Medikamenteneinnahme: „Nehm‘ ich, nehm‘ ich nicht…“

Wenn wir als Patienten die Entscheidungen über unsere Medikamenteneinnahme selbst in die Hand nehmen, sprechen Mediziner von der sogenanten Nicht-Adhärenz oder mangelnden Therapietreue. Das kann bei chronischen Krankheiten schnell zum Risiko werden.

Medikamenteneinnahme: „Nehm‘ ich, nehm‘ ich nicht…“

Unregelmäßige Medikamenteneinnahme ist besonders bei chronisch Kranken gefährlich. / ©iStock undefined undefined

Unregelmäßige Medikamenteneinnahme kann insbesondere bei chronisch Kranken durchaus riskant sein. Behandlungen von Diabetes, Asthma oder auch Bluthochdruck bleiben so häufig hinter den Möglichkeiten der Medizin zurück. Wir klären Sie über die wichtigsten Gründe für die Nichteinnahme auf und zeigen Ihnen, wodurch es leichter fällt, die Medikamente wie verordnet einzunehmen.

Mögliche Gründe für unregelmäßige Medikamenteneinnahme

„Nicht daran gedacht“

Ein zentraler Grund ist schlicht Vergesslichkeit oder auch Gemütlichkeit. Die Einnahme wird verschoben, „weil es gerade nicht so gut passt“ und geht dann irgendwie zwischen all den Aufgaben und Ablenkungen des Alltags unter.

„Heute geht es mir ja gut“

Ein weiterer häufiger Grund für die Nichteinhaltung der Einnahmeempfehlung ist, dass die Medikamenteneinnahme zum Beispiel als unnötig oder gar schädlich empfunden wird (Nebenwirkungen). Diese Entscheidung wird häufig getroffen, wenn man sich gerade gut fühlt, keine Symptome der Krankheit spürt und damit auch keinen Leidensdruck erfährt. Allerdings kann zum Beispiel Bluthochdruck dem Organismus Schaden zufügen, schon bevor sich stärkere Anzeichen bemerkbar machen. Ähnliches gilt auch für Sie, wenn Sie Diabetiker sind. Hier kann eine fehlerhafte Medikation schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation führen.

So klappt es wieder regelmäßig

Der Erinnerung auf die Sprünge helfen

Der sprichwörtliche Knoten im Taschentuch ist wohl aus der Mode gekommen, aber manchmal hilft schon ein Zettel am Badezimmerspiegel. Die moderne Version dieses Zettels sind Handy-Apps. Je nach Erkrankung gibt es verschiedene Anbieter, die vom Medikamentenwecker bis zum Therapietagebuch allerlei Funktionen bieten. Der nächste Schritt in der technischen Entwicklung sind Erinnerungsfunktionen, die direkt mit den Medikamenten verbunden sind. Die sogenannten Ingestibles sind Sensoren oder andere Nanotechnologie, die zusammen mit dem Medikament geschluckt werden und dann Informationen zum Telefon oder zum behandelnden Arzt schicken. Hier werden einige Versuche unternommen, die Nutzung im Alltag ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Die richtige Therapieform wählen

Es gibt für zahlreiche Wirkstoffe unterschiedliche Darreichungsformen. Wenn Sie erkennen, dass Ihnen die regelmäßige Einnahme Ihrer Medikamente schwerfällt, kann eine andere Darreichungsform mit einem anderen Einnahmerhythmus eine Lösung sein. Passt es besser, wenn die Medikamente nur einmal am Tag genommen werden? Sollten es lieber Tropfen als Tabletten sein? Oder gibt es vielleicht neue andere Darreichungsformen, die einfach und unterwegs eingenommen werden können? Sprechen Sie Ihren Arzt oder Apotheker darauf an – eine regelmäßige Einnahme ist wichtig.

Information ist das A und O

Verstehen Sie sich als Patient als Teil des Therapieteams und arbeiten Sie aktiv an der Einhaltung Ihrer Therapieziele mit. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt erklären, welche langfristigen Vorteile eine regelmäßige Therapie für Sie hat. Bringen Sie Ihre Zweifel, Fragen und Ängste deutlich zum Ausdruck und scheuen Sie sich nicht, Fragen mehrmals anzusprechen. Führen Sie gegebenenfalls ein Therapietagebuch und notieren Sie sich die wichtigsten Punkte aus dem Gespräch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet sehr bewusst das Vertrauen zwischen Arzt und Patient als zentrales Element des Therapieerfolgs. Fordern Sie dies gegebenenfalls auch aktiv bei Ihrem Arzt ein!

Schulungen und Coachings für mehr Verständnis

Krankenkassen bieten inzwischen Coachings für unterschiedliche chronische Erkrankungen an, da man erkannt hat, dass das fehlende Wissen über die eigene Krankheit und deren mögliche Folgen sehr häufig für den Therapieabbruch verantwortlich sind. Fragen Sie auch bei Ihrer Krankenkasse nach entsprechenden Angeboten in Ihrer Nähe.

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