Demenz: Leben in vertrauter Umgebung

In Deutschland leben zwei von drei Menschen mit Demenz daheim. Worauf es für sie beim Einrichten ankommt

Demenz: Leben in vertrauter Umgebung

Linien

Freie Blickachsen sind das A und O, um wichtige Wege überschauen zu können, etwa den vom Bett zum Bad oder von der Küche zum Essplatz. Dafür darf man auch die Türen aushängen. Bewährt hat sich das Leitplankenprinzip (1, 2). Horizontale Linien an den Wänden und am Boden helfen, sich bei Aktionen wie rechtzeitig zur Toilette kommen nicht ablenken zu lassen. Altersmediziner der Uni Halle haben das hier beschriebene Wohnkonzept mit Pflegewissenschaftlern und Innenarchitekten entwickelt und getestet.

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Licht

Helles Licht sorgt für Sicherheit, darf aber nicht blenden. Ideal ist eine indirekte Beleuchtung (3), die den ganzen Raum erfasst; Deckenstrahler oder Tischleuchten sind ungünstig. Denn außerhalb des Lichtkegels wirkt alles dunkel, man wirft beim Aufstehen einen Schatten an die Wand, das kann Panik auslösen. Der Weg ins Bad wird leichter, wenn LED-Leuchten, auf die Fußleisten geklebt, die Richtung weisen. Eine günstige Alternative sind fluoreszierende Sticker, mit denen man auch die Lichtschalter markieren kann.

Sich sicher bewegen

Lose Teppiche, Läufer und Schwellenleisten bergen Verletzungsgefahr und sollten weg, genau wie klobige Möbelstücke und Tische mit scharfen Kanten. Manchmal ist es sogar ratsam, dunkle Fußmatten oder Teppiche durch helle zu ersetzen (4). Denn es kommt vor, dass betagte Menschen einen schwarzen Fußabtreter für ein Loch halten und sich nicht mehr hinübertrauen. Eine Gardine vor der Wohnungstür kann helfen zu verhindern, dass der Bewohner die Wohnung orientierungslos verlässt.

Sich wohlfühlen

Eine demenzsensible Umgestaltung der Wohnräume sollte behutsam vor sich gehen. Wenn das Herz daran hängt, kann der klobige Couchtisch noch stehen bleiben. Sich an früher zu erinnern ist wichtig und sollte immer wieder angeregt werden. Etwa mit einer Kreativ-Ecke mit Fotoalben, Postkarten, Papier, Stiften und Spielkarten (5). Flache Kunststoffwannen, gefüllt mit Flusskieseln, Sand und Stroh, ergeben einen „Pfad der Sinne“ (6). Barfuß darüber zu laufen weckt Erinnerungen an die Kindheit, und das macht glücklich.

Farben

Mit farbigen Wänden lassen sich unterschiedliche Wohnbereiche markieren. Sonnengelb und Orange wirken anregend, grüne oder rosa Abtönungen beruhigen. Große Muster auf Tapeten oder Teppichen irritieren leicht und lösen manchmal Halluzinationen aus, sagen Altersmediziner und raten daher zu einer unifarbenen Deko. Der Lieblingssessel am Fenster (7) verbindet mit der Welt: Man bekommt die Nachbarn mit, aber auch das Wetter und den Wechsel der Jahreszeiten. Das hält Erinnerungen und Gewohnheiten wach.

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