Narzissmus: Wie erkenne ich ihn und wie beende ich toxische Beziehungen?

Narzissmus bedeutet oft viel Leid für den Partner des Narzissten und den Narzissten selbst. Häufig wird die Lage zu spät erkannt. Was sind die Anzeichen dafür, dass mein Partner von der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung betroffen sein könnte und wie finde ich den Ausweg?

Narzissmus: Wie erkenne ich ihn und wie beende ich toxische Beziehungen?

Narziss verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild. Er ist Namensgeber für die Persönlichkeitsstörung Narzissmus, der mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl einhergeht. ©iStock/MatiasEnElMundo

Was ist Narzissmus und wo liegt der Ursprung des Begriffs?

Der Begriff Narzissmus findet seinen Ursprung in dem Mythos Narcissus und Echo in Ovids Metamorphosen. In dieser Geschichte verliebt sich der Jüngling Narcissus in sein eigenes Spiegelbild und findet in dieser Liebe seinen Untergang.

„Also sprach er zuletzt, am gewöhnlichen Borne sich spiegelnd:
Ach, umsonst geliebeter Knab‘! Und gleich war der Nachhall.
Jener rief. Leb‘ wohl! Leb‘ wohl! antwortet‘ ihm Echo.“
(Narcissus und Echo, Ovids Metamorphosen, 3. Buch)

Diese Geschichte bildet den Ursprung des Namens Narzissmus. Die Persönlichkeitsstörung wurde unter anderem bereits von Sigmund Freud beschrieben. Narzissmus ist sehr komplex und kann in vielen Formen vorkommen, so auch Heilpraktikerin Martina Effmert.

Jeder Mensch ist narzisstisch, das Ausmaß ist entscheidend

Ein Hinweis vorab: Der Begriff Narzisst wird in diesem Artikel in der männlichen Form verwendet, natürlich kann Narzissmus bei allen Geschlechtern auftreten.

Prof. Mitja Back (Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Psychologie) merkt in einem Interview mit der dpa an: Jeder Mensch sei narzisstisch, jedoch in verschiedenem Ausmaß. Narzissten seien sehr stark von sich selbst überzeugt und möchten stets ein grandioses Selbst aufrecht erhalten. Doch häufig sei diese Störung mit einem verminderten Einfühlungsvermögen verbunden. Ein Narzisst interessiere sich nur wenig für andere Menschen, so Back. Greife man sein Selbstbild an, reagiere der Betroffene häufig aggressiv.

Studie: Narzissten finden einfach Geliebte, doch nur schwer Freunde

In Interaktionsstudien an Studierenden analysierte Prof. Mitja Back erste Begegnungen mit Narzissten. Das Ergebnis: Je stärker der Narzissmus ausgeprägt ist, „desto besser kommt man an“. Betrachtet man die Beziehungen der Teilnehmer mit den Narzissten jedoch langfristig, so verkehre sich dies ins Gegenteil. Es kommen also wenig langfristige Beziehungen zustande.

Bei Dates und kurzen Flirts sind Narzissten also in ihrem Element. In Beziehungen wird Narzissmus jedoch zu einem großen Problem Das schlimme daran: Häufig wird Narzissmus erst zu spät erkannt. Bei dem anderen Partner ist bereits eine emotionale Abhängigkeit entstanden. Er steckt in einer sogenannten toxischen BeziehungDeshalb ist es wichtig, Narzissmus schnell zu entlarven.

Wie erkenne ich Narzissmus beim Partner?

Wir zeigen Ihnen im Folgenden fünf Anzeichen von Narzissmus eines Partners in einer Beziehung.

So erkenne ich Narzissmus in der Beziehung

1. Am Anfang überschwemmt der Narzisst den Partner mit Liebe

Narzissten betreiben zu Anfang etwas, was man auch als Love Bombing bezeichnet. Dabei heben sie ihren Partner so stark in die Höhe, dass es fast übertrieben scheint. Doch damit befriedigt der Narzisst nur die eigene Sucht nach egoistischem Denken. Er liebt, damit er sich geliebt fühlt. Außerdem erzeugt er so beim Partner die gefährliche emotionale Abhängigkeit.

2. Dem Partner ist Kritik am Narzissten verboten

Die Beziehung mit einem Narzissten findet nicht auf Augenhöhe statt. Der nicht narzisstische Partner ist stets untergeordnet. Nach der ersten Beziehungsphase voller überschwänglicher Liebesbekenntnisse gehen diese immer mehr zurück. Der Narzisst legt nur noch Wert auf seine eigenen Wünsche. Kritisiert der Partner ihn oder macht einen anderen Vorschlag, weist der Narzisst diesen energisch zurück. Dies artet oft in Streit aus.

