Liebesleben: So schützen Sie sich vor Infektionen

Nicht nur AIDS: Was Sie über sexuell übertragbare Krankheiten wissen sollten

Liebesleben: So schützen Sie sich vor Infektionen

© iStock/proud_natalia

An sexuell übertragbare Infektionen (STI) hat Woody Allen bei seinem Film „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ sicher nicht gedacht. Trotzdem sollten Männer und Frauen gut über Krankheiten informiert sein, zu denen ungeschützter Sex führen kann.

Sexuell übertragbare Infektionen (Sexually transmitted infections – STI) sind jene Krankheiten, die sich hauptsächlich durch sexuelle Kontakte übertragen. Zu den häufigsten STI, die durch Bakterien ausgelöst werden, gehören Chlamydien oder Gonorrhö. Zu den viralen STI zählen HIV, Herpes oder Humane Papillomaviren (HPV). Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bündelt Maßnahmen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen jetzt unter der Informationskampagne „Liebesleben. Es ist deins. Schütze es.“. Das Portal www.liebesleben.de informiert umfangreich über den Schutz vor STI, aber auch zum Beispiel über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität.

Wir haben die wichtigsten Informationen über sexuell übertragbare Infektionen zusammengetragen. Für alle sexuell übertragbaren Krankheiten gilt: Der Partner oder die Partnerin sollte informiert werden.

Chlamydien

Eine Infektion mit Chlamydien wird durch Bakterien verursacht und kann sowohl Männer als auch Frauen treffen. Die Übertragung erfolgt über über infizierte Schleimhäute oder aber bei der gemeinsamen Verwendung von Sexspielzeug. Ein verwendetes Kondom kann das Risiko deutlich senken.

Da eine Ansteckung zunächst so gut wie keine Beschwerden verursacht, verläuft die Infektion häufig unbemerkt. Bei einem ungewöhnlichen Ausfluss sowie bei Zwischenblutungen, Brennen, Schmerzen oder Juckreiz im Genitalbereich sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Das medizinische Fachpersonal wird eine Diagnose durch einen Abstrich oder eine Urinuntersuchung feststellen. Chlamydien lassen sich gut behandeln, etwa mit Antibiotika.

Screening: Insbesondere bei Frauen kann eine unerkannte Chlamydieninfektion Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Deshalb können junge Frauen bis 24 Jahre einmal im Jahr eine kostenlose Urinuntersuchung auf Chlamydien durchführen lassen.

Filzläuse

Filzläuse sind winzige Insekten, die sich vor allem in der Schambehaarung im Intimbereich, aber auch in der Brust- und Achselbehaarung einnisten. Geformt wie eine Krabbe, halten sie sich, ähnlich wie Kopfläuse, an den Haaren fest, legen Eier ab und saugen Blut. Filzläuse werden zumeist beim Sex übertragen, genauso ist eine Ansteckung durch gemeinsam benutzte Bettwäsche möglich. Vorbeugen lässt sich Filzläusen durch eine Rasur des Intimbereichs. Sie können sich dann schlechter einnisten.

Zu den möglichen Anzeichen eines Befalls gehören Juckreiz, Rötungen und Entzündungen der Haut, bräunliche »Rostflecken« in der Unterhose, die von den Ausscheidungen der Läuse herrühren sowie kleine blaue Flecken rund um eine Bissstelle. Zur Behandlung werden Shampoos oder Cremes verwendet, die für mehrere Stunden einwirken müssen. Benutzte Kleidung sollte bei mindestens 60 Grad gewaschen und enger Körperkontakt mit anderen Menschen vermieden werden.

Gonorrhö

Gonorrhö ist auch unter dem Namen Tripper bekannt und wird durch Bakterien hervorgerufen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge stellt Gonorrhö heute mit weltweit ungefähr 106 Millionen Erkrankungsfällen pro Jahr eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen dar. In Europa sind insbesondere Männer betroffen, die Männer lieben. Übertragen wird die Infektion über infizierte Schleimhäute.

Bei Frauen löst die Gonorrhö wenn überhaupt nur leichte Beschwerden aus, anders bei Männern, die oftmals unter Schmerzen leiden. Egal jedoch ob Mann oder Frau: Wer einen ungewöhnlichen Ausfluss bemerkt, Zwischenblutungen, Brennen, Juckreiz und Schmerzen im Genitalbereich oder im Hals nach Oralsex ohne Erkältungssymptome, sollte einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Denn unbehandelt kann eine Gonorrhöinfektion Entzündungen auslösen, die mit der Zeit sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen.

Außerdem steigt mit einer Gonorrhö das Risiko, sich bei bei ungeschütztem Sex mit HIV anzustecken. Einen vollständigen Schutz vor einer Gonorrhöinfektion gibt es nicht. Doch auch hier senkt Safer Sex mit Kondomen das Ansteckungsrisiko. Behandelt wird Gonorrhö in aller Regel mit Antibiotika, die die Erreger abtöten.

Hepatitis

Weltweit leiden viele Millionen Menschen an Hepatitis B oder Hepatitis C. Mehr über die verschiedenen Formen von Hepatitis und Schutz vor Ansteckung erfahren Sie in unserem Artikel „Von A bis E: So schützen Sie sich vor Hepatitis“.

Herpes

Es gibt zwei verschiedene Herpes simplex-Arten: Lippenherpes und Genitalherpes, wobei ein Lippenherpes auf die Genitalien überspringen kann und umgekehrt. Ein akuter Schub zeichnet sich durch schmerzhafte Bläschen an der betroffenen Stelle aus, und insbesondere in diesem Moment können die Herpesviren per Kontakt- oder Schmierinfektion übertragen werden. Die Herpes-Bläschen verkrusten nach einigen Tagen und heilen in der Regel in zwei bis drei Wochen von alleine ab. Die Viren aber verbleiben das ganze Leben lang im Körper und können erneut die Bildung von Bläschen auslösen, etwa bei Stress oder wenn das Abwehrsystem geschwächt ist. Spezielle Salben und andere virushemmende Mittel beschleunigen möglicherweise das Abheilen der Bläschen und mildern Schmerzen.

HIV

Das Human Immunodeficiency Virus (HIV) wird durch infektiöse Körperflüssigkeiten übertragen und schädigt die Abwehrkräfte des Körpers, die vor Krankheitserregern schützen sollen. Im Gegensatz zu anderen Krankheitserregern ist HIV schwer übertragbar. Eine Ansteckung erfolgt nicht in alltäglichen Situationen: Umarmen, Streicheln, Küssen ist mit Betroffenen also möglich, und von erkälteten, hustenden oder niesenden Menschen geht in Bezug auf eine HIV-Übertragung keinerlei Gefahr aus. Der sicherste Schutz vor einer Infektion mit HIV ist die Verwendung von Kondomen oder Dental Dams, das sind sogenannte Lecktücher für den Oralverkehr.

Bei einigen HIV-infizierten Menschen kommt es einige Tage bis wenige Wochen nach der Ansteckung zu Fieber, grippeähnlichen Symptomen, Ausschlag, Durchfall und Lymphknotenschwellungen. Natürlich können diese Anzeichen auch auf andere Erkrankungen hindeuten. Erst wenn das Immunsystem stark durch die Viren geschädigt ist und Erreger nicht mehr abgewehrt werden können, treten weitere Krankheiten auf und nehmen einen unangemessen schweren Verlauf. Diesen Zustand nennt man AIDS.

HIV lässt sich durch den HIV-Test, eine Blutuntersuchung feststellen. Auch wenn HIV als unheilbar gilt, sind die verfügbaren behandelnden Medikamente inzwischen so wirksam, dass Medizinerinnen und Mediziner bei HIV inzwischen von einer chronischen Erkrankung sprechen. Die antiretrovirale Therapie (ART) unterdrückt die Vermehrung des HI-Virus im Körper wirkungsvoll und senkt die Zahl infizierter Zellen. Nach einiger Zeit ist HIV im Blut mitunter sogar nicht mehr nachweisbar. Die Lebenserwartung der Betroffenen ist, sofern die Medikamente regelmäßig eingenommen werden, unverändert und damit nicht niedriger als bei gesunden Menschen.

Betroffene können sich an die Aidsberatung wenden.

HPV und Feigwarzen

Es gibt verschiedene Arten Humaner Papillomviren (HPV). Einige von ihnen sind für die Bildung gutartiger Feigwarzen an den Genitalien verantwortlich, andere tragen im Laufe des Lebens zur Entstehung von Krebsvorstufen bei, die unter anderem zu Gebärmutterhalskrebs führen können. HPV kann beim Sex sehr leicht übertragen werden, denn bereits kleine Mengen virushaltiger Körperflüssigkeiten oder kleiner Hautschüppchen reichen für eine Weitergabe über verletzte Schleimhäute aus.

