Intimpflege: Gut gemeint kann zuviel sein

Mit zu viel Hygiene und Rasieren sorgen wir im Intimbereich erst für Probleme

Intimpflege: Gut gemeint kann zuviel sein

© iStock/weareadventurers

Gibt man auf Youtube das Suchwort ‚Intimpflege‘ ein, erscheint eine lange Liste an Videos, die ausführlich – und oft auch gut informiert – erklären, wie man die Hygiene „untenrum“ hinbekommt. Junge Leute nehmen solche Auskunftsquellen gern an: Mehr als 730 000 Fans hat allein Youtuberin Nihan, die über dieses für viele heikle Thema ohne jede Scheu spricht. Dass sie dabei spezielle Waschlotionen oder Intimsprays empfiehlt, kann neben allen nützlichen Informationen verunsichern. Braucht man die wirklich, um gepflegt zu sein?

Weniger ist mehr

Frauenärzte aus der Charité in Berlin sehen das kritisch. Auf ihrer Internetseite zur Intimpflege empfehlen sie, sich einfach mit lauwarmem Wasser abzuspülen. Denn intensives Reinigen mit Wasser und Seife oder der Gebrauch von Intimpflegemitteln setzen der empfindlichen Haut der Vagina unnötig zu. Zudem schade übertriebene Hygiene mehr als sie nützt: Es ist belegt, dass Frauen, die sich häufig waschen, eher zu Scheideninfektionen neigen. Wer Sex hatte oder sehr verschwitzt ist, kann sich einmal abduschen. Mehr ist nicht nötig. Denn eine gesunde Vagina hält sich selbst frei von Erregern – durch ihr saures Milieu mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,4 können schädliche Keime, zum Beispiel aus dem Darm, ganz schlecht überleben. Selbst seifenfreie und ganz milde Waschlotionen mit pH 5 aber können diesen Wert ansteigen lassen und die Scheidenflora angreifbar machen für Keime und Hefepilze (Candida albicans). Erst ein zu hoher pH-Wert (also zu wenig Säure) sorgt für ein Müffeln. Das merkt man nach dem Sex: Der manchmal fischige Geruch entsteht, weil auch Sperma den Scheiden-pH-Wert erhöht. Trotzdem sollte normale Seife oder Duschgel nur bis dorthin gelangen, wo auch Schamhaar wächst, denn da sitzen die Schweißdrüsen, um deren Sekrete es bei jeder Reinigung geht. Gleiches gilt für Rasierschaum und Rasiergel.

Riskante Rasur

Sich im Schambereich zu rasieren ist gerade bei jungen Leuten anhaltend beliebt. Doch auch mit dieser Pflegemaßnahme handelt man sich womöglich die Probleme erst ein, das zumindest legt eine Studie der University of California in San Francisco aus dem vergangenen Jahr mit über 7000 Teilnehmern nahe. Sie gibt Hinweise darauf, dass Intimrasuren mit einem deutlich erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten wie HPV, Syphilis oder Chlamydien einhergehen. Und zwar nicht, weil diejenigen, die sich rasieren, mehr Sex haben – diesen Faktor haben die Wissenschaftler herausgerechnet. Möglicherweise erleichtern kleine Hautrisse durch die Rasur eine Infektion, oder ein risikoreicheres Verhalten beim Sex spielt eine Rolle. Man weiß es nicht; die Studie benennt lediglich den Zusammenhang, nicht die Gründe dafür. Es scheint also, als sollten wir im Schambereich besser weniger tun als mehr. Wem das schwer fällt, der kann zumindest auf natürliche Produkte setzen. Olivenöl zum Beispiel ist beliebt zur Rasur, auch Kokosöl pflegt die Haut und wirkt erwiesenermaßen leicht gegen Pilze und Bakterien. Weil es die Haut pflegt und geschmeidig hält, nutzen es viele Paare übrigens auch als Gleitmittel. Und ja, es gibt weitere Maßnahmen, die der Vaginalflora (und damit auch dem Säuregehalt) guttun: sich nach dem Waschen abtrocknen, eventuell sogar vorsichtig zwischen den Beinen föhnen. Unterwäsche aus Baumwolle tragen – sie verhindert, dass sich Wärme und Körperfeuchtigkeit im Schoß stauen. Und: auf Slipeinlagen mit luftdichter Schutzfolie und ganz eng sitzende Hosen besser verzichten.

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