Fallen Zecken von Bäumen? Outdoor-Mythen auf der Spur

Wandern, Rad fahren, campen: Rund um diese Freiluftvergnügen halten sich hartnäckig ein paar Irrtümer. so gesund klärt mit Expertenhilfe auf

Fallen Zecken von Bäumen? Outdoor-Mythen auf der Spur

Laue Luft und Sonnenschein … endlich raus ins Grüne! Sich an der frischen Luft zu bewegen ist gerade jetzt für viele das Allerschönste. Einige ganz verbreitete Überzeugungen zum Thema Freiluftspaß stammen aber aus vergangenen Zeiten und sind dringend überholungsbedürftig.

„Wandern mit ungewaschenen Füßen schützt vor Blasen“

Da ist nur insofern was dran, als ein ausgedehntes Fußbad die Haut aufquellen und damit druckempfindlich werden lässt. Durch stete Reibung bilden sich dann ganz leicht etwa an Ferse oder Zehen mit Gewebewasser gefüllte Blasen, die schmerzhaft drücken.

Zu Reibung kommt es aber vor allem dann, wenn die Wanderschuhe nicht optimal sitzen. Also diese immer schön einlaufen und die Socken glattziehen; am besten klappt das mit speziellen Laufsocken. So kann man auch mit frisch gewaschenen Füßen los und ohne Blasen ankommen.

„Gummibärchen-Naschen beugt Knieschmerzen vor“

Gelatine schmiert die Gelenke, hört man. Und Weingummi und Co. werden ja aus Gelatine gemacht. Hilft es also, vor der Wandertour tief in die bunte Tüte zu greifen? Im Gegenteil, warnt der Kölner Orthopäde und Sportmediziner Dr. Peter Schäferhoff: „Gummibärchen machen nur dick, und das schadet den Gelenken.“

Die Gelatine gelangt dem Experten zufolge nicht bis ins Knie, denn der Darm spaltet sie komplett auf. Wahr ist, dass sich unbeschädigte Knorpel und Gelenke von ganz allein geschmeidig halten, und zwar durch Bewegung. Radfahren ist ein gelenkfreundliches Training und beugt Schmerzen im Knie gut vor.

„Zecken fallen von Bäumen“

Nein, denn fliegen können sie nicht und springen auch nicht. Im freien Fall aus der Baumkrone wäre es also reine Glückssache, ob sie auf ihrem Wirt landen. Weil die winzigen Biester immer direkt von einem Opfer aufs andere umsteigen, warten sie vor allem im kniehohen Gras oder Gebüsch. Ihr ausgeprägter Geruchssinn lotst sie an Wanderwege und Spielplätze.

Das Robert-Koch-Institut rät, lange Hosen zu tragen sowie nach dem Outdoor-Vergnügen den ganzen Körperabzusuchen und eventuelle Fundstücke zügig zu entfernen: Wenn das innerhalb von 24 Stunden nach dem Biss passiert, können keine Lyme-Borrelien übertragen werden. Für den ebenfalls gefürchteten FSME-Erreger, der eine Entzündung im Gehirn verursachen kann, gilt dieses Zeitlimit allerdings nicht.

„Spucke hilft bei Insektenstichen“

„Nur wenn man daran glaubt“, sagt Lutz Fischer, Notfallmediziner an der Uni Greifswald. Es juckt oder brennt nach einem Mückenstich unter der Haut, bis dahin aber gelangt der Speichel gar nicht. Darum bewirkt er auch nichts gegen die Reaktion auf das Mückengift. Spucke kühlt nur.

Was hilft, ist Hitze: Bei 50 Grad Celsius zersetzt sich das eiweißreiche Gift, und der Mückenstich schwillt ab. Einfach eine 1-Cent-Münze, die zuvor in der prallen Sonne gelegen hat, auf die Stichstelle drücken.

„Strecken und Dehnen schützen vor Muskelkater “

Stimmt nicht. Muskelkater sind kleine Verletzungen an Muskelfasern und Blutgefäßen. Sie kommen vor, wenn wenig trainierte Muskeln ungewohnt intensiv arbeiten müssen. Dagegen hilft nicht Dehnen, sondern Kräftigen: Der beste Schutz vor den typischen Schmerzen ist, die Belastung dosiert zu steigern.

Wer völlig untrainiert zu einer langen Radtour aufbricht oder auf einen Berg steigt, riskiert Muskelkater. Kräftigen ist die richtige Prophylaxe, Dehnen dagegen macht erst nachher Sinn.

 

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