Grünes Licht, Vitamine, Antikörper: Was bei Migräne helfen könnte

Auf verschiedenen Kongressen stellten Forscher Neues aus der Migräne-Forschung vor. Die spannendsten Ergebnisse

Grünes Licht, Vitamine, Antikörper: Was bei Migräne helfen könnte

© iStock/eurobanks

Nichts geht mehr, außer Liegen, Ruhe und Dunkelheit: 10 bis 15 Prozent der Menschen in Deutschland, dreimal mehr Frauen als Männer, leiden unter Migräne – häufig trotz spezieller Medikamente. Die Anfälle von vorne herein zu verhindern, oder zumindest ihre Häufigkeit und Dauer zu reduzieren, liegt im Fokus verschiedener Forscherteams. Sie stellten Ihre Ergebnisse kürzlich auf Kongressen vor, etwa in Kanada, Amerika und Dänemark.

Grünes Licht hilft

Rund 80 Prozent der Migränepatienten reagieren vor und während einer Attacke empfindlich auf Licht. Dabei scheint die Lichtfarbe eine wichtige Rolle zu spielen:

Grün wirkt als gedämpftes Licht sogar schmerzlindernd, fand ein israelisch-amerikanisches Wissenschaftlerteam heraus.

In ihrer Studie mit 69 Patienten zeigte sich, dass helles Licht mit weißer, roter, blauer oder orange-gelber Farbe die Schmerzen um bis zu 19 Prozent verstärkt. Diese Erkenntnis basierte nicht nur auf den Berichten der Patienten, sondern auch auf Messungen der Augen- und Hirnaktivität (mittels ERG und EEG).

Gedämpftes grünes Licht hingegen senkte das Hämmern im Kopf sogar um bis zu 15 Prozent. Jetzt sind die Forscher dabei, spezielle Lampen und „Sonnenbrillen“, die nur grünes Licht hindurch lassen, zu entwickeln.

Vitamine könnten eine Rolle spielen

Immer wieder beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Frage, ob ein Mangel an bestimmten Vitaminen eine Rolle bei der Entstehung der heftigen Kopfschmerzen spielt. Es gibt Studien, die dagegen sprechen, andere wiederum sprechen dafür, aktuell etwa die von Dr. Suzanne Hagler und ihrem Team vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center.

Sie stellten in ihrer Untersuchung fest, dass Mädchen und junge Frauen mit Migräne besonders häufig Coenzym Q 10 Defizite aufweisen, Jungen und jungen Männern scheint es eher an Vitamin D zu fehlen. Und Patienten mit chronischer Migräne waren oft nicht so gut mit Riboflavin und Coenzym Q 10 versorgt.

Warum der Nachweis, dass Vitamin-Supplemente bei Migräne helfen könnten, so schwierig Ist: Die wenigsten Patienten nehmen nur die Vitamine ein – sondern natürlich auch Schmerzmedikamente. Deshalb lässt sich schwer herausfinden, ob nun das Schmerzmittel oder die Vitamingabe langfristig hilft.

Auch wenn die Studienlage nicht ganz eindeutig ist, scheinen die Vitamine D, B2 (Rioboflavin) und Folat, dazu die vitamin-ähnliche Substanz Coenzym Q 10 in der Migräneentstehung eine Rolle zu spielen. Vor allem, wenn ein Defizit an ihnen besteht, könnte es sich lohnen, dieses aufzufüllen.

Antikörper zur Vorbeugung

Hier herrscht derzeit große Aufregung bei den Wissenschaftlern, die sich mit der Entwicklung so genannter CGRP-Antagonisten beschäftigen, wurde auf dem Kongress der EAN (European Academy of Neurology) in Kopenhagen berichtet. Die speziellen Antikörper sollen einen der Migräneauslöser, das „Calcitonine Gene-Related-Peptide“ (CGRP) ausschalten.

Derzeit werden die CGRP-Antagonisten (werden alle zwei bis vier Wochen unter die Haut gespritzt)  in klinischen Studien untersucht, die Ergebnisse zeigen: Sie wirken bei 50 bis 70 Prozent der Patienten, reduzieren die Zahl der Kopfschmerztage um bis 50 Prozent, und haben bisher nahezu keine Nebenwirkungen.

Das sind deutliche Verbesserungen zur bisherigen Migräne-Prophylaxe: Sie wird bisher kaum angewandt, wenn, dann meist bei Menschen mit häufigen und schweren Attacken. Denn: Die Mittel (etwa Propanolol oder Topiramat) helfen nicht sicher, bis sie wirken, dauert es, starke Nebenwirkungen (Übelkeit, Schläfrigkeit oder Gewichtszunahme) bewegen viele Patienten zur Aufgabe.

Allerdings: Abschließende Phase-III-Studien mit den neuen CGRP Antagonisten stehen noch aus, daher wird es noch bis zu zwei Jahre dauern, bis die Medikamente zugelassen werden.

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