Re-Train your Brain: Motivationscoach Leyla Liebrecht

Körper und Seele hängen eng zusammen. Mindset-Coach Leyla Liebrecht verrät im Interview wie sie Frauen hilft, glücklicher und gesünder zu werden.

Re-Train your Brain: Motivationscoach Leyla Liebrecht

So gesund: Sie arbeiten als Mindset-Trainerin. Worum geht es dabei?

Leyla Liebrecht: Ich kenne so viele Frauen in der Mitte ihres Lebens, die unsicher sind. Die Lust auf eine Veränderung haben, aber nicht wissen, wie sie ihre Idee angehen sollen. Häufig fehlen ihnen die Geldmittel, das ist das eine. Es mangelt ihnen aber oftmals auch am Selbstbewusstsein. Hier versuche ich als Mindset-Trainerin die Einstellung zum eigenen Selbstbewusstsein zu stärken und negative Bilder durch positive Bilder zu ersetzen. Das ist natürlich dem psychischen Wohlbefinden und damit auch der Gesundheit zuträglich.

Wie funktioniert das?
Viele kennen es: Du machst irgendetwas falsch und sagst dir: Ich bin so blöd, warum hab ich das jetzt schon wieder so gemacht?! Das habe ich zumindest auch bei mir selbst erlebt. Wenn dieser innere Monolog nur negativ ist und einen herunterputzt, macht diese negative Stimme alles kaputt. Sie blockiert. Ich versuche den Frauen das Handwerkszeug zu geben, den eigenen inneren Monolog positiv zu führen. Das heißt, wenn ich Frauen coache, arbeite ich als erstes daran, die innere Haltung zu sich selbst zu stärken, die Denkweise – Mindset im Englischen. Und im zweiten Schritt geht es um den Erfolg im Außen.

Wie läuft das konkret ab?
Ein Coaching umfasst etwa fünf bis sechs Sitzungen, und ich treffe viele Klientinnen online per Skype. Einfach deshalb, weil sie aus ganz Deutschland kommen. Während des Trainings geht es mir nicht darum, in die Vergangenheit einzutauchen. Ich bin keine Psychotherapeutin, das ist nicht mein Beruf. Ich schaue mir das Heute an und versuche mit der Person die großen Lebensziele heraus zu arbeiten. Dafür stelle ich Fragen. Zum Beispiel: Wo möchtest du sein, wenn du 85 bist? Wenn du dein Leben von hinten aufzäumst, wird die Gegenwart klarer.

Löst es nicht Ängste aus, sich selbst im Alter zu sehen?
Nein, das ist eigentlich eher befreiend. Das Bild gibt einen Push. Als Unternehmerin habe ich gelernt, dass man sich Ziele setzen muss. Sonst frisst der Alltagstrott einen auf.

Wie lassen sich die eigene Vision mit der Alltagsmühle kombinieren?
Das ist natürlich schwierig – insbesondere für Frauen mit Familien. Die meisten Frauen befinden sich in der Pflichterfüllung und nehmen sich keine Zeit für sich selbst. Dabei wäre es ein erster Schritt, nur eine halbe Stunde in der Woche – nicht am Tag! – zu reflektieren, wie es ihnen geht. Mit einer Klientin, der es nicht gut ging, habe ich mir beispielsweise angeschaut, was ihr gut tut. Und dann fiel uns auf, dass sie nichts davon im Alltag umsetzt! Nichts! Wenn man sich einmal klar macht, löst das wirklich einen Aha-Effekt aus. Dann geht es darum, das zu ändern. Wenn man in einer Partnerschaft lebt, muss der Partner mit eingebunden werden.