Feigwarzen, also stecknadelkopfgroße Knötchen (Papeln), sind harmlos, aber sehr ansteckend. Nicht behandelt können sie sich weiter ausbreiten und zu größeren Gebilden anwachsen. Außerdem steigt mit einer HPV-Infektion das Risiko, sich bei ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV anzustecken. Eine Ansteckung ist auch durch die Berührung von Feigwarzen sowie durch engen Körperkontakt möglich.

Feigwarzen werden in aller Regel durch Blickdiagnose festgestellt, zur Behandlung reicht es dann zumeist aus, die Warzen mehrere Wochen lang mit bestimmten Lösungen, Zäpfchen oder Cremes zu behandeln. Genauso sind Vereisen, Lasern oder Operationen möglich. Die Infektion lässt sich durch einen HPV-Test nachweisen, der Test zeigt allerdings nur die Viren an. Ob die Infektion von alleine ausheilt oder nicht, wird damit nicht erfasst.

Krebsvorstufen werden durch einen Abstrich der betroffenen Schleimhaut nachgewiesen. Sie lassen sich oftmals entfernen, bevor Krebs entsteht, und zwar durch Lasern oder einen operativen Eingriff. Es empfiehlt sich für Frauen, einmal im Jahr zur Krebsfrüherkennung zu gehen und per Abstrich kontrollieren zu lassen, ob alles in Ordnung ist. Für Frauen ab 20 Jahren ist diese Untersuchung kostenlos.

Impfung: Zum Schutz gegen einige der mehr als 100 existierenden HPV-Virusarten ist eine Impfung möglich. Mädchen und junge Frauen bis einschließlich 17 Jahren müssen diese HPV-Impfung nicht bezahlen. Das empfohlene Impfalter liegt zwischen 9 und 14 Jahren und sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr stattfinden. Geimpft wird in zwei Dosen mit einem Abstand von fünf Monaten zwischen erster und zweiter Impfung.

Krätze

Die Krätze, auch Skabies genannt, wird durch sogenannten Krätzmilben und damit durch Parasiten hervorgerufen. Das sind winzige Spinnentiere, die in den oberen Hautschichten von Menschen leben, dort Gänge bohren und ihre Eier ablegen. Zu den Anzeichen eines Befalls gehören starker Juckreiz in der Nacht, aufgekratzte Hautstellen, graue, schuppige Hautentzündungen sowie juckende Knötchen oder Pusteln.

Am liebsten besiedeln Krätzmilben dünne Hautstellen an warmen Körperregionen wie Fingerzwischenräume, die Innenseiten der Handgelenke, die Umgebung von Brustwarzen, Ellenbogen und Knien sowie der Leisten- und Intimbereich. Krätzmilben verbreiten sich über die Haut, wobei der Kontakt zu einem Betroffenen zwischen fünf und zehn Minuten betragen muss, Händeschütteln, Begrüßungsküsse sowie Untersuchungen der Haut durch medizinisches Fachpersonal gehören nicht zu den klassischen Übertragungssituationen.

Durch aufgekratzte Hautstellen steigt überdies das Risiko, sich mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Außerdem ist eine Infektion durch gemeinsam benutzte Bettwäsche, Handtücher oder Kleidung theoretisch möglich, letztlich wegen der abnehmenden Infektiösität außerhalb der Haut aber nicht sehr wahrscheinlich.

Durch sorgfältige Hygiene und regelmäßiges Wechseln der Wäsche kann man das Risiko einer Ansteckung senken. Diese Maßnahmen können einen Befall mit der Krätzmilbe jedoch nicht immer verhindern. Die Behandlung erfolgt beispielsweise durch Lotionen oder Cremes, die das Insektizid Permethrin enthalten. Dadurch werden die Milben abgetötet.

Trichomonaden

Die Trichomonadeninfektion, auch Trichomoniasis genannt, wird durch einzellige Parasiten ausgelöst. Sie kommt sowohl bei Frauen als auch bei Männern weltweit vor und wird durch Kontakt- oder Schmierinfektionen übertragen. Oftmals bleibt eine Infektion unbemerkt. Da sie langfristig bei Frauen und Männern zu Unfruchtbarkeit führen kann, sollte bei ungewöhnlichem Ausfluss sowie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen im Genitalbereich eine Ärztin oder ein Arzt konsultiert werden. Er oder sie werden durch einen Abstrich der betroffenen Schleimhaut eine Diagnose stellen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Eine Behandlung erfolgt über Tabletten oder Scheidenzäpfchen.

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