Risikoforschung: Die Furcht vor den falschen Risiken

Viele Menschen fürchten sich vor falschen Risiken wie der Gefahr, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Tatsächliche Risiken werden unterschätzt.

Risikoforschung: Die Furcht vor den falschen Risiken

Viele Risiken werden überbewertet, andere wiederum unterschätzt. ©iStock/Orla

Woher kommt die Angst vor Risiken und ist sie immer gerechtfertigt?

Globale Sicherheitsbedenken steigen

Der Unisys Security Index 2017 ist eine Studie, die Bedenken von Verbrauchern aus 13 Nationen hinsichtlich nationaler, finanzieller, persönlicher und Internet-Sicherheit misst. Sie zeigt: Die globalen Sicherheitsbedenken sind seit der letzten Umfrage 2014 um 20 Prozent gestiegen – auf einen Rekordwert von 173 Punkten. Mehr als 50 Prozent der Befragten haben Angst vor Terrorismus und Krieg. Die Sorge muss man sicherlich ernst nehmen. Dennoch wird die Gefahr, Opfer eines Anschlags zu werden, völlig falsch eingeschätzt – zumindest, wenn man in den Industrienationen lebt.

Zwar ist die Terrorismus-Gefahr in Europa innerhalb der letzten Jahre etwas angestiegen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, immer noch ausgesprochen gering. Sie liegt bei 0,0000037 Prozent. Trotzdem fürchten 79 Prozent aller Deutschen, die älter als 65 Jahre sind, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen.

Echte Risiken werden unterschätzt

„Viele Menschen fürchten sich vor den falschen Risiken“, sagt Ortwin Renn. Renn ist Nachhaltigkeitsforscher und Soziologe. Er leitet das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam und hat zwei Bücher über die Wahrnehmung von Risiken geschrieben, unter anderm: Das Risikoparadox.
Die Fehleinschätzung von Risiken führt Ortwin Renn zufolge zu der paradoxen Situation, dass die wirklichen Gefahren verharmlost oder gar nicht erst wahrgenommen würden. Der Klimawandel etwa bedroht die ganze Gesellschaft. Er verläuft in einem schleichenden Prozess, und das evolutionär bedingte Denken in Ursache und Wirkung führt bei ihm nicht weiter. Denn die Folgen des Treibhauseffekts werden erst in vielen Jahren in ihrem vollen Ausmaß sichtbar werden. Will der Mensch ein solches Risiko abwenden, braucht er also nicht impulsiv oder schnell zu reagieren wie einst der Urmensch in der Savanne vor dem Tiger. Er muss nicht fliehen, sondern im Gegenteil bedacht und vorausschauend handeln. Renn: „Den Irrtum als Lernmethode können wir uns in dieser Angelegenheit nicht leisten. Wir müssen eingreifen, bevor es zu spät ist. Das setzt natürlich ein hohes Maß an vorbeugendem Katastrophen- und Risikomanagement voraus.“

Gesundheitsrisiken lassen sich minimieren

Ein Großteil der Todesfälle der Menschen, die zwischen 20-70 Jahren versterben, ist auf Herz-und Kreislauf-Erkrankungen sowie auf Krebs zurückzuführen. Die Hauptursachen hierfür bezeichnet Renn als Volkskiller, diese Volkskiller heißen Rauchen, falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Alkohol. Die gute Nachricht. Diese Faktoren kann Jeder ein Stück weit selbst steuern und beeinflussen. Und zwar indem er den Nikotin- oder Alkoholkonsum weitgehend einstellt, Sport treibt oder auf rotes Fleisch verzichtet, deren Verzehr die Weltgesundheitsorganisation als krebserregend einstuft.

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