Es gibt den Begriff des Mental Loads, übersetzt geistige Last. Er besagt, dass es auch Ballast ist, alles im Kopf zu haben und zu delegieren. Und das ist es ja, was viele Frauen machen.
Genau. Ich bin in Teheran geboren und habe, auch wenn ich mich als Deutsche fühle, immer den Vergleich zum Iran im Kopf. Da ist offensichtlich, dass die Frauen weniger Rechte haben. Aber sobald ein Kind mit ins Spiel kommt, haben auch in Deutschland die Frauen weniger Rechte. Es ist wirklich schwer, das Gleichgewicht in der Partnerschaft zu halten, sobald Kinder da sind. Da muss man viel kämpfen.

Wie gelingt es Ihnen?
Die ersten fünf Jahre ist es mir nicht gelungen. Ich habe fünf Boutiquen mit 25 Angestellten geführt, habe meine Tochter von der Kita geholt und den Haushalt geschmissen. Ich war für alles verantwortlich, auch im Sinne des Mental Load. Irgendwann wurde mir bewusst, dass es so nicht weiter geht. Ich habe meinen Mann ins Boot geholt. Bequem war es nicht. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Ich musste wirklich lernen, loszulassen. Denn mein Mann hat es nicht so gemacht wie ich – und aus meiner Sicht habe ich es natürlich besser gemacht (lacht).

Klar!
Ich musste also lernen, anzunehmen, dass er es macht, wie er es macht. Damit ich Zeit habe, zum Sport zu gehen. Eine Freundin zu treffen. Oder einfach etwas zu lesen. Das war ein Prozess. Aber wenn man nicht loslässt, zerbricht man an dem Druck und ist unglücklich. Und dieses Unglück gibt man rasch weiter an sein Umfeld, den Mann, das Kind. Diese Alternative ist nicht wirklich attraktiv.

Inwiefern verändert sich das Leben Ihrer Klientinnen durch Ihr Mindset-Coaching?
Eine Klientin hat sich selbstständig gemacht. Die andere wollte sich aus einer zermürbenden Beziehung befreien und ihren Arbeitsplatz verlassen, an dem sie sich seit neun Jahren nicht wohl gefühlt hat. Ich konnte sie dabei begleiten, diese Schritte zu gehen. Und, ganz süß: Ich habe selbst gestrickte Strümpfe bekommen von einer Frau, die mir über Instagram gefolgt hat.

Die Strümpfe waren ein Dankeschön für mich, weil ihr meine Instagramseite geholfen hat – was ich aktiv gar nicht mitbekommen habe.

Welche Tipps haben Sie für Frauen, die sich selbstständig machen wollen und sich gesundheitlich nicht völlig zerreiben wollen gerade in der Anfangsphase?
Viele Frauen haben Angst, den Preis für ihre Leistung zu hoch anzusetzen. Ich glaube, wenn man seinen Preis zu niedrig ansetzt, wird die Arbeit nicht geschätzt. Es kommt dann zu der Situation, dass man so viel arbeitet, dass kein Raum mehr für Kreativität besteht. Den Preis höher anzusetzen, kann ein wichtiger erster Schritt sein, um sich selbst zu schätzen und auch von anderen geschätzt zu werden. Wenn man sich auf den Weg der Veränderung begibt, verlässt man die Opferrolle und hat nicht mehr das Gefühl, ein Spielball im Schicksalswind zu sein. Das gibt unglaublich viel Kraft.

Danke für das Gespräch.

Leyla Liebrecht

Leyla Liebrecht

© Leyla Liebrecht

Leyla Liebrecht hat Jura studiert und sich währenddessen mit Mediation beschäftigt, also der Psychologie der Streitschlichtung. Anschließend hat sie in einer Bank gearbeitet. Dabei merkte sie, dass dieser Job nichts für sie war, und sie eröffnete einen Fashionshop. Irgendwann führte sie 25 Angestellte, fünf Boutiquen und betreute zwei Kleinkinder. Dann eröffnete sie mit der Brow Bar Chou Chou ein Kosmetikstudio. Inzwischen hat sie sowohl die Brow Bar als auch ihre Boutiquen verkauft und sich vor einem knappen Jahr als Motivationscoach selbstständig gemacht – und sich selbst damit einen Traum erfüllt.

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