3. Der Narzisst kritisiert den Partner und schwächt sein Selbstbewusstsein

Der Narzisst hat an seinem Partner stets etwas auszusetzen. Das beginnt bei Kleinigkeiten: einem Kleidungsstück, Make-Up, der Art zu sprechen. Diese Kritik häuft sich und weitet sich auf alle Lebensbereiche aus.

Die Folge: Er schwächt das Selbstbewusstsein des Partners. Der Narzisst trägt die angeblichen Makel aber so vor, dass der Partner glaubt, er wolle nur das beste für ihn. Das führt dazu, dass sich der Partner immer mehr der emotionalen Abhängigkeit gegenüber dem Narzissten hingibt – ein Teufelskreis.

4. Kontakt zu Freunden und Familie bricht ab

Auch die sozialen Kontakte des Partners macht der Narzisst schlecht. Sie seien nicht gut für ihn und würden insgeheim die Beziehung gefährden. Der andere Part glaubt auch hier, dass der Narzisst es nur gut meine.

Die Folgen: Der Kontakt zu Familie und Freunden bricht immer mehr ab, teilweise versiegt er vollkommen. Äußert sich jemand aus dem Bekanntenkreis negativ zu der Beziehung, verteidigt der nicht narzisstische Partner diese und kann dabei sogar aggressiv werden. Vielleicht wird er sofort zu dem Narzissten gehen und ihm davon berichten. Doch dies bekräftigt den Narzissten nur noch mehr.

5. Partner lügt gegenüber seinem sozialen Umfeld und beschönigt die Beziehung mit dem Narzissten

Der nicht narzisstische Partner lernt außerdem, die Beziehung zu dem Narzissten gegenüber seinem Umfeld zu beschönigen. So werden z.B. bei Gesprächen über die Beziehung negative Vorkommnisse vollkommen ausgeblendet und lediglich schöne Dinge hervorgehoben. Das Umfeld kann also gar nicht merken, dass der Partner eigentlich unter der Beziehung leidet.

Der nächste – und häufig schwerste – Schritt: Die Beziehung mit dem Narzissten beenden

Haben Sie sich und Ihren Partner in einem oder mehrerer der Punkte in der Liste oben wiedererkannt? Dann ist es Zeit, zu handeln. Folgende Tipps helfen dabei, die ersten Schritte zu gehen. Trotzdem kann es sein, dass Sie allein nicht die Kraft aufbringen, den Weg zu gehen. Zögern Sie nicht, sich professionelle Hilfe zu holen. Ein Anruf, eine Mail oder der Chat der Telefonseelsorge kann ein erster hilfreicher Schritt sein. Und ganz wichtig: Verurteilen Sie sich nicht selbst!

So beenden Sie die Beziehung mit einem Narzissten

Sie sind etwas wert: Selbstwertgefühl wieder aufbauen

Der narzisstische Partner hat Sie mit seinen Manipulationstaktiken in eine emotionale Abhängigkeit getrieben. Durch seine ständige Kritik an Ihrer Person ist Ihr Selbstwertgefühl dramatisch gesunken. Sie müssen sich daher bewusst werden, dass es sich lediglich um Manipulation handelte. Sie sind etwas wert!

Bauen Sie den Kontakt zu Freunden und Familie wieder auf

Das kann bereits ein Anruf während der Mittagspause oder eine kurze WhatsApp-Nachricht zwischendurch sein. Oft warten Freunde und Familie bereits sehnsüchtig auf Ihre Rückmeldung. Seien Sie ehrlich und geben Sie zu, dass Sie unter der Beziehung leiden. Menschen, die Sie lieben, werden Ihnen dabei helfen, einen Weg aus dieser Partnerschaft zu finden und auch organisatorische Dinge zu klären.

Suchen Sie die Schuld nicht bei sich selbst!

„Ich bin selbst schuld, wie konnte ich so dumm sein, auf ihn hereinzufallen?“ – Betroffene berichten häufig von solchen Gedanken. Heilpraktikerin Martina Effmert sagt: Das kann jedem passieren! Selbstvorwürfe sind hier absolut fehl am Platz.

Lassen Sie sich nicht weiter manipulieren

Das klingt natürlich einfacher, als es in Wirklichkeit ist. Trotzdem: Räumliche Trennung und Kontaktabbruch ist das einzige, was hilft, um die emotionale Abhängigkeit gegenüber einem Narzissten abzubauen. Blockieren Sie seine Nachrichten und Anrufe. Sie brauchen jetzt Zeit, um wieder zu sich selbst zu finden.

Finden Sie zurück zu Ihrer eigenen Identität

Oft nimmt der Narzisst in einer Beziehung zu viel Platz im Leben des Partners ein. Dieser verliert gewissermaßen die eigene Identität. Deshalb sollten Sie sich jetzt wieder auf sich selbst besinnen. Dabei kann zum Beispiel ein neues Hobby, aber auch Meditation helfen. Eine Psychotherapie bietet immer eine gute Möglichkeit, um sich mit dem Trauma einer narzisstischen Beziehung auseinander zu setzen.

KOMMENTARE

WORDPRESS: 4
  • Klavitter 1 Woche ago

    Bring ihn am besten um, diesen Kerl mit seinen verfluchen Störungen. So fühle ich, wenn ich als einer dieser Gestörten ihren Artikel lese.
    Bei mir wurde 2005 neben anderen, während einer Rehamassnahme eine narzisstische Störung diagnostiziert. Ich habe es gelesen und mir das Buch Persönlichkeitsstörungen von Rainer Sachse gekauft, aber nichts verstanden.
    Meine ambulante Therapeutin hat sich 2009 geweigert, mich weiter zu behandeln, aber niemand, nicht in der Klinik, nicht ambulant, hat versucht, mir zu erklären, was das heisst, narzisstisch gestört zu sein.
    Ich bin kein Trump, sondern gehöre eher zu denen, bei denen die Grandiosität negativ besetzt ist, also alles ist schlimmer, ich bin gestörter, wertloser, nichtsnutziger usw, als andere.
    Doch ich denke, auch narzisstisch gestörte haben Rechte. Ich weiß, dass es verflucht schwer ist für einen Therapeuten, mit jemanden zu arbeiten, der niemanden ernst nimmt und erst einmal nicht daran glaubt,dass man ihm helfen kann.
    Ich habe inzwischen vieles gelesen, bin wieder bei meiner Therapeutin, und beginne zu verstehen,warum es so schwierig ist. Jetzt kann ich auch mit meiner Frau darüber sprechen und ihr helfen, mich zu ertragen.
    Aber uns nur ablehnen und verteufeln tut weh

    • Hallo, es tut uns leid, dass Sie sich von diesem Artikel negativ dargestellt fühlen. Zuerst einmal großen Respekt, dass Sie sich einer Therapie unterziehen und auch hier zu Wort melden. Außerdem tut es mir leid, dass Sie solche Erfahrungen mit einer Therapeutin gemacht haben.
      Wenn Sie möchten, können Sie sich gern in einem Interview zu der anderen Seite des Narzissmus äußern und Ihre Erfahrungen schildern, damit unsere Leser auch die Sicht eines Betroffenen kennenlernen. Es würde mich freuen, wenn Sie dazu bereit wären.
      Freundliche Grüße,
      die so gesund-Redaktion

  • Karin Birgit Bleier 4 Tagen ago

    Leider wird hier nur über Partnerbeziehungen geschrieben – doch es gibt auch Narzissten unter Kollegen, Freunden und den uns Nahestehenden in der Familie. Ich spreche aus Erfahrung, denn meine einzige Schwester ist eine Narzisstin, ohne das das ihr bewusst ist. Lange, sehr lange von Kindheit an habe ich ihr Verhalten ertragen und darunter gelitten. Im Alter würde sich das geben, hatte ich gehofft, aber es wurde nur noch schlimmer. Nunmehr im Rentenalter habe ich vor sechs Jahren mit ihr für immer gebrochen, nach Vorfällen, die ich nicht mehr ertragen wollte und konnte. Ich bin nicht die einzige Person in ihrem Leben, die sich von ihr abgewandt hatte, ohne große Erklärungen, die sie ohnehin nicht verstanden hätte. Und ich hatte lange mit dem Bruch zu tun, da sie auch gute Seiten an sich hat, die aber mehr und mehr der anderen wichen.

    • Hallo Frau Bleier, ja, in diesem Artikel wollten wir vor allem das Thema Partnerschaft in den Blick nehmen. Vielen Dank für das Teilen Ihrer Erfahrungen. Haben Sie schon einmal versucht, ihre Schwester auf die Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NSP) anzusprechen? Wir werden uns mit dem Thema noch eingehender beschäftigen. Wenn Sie möchten, können Sie auch gern in einem Interview von Ihren Erfahrungen berichten?
      Freundliche Grüße,
      Juliane Wolf
      so gesund-Onlineredaktion

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