Schlafapnoe: Nachtmusik mit Atemaussetzern

Viele Menschen halten im Schlaf unabsichtlich die Luft an. Sie leiden an Schlafapnoe, und die kann lebensbedrohlich sein - zumindest unbehandelt

Schlafapnoe: Nachtmusik mit Atemaussetzern

© iStock/tommaso79

Bei manchen Menschen ist das Schnarchen nur ein leises Schnorcheln, in etwa so laut wie das Rascheln von Laub. Es kann sich jedoch bis zu 93 Dezibel steigern, das entspricht dem Lärmpegel einer stark befahrenen Autobahn. Schnarchen kann laut sein – es kann aber auch die Gesundheit schädigen. „Deshalb ist es wichtig, zwischen einem Lärmproblem und der Erkrankung Schlafapnoe zu unterscheiden“, sagt Torsten Klauke, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Köln.

Lärmproblem Schnarchen

Schnarchen entsteht meist durch eine Verengung der oberen Atemwege oder durch zu viel überschüssiges Gewebe. Das Gaumensegel beispielsweise hängt hinten am Rachen, man sieht es, wenn man in den Spiegel schaut und „A“ sagt. Es besteht aus Schleimhaut. Ist zu viel davon da, flattert das überschüssige Gewebe nachts im Wind des Atems. Der Mensch schnarcht. Auch der Zungengrund, an dem die Zunge im Schlund befestigt ist, kann Schnarchgeräusche verursachen. Er rutscht im Schlaf nach hinten und verengt den Weg. Quetscht sich die Luft vorbei, röhrