Pinocchio beim Arzt: Lügen haben kurze Beine

Ein Großteil der Patienten flunkert den eigenen Arzt an. Doch das Lügen kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Pinocchio beim Arzt: Lügen haben kurze Beine

Oft entstehen Lügen beim Arzttermin ganz schnell: Rauchen? Alkohol? „Ich doch nicht! Oder nur ganz ganz wenig: vielleicht einmal im Monat.“ Solche Aussagen hören Ärztinnen und Ärzte häufig, wenn sie ihre Patienten nach ihren Gewohnheiten befragen, die in Zusammenhang mit ihrer Gesundheit stehen können. Im Gespräch beschönigen viele Patienten ihren Konsum von Genussmitteln oder Obst und Gemüse.

60 bis 80 Prozent der Patienten flunkern

Andrea Gurmankin Levy von der University of Saint Joseph in Connecticut und Kollegen haben Angaben von ungefähr 45000 erwachsenen Patientinnen und Patienten analysiert und ihre Ergebnisse in dem Fachmagazin Jama veröffentlicht.
Sie kamen zu dem Schluss, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Patienten ihren Arzt gelegentlich anflunkern. Sie schummeln, wenn es um ihre Ernährungswohnheiten geht, geben an, mehr Sport zu treiben, als dies tatsächlich der Fall ist oder verschweigen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – denn das ist unter Medizinern bekanntlich nicht gerne gesehen.

Warum lügen Patienten?

„Die meisten Patienten wollen, dass ihr Arzt eine hohe Meinung von ihnen hat“, sagt Angela Fagerlin von der University of Utah, die an der Studie beteiligt war. „Sie möchten nicht als jemand gelten, der sich zu wenig um sich kümmert.“ Nach weiteren Gründen gefragt, warum sie ihren Arzt anlügen, lauten die häufigsten Antworten der Patienten, dass sie weder bewertet noch belehrt werden wollen und nicht hören möchten, wie sehr sie sich mit ihrem Verhalten schädigen. Vom Arzt geschätzt und nicht beschämt zu werden, sind weitere Motive für die Ausflüchte.

Unehrlichkeit beim Arzt ist schlecht für die Gesundheit

Das Problem: Die Ärzte können unehrlichen Patienten keinen wirklich fundierten Rat erteilen. „Wenn Patienten Informationen darüber zurückhalten, was sie essen oder nicht genau in der Aussage sind, ob sie Medikamente regelmäßig einnehmen, kann dies erhebliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben. Vor allem dann, wenn sie unter einer chronischen Krankheit leiden“, betont Andrea Gurmankin-Levy.
Die Forscher möchten die Studie nun fortsetzen und auf diesem Weg nach Lösungen fahnden. So wollen sie in Einzelinterviews beispielsweise herausfinden, ob Patienten ungehemmter sind, wenn sie mit Ärzten sprechen, die sie bereits seit Jahren kennen.

Die Ärzte müssen für mehr Vertrauen sorgen

Außerdem gäbe es, so Angela Fagerlin, Hinweise darauf, dass auch die Ärzte eine Mitschuld an der Situation tragen. „Die Art und Weise, wie die Mediziner in bestimmten Situationen kommunizieren, kann kann dazu führen, dass sich die Patienten zögern, sich zu öffnen“, sagt sie und fährt mit einer Frage fort. „Gibt es also eine Möglichkeit, Ärzte so zu schulen, dass sich die Patienten bei ihnen wohler fühlen?“ Das gilt es nun herauszufinden.

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