Krankheiten der Lunge: Atemlos durch den Tag

Die Lunge ist ein Organ voller Widerstandskraft. Rauchen und Luftverschmutzung aber bringen sie an den Rand ihrer Selbstheilungsfähigkeit.

Krankheiten der Lunge: Atemlos durch den Tag

Krankheiten der Lunge sind mittlerweile weit verbreitet. / ©iStock/Evgeniy Skripnichenko

Durchatmen und die Lunge mit Luft füllen! Luft holen und frische Energie tanken für die nächste Etappe! Sportler kennen den Moment des vollendeten Genusses, wenn sich der Körper nach einer Anstrengungsphase mit unbändiger Vitalität bemerkbar macht. Und auch im Büroalltag entdecken immer mehr Menschen den eigenen Atem als eine nie versiegende Quelle der Konzentration und Kraft. Schon wenige Minuten der Meditation genügen, um Stress und Ärger loszulassen und den Vorgängen im eigenen Inneren hinterher zu spüren: frische Luft, die – vom Zwerchfell angesaugt – die Lungenflügel füllt, den Brustkorb weitet und die Zellen über das Blut mit Sauerstoff versorgt, um Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette für die Energiegewinnung zu verwerten. Eine hochkomplexe Lebensfunktion, die sich das ganze Menschenleben lang etwa 23.000 Mal am Tag abspielt.

„Jeden Tag strömen mehr als 10.000 Liter Luft durch die Atemwege in die Lungenbläschen, deren Anzahl mit fünf bis sieben Milliarden unvorstellbar groß ist“, erklärt der Lungenexperte Dr. Peter Hannemann, Fachbuchautor des Patientenratgebers „Gut leben mit COPD“. Als Chefarzt an der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin am Allgemeinen Krankenhaus in Celle (AKH) weiß er: Viele Menschen lernen das Wunderwerk ihrer Lunge erst dann zu schätzen, wenn es nicht mehr reibungslos funktioniert. Atemnot ist quälend, und sie beeinträchtigt das Funktionieren des Organismus immens.

Für die Lunge ist das moderne Leben mit Nikotin, Umweltgiften und Allergenen ein Stresstest, auf den sie durch die Evolution nicht vorbereitet ist. Dass sie Höchstbelastungen wie tägliches Zigarettenrauchen dennoch manchmal über Jahre ohne massive Funktionsstörungen bewältigen kann, darüber staunt der erfahrene Spezialist bis heute. „Mit jeder Zigarette inhaliert der Raucher 100 Millionen Staubteilchen! Man kann sich ausrechnen, mit welch enormer Schadstoffbelastung der Körper fertig wird, ehe eine Raucherbronchitis entsteht. Aber andererseits gilt: Man kann diese Abwehrmechanismen auch überfordern!“

Chronische Lungenerkrankungen

COPD

Die steigende Zahl der chronischen Lungenerkrankungen spricht Bände über ein Organ am Rande seiner Selbstheilungskraft: COPD (englisch: chronic obstructive pulmonary disease) bezeichnet die bleibende Verengung der Bronchien, im fortgeschrittenen Stadium die dauerhafte Schädigung von Lungengewebe. In der Umgangssprache ist COPD als Raucherlunge bekannt, gerade in Entwicklungsländern aber gilt inzwischen die Luftverschmutzung als ein weiterer wichtiger Auslöser. COPD zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Patienten fällt besonders das Ausatmen schwer, weitere Symptome sind Auswurf und Husten.

Chronische Bronchitis

Diese Krankheit zeichnet laut Weltgesundheitsorganisation „Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens je drei Monaten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren“ aus. Eine chronische Bronchitis wird durch entzündete Bronchien ausgelöst und kann zu einer COPD führen. Auch hier gilt das Rauchen als Hauptursache.

Asthma bronchiale

Der Name dieser Krankheit leitet sich vom altgriechischen Wort für „Atemnot“ ab und bezeichnet eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege. Die Verengung der Atemwege löst Krampfanfälle und Erstickungsgefühle aus. Neben dem Rauchen sind Allergien der Hauptauslöser für Asthma. Allergien und Asthma sind mittlerweile in Deutschland die häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

Wie entstehen Gefahren für die Lunge?

„Gesundheitsgefahren entstehen nicht nur durch eine Überforderung unserer Abwehrmechanismen, sondern auch durch eine Unterforderung“, erklärt Lungenspezialist Hannemann. Weil Krankheiten der Vergangenheit wie Wurminfektionen und virale Infekte heute kaum noch vorkommen, sucht sich das unterforderte Immunsystem neue Aufgabenfelder. „Es bildet plötzlich Antikörper gegen harmlose Fremdeiweiße wie Pollen- und Hausstaubmilbenallergene und verursacht allergische Reaktionen.“

Wer unter einer Verengung der Atemwege leidet, sollte sich dringend medikamentös behandeln lassen, rät Hannemann, anderenfalls drohe eine Belastung des Herzens. „Uns stehen heute hervorragende Medikamente zur Verfügung, die bei guter Verträglichkeit die Atemwege erweitern. Bei guter Einstellung sollten Asthmatiker unter Therapie völlig beschwerdefrei und Patienten mit COPD so gut wie irgend möglich belastbar sein.“ Wer gesund ist, kann umso mehr tun, um sich seine Fähigkeit zum Atemschöpfen zu erhalten: „Gesunde Ernährung, körperliche Aktivität, jährliche Impfung gegen Grippe und die Impfung gegen Pneumokokken, die wichtigsten Lungenentzündungserreger.“
Schließlich wusste schon der japanische Zen-Meister Shunryu Suzuki: „Was wir ICH nennen, ist nichts als eine Drehtüre, die sich bewegt, wenn wir ein- und ausatmen.“

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