Essen und Trinken unterwegs

Warum das noch ungesünder ist als bisher gedacht – und wie Sie das Beste draus machen

Essen und Trinken unterwegs

© istock.com / izhairguns

Wunsch und Wirklichkeit – auch beim Essen sind beide oft weit voneinander entfernt. Das Croissant morgens im Bus, die schnelle Wurst auf dem Weg zum Termin, die Pizza am Schreibtisch: Das ist allgegenwärtig. „In unserem beschleunigten Arbeitsalltag wird Essen immer mehr in den Zeitplan hineingepresst und passiert nebenbei“, sagt Stefan Baumann von der Hamburger Innovationsberatung Sturm und Drang. Andererseits: Für zwei Drittel der Befragten einer Nestlé-Studie bedeuten „in Ruhe essen können“ und „frische Lebensmittel verwenden“ ein Mehr an Lebensqualität.

Und nicht nur das. Beides bringt auch was für die Gesundheit. Denn wer langsam isst, bleibt länger satt und neigt seltener zu Übergewicht, zeigen Studien der Texas Christian University (USA) und der Osaka University in Japan. Und Frisches enthält mehr wertvolle Nährstoffe. Nur leider: Dass statt der Pommesbude ein Stand mit Salaten den Weg kreuzt, ist eine Seltenheit. Und wenn, würden wir ihn womöglich links liegen lassen. „Beim impulsiven Kauf von Essen entscheidet das limbische System, das für Gefühle zuständig ist“, sagt Konsumpsychologe Baumann. „Und das will etwas Deftiges oder etwas Süßes, auch als Belohnung für die Bewältigung des stressigen Alltags.“

Zu viel Fett und Zucker sind nicht das größte Problem am Nebenbei-Essen

Aber neuerdings sieht es so aus, als seien zu viel Fett und Zucker nicht mal das größte Problem am Nebenbei-Essen. Erst nach und nach zeigt sich, wie ungeheuer wichtig es ist, sich in Ruhe zusammen an den Tisch zu setzen, vor allem als Familie. Gemeinsame Mahlzeiten bewahren Kinder erwiesenermaßen nicht nur vor Übergewicht, sondern scheinen den Nachwuchs grundsätzlich zu stabilisieren: Neben Verhaltensauffälligkeiten beugen sie sogar Drogenkonsum in der Teenie-Zeit vor. Und auch bei Erwachsenen sinkt der Stresslevel, wie verschiedene Studien zeigen.

Aber im Alltag ist es eben nicht immer möglich, sich Zeit für eine schöne Mahlzeit zu nehmen, gerade mittags. Das Beste, was man dann machen kann, ist deswegen: sich gut vorbereiten. Wer regelmäßig Vollkornbrot, leckeren Belag und Obst einkauft, kann für hektische Tage vorsorgen. Ebenfalls gut zum Mitnehmen: Couscous-Salat, Kartoffelsalat mit Essig-Öl- Sauce oder klein geschnittene feste Gemüse wie Möhre und Kohlrabi. Und Nüsse. Mischungen mit getrockneten Früchten liefern viel Energie und wichtige Nährstoffe, ohne den Blutzuckerspiegel hochzujubeln. Wer regelmäßig Nüsse knabbert, ist sogar oft schlanker als Kern-Verächter, zeigen Studien. Einer der Gründe: Nüsse steigern die Wärmeproduktion, und das verbraucht Kalorien.

Besser eine richtige Mahlzeit als viele kleine Snacks

Dabei gilt: Besser nicht immer mal vom Brot abbeißen und es dann wieder weglegen. „Ständige kleine Snacks beschäftigen fortwährend die Verdauung“, so Dr. Imke Reese, Ernährungswissenschaftlerin aus München, „besser ist es, auf eine richtige Mahlzeit zu setzen.“ Am sinnvollsten seien Sattmacher wie Eiweiß, kombiniert mit Gemüse und auch einer gewissen Menge Fett. Damit stehen vor allem Eintöpfe, asiatische Gerichte mit Gemüse, Fleisch oder Fisch und Salate auf dem schnellen Speiseplan. Also mittags besser zum Asiaten, zum türkischen oder vegetarischen Imbiss oder zu einem der angesagten neuen Streetfood-Märkte, die in Großstädten frisch Zubereitetes anbieten. Das ist besser als zur Pommesbude, und auch beim Bäcker ist es oft nicht leicht, etwas Gesundes zu finden. Denn „Körnerbrötchen“ sind häufig nur mit Malz gefärbt, also ähnlich schnell verdaut wie ein Baguette und ebenso nährstoffarm.

Zeit muss sein

Doch nicht nur das „Was“ ist wichtig, so Expertin Reese, sondern auch das „Wie“: „Wer im Gehen oder während der Arbeit isst, kaut wahrscheinlich nicht ausreichend und schluckt eine Menge Luft. Dann ist es kein Wunder, wenn mehr Magen-Darm-Beschwerden auftreten.“ Sie plädiert für zumindest eine kleine Auszeit – sei es auf der Parkbank, am Imbisstresen oder an einer Raststätte. So viel Zeit muss sein.

 

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