-19

Am 18.3. erhielt Nadine K. die Diagnose COVID-19. Im Interview spricht sie über das Leben mit dem Coronavirus, ihren Umgang mit der Quarantäne und wie es weiter geht.

Interview mit einer Corona-Betroffenen: Mein Leben mit COVID-19

Quarantäne ist für die vom neuartigen Coronavirus Betroffene Nadine K. jetzt noch bis zum 1.4. angeordnet. Foto ©iStock/MarinaZg

Wie geht es Ihnen?  

Den Umständen entsprechend geht es mir wieder gut. Die Erkältungssymptome sind noch da, die Halsschmerzen sind weg, auch der Husten ist so gut wie verschwunden. Ich spüre jedoch weiterhin eine starke Schlappheit.

Sie sind Betroffene vom neuartigen Coronavirus COVID-19. Was war das für ein Gefühl, als Sie die Diagnose erhalten haben?

Anfangs wollte ich mich damit abfinden, dass ich nur erkältet bin. Aber da ich Kontakt zu einer infizierten Person hatte, hatte ich mich bereits mit dem Gedanken auseinandergesetzt, dass mein Testergebnis positiv ausfallen könnte. Erhält man dann allerdings die Diagnose, macht man sich natürlich schon andere Gedanken, auch bedingt durch die mediale Berichterstattung. Als ich es erfahren habe, war es schon ein mulmiges Gefühl. Man fühlt sich zudem einfach unwohl, weil man weiß, dass es noch keine medikamentöse Hilfe gibt.

Aber ich war schon immer ein Mensch, der in solchen Situationen sagt “OK, ich muss es annehmen, mache das Beste aus der Situation”. Ich meine, es geht mir den Umständen entsprechend gut. Ich bin jeden Tag froh, dass es nicht schlimmer wird. Ab und zu gibt es natürlich auch mal einen Tag, an dem alles stagniert. Aber das ist in Ordnung.

Zur Zeit denke ich immer “Auf keinen Fall möchte ich ins Krankenhaus”, aber das liegt auch an meinem aktuellen, relativ guten Zustand. Im Ernstfall, wenn es mir richtig schlecht gehen würde, wäre ich natürlich auch froh, dass ich dort Hilfe bekommen kann.

Sind sind nun in Quarantäne. Wie geht es Ihnen in dieser Situation?

Ich bin froh, zu Hause zu sein. Ich würde ohnehin nichts anderes machen, auch wenn man mir keine Quarantäne angeordnet hätte. Ich habe stets das Bedürfnis danach, mich hinzulegen, ich bin schlapp. Neben den Erkältungssymptomen ist bei mir die Schlappheit das, was mir besonders zu schaffen macht. Deshalb bin ich froh, mich jederzeit hinlegen zu können, ganz nach meinen Bedürfnissen. Quarantäne ist wahrscheinlich eher für die Menschen schlimm, denen es richtig gut geht.

Und klar sieht man, die Sonne fängt an zu scheinen, das Wetter wird schöner. Ich habe auch das Bedürfnis nach frischer Luft. Bei mir ist das Fenster immer gekippt, ich lüfte gut und stelle mich auch gern mal vor das offene Fenster. Das Bedürfnis rauszugehen, habe ich allerdings jetzt direkt nicht. Also ist die Quarantäne für mich nicht quälend.

Helfen Ihnen Menschen aus der Nachbarschaft, Freunde oder Kollegen beim Einkauf?

Ja uns helfen Menschen. Wir haben zum Glück einen ziemlich großen Kreis voller Menschen, die sich immer telefonisch nach uns erkundigen und fragen, ob wir Hilfe brauchen – ob Familie, Freunde oder Nachbarn. Wir schätzen das sehr und wissen, dass wir damit einen großen Luxus genießen können: wir müssen nur jemanden anschreiben oder anrufen und fragen “Könnt ihr uns mal etwas vorbeibringen?” und sie legen es dann unten bei uns im Haus ab. Wir sind somit sehr gut versorgt und auch sehr froh darüber.

Inwiefern können Sie der Diagnose auch etwas Positives abgewinnen? Positiv ist die Erkrankung nicht, aber nachdem sie sie
durchgestanden haben, sind Sie für einige Jahre immun, davon gehen Mediziner aus.

Wenn das so sein sollte, dass man erstmal ein Stück weit immun ist, egal wie lang, ist das natürlich hilfreich. Man kann sich ein Stück entspannt zurücklehnen. Leider ist noch nicht ganz raus, wie lang diese Immunität anhält. Man hat es aber erstmal überstanden und ein paar Abwehrstoffe entwickelt und das beruhigt einen dann auch sehr.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich hoffe, aufwärts – noch mehr aufwärts. Es ist ja schon besser geworden, aber es stagniert im Moment. Manchmal hat man einen Tag wo es wieder abwärts geht und man sich nicht so wohl fühlt. Es ist aber nie wesentlich schlechter geworden. Ich bin noch bis zum 1.4. in Quarantäne. Dann werde ich schauen, wie es mir geht. Falls es bis dahin noch nicht besser geworden sein sollte oder so bleibt wie jetzt, würde ich mich dann gern nochmal telefonisch beim Arzt melden und fragen, was man noch tun kann. Eventuell gibt es dann nochmal einen zweiten Abstrich. Ich hoffe momentan aber, dass es bis zum Ende der Quarantäne besser geworden ist oder ganz weg ist.

Das wünschen wir Ihnen auch. Vielen Dank, dass Sie uns und unseren Lesern mit diesem Interview weitergeholfen haben! Wir wünschen viel Gesundheit.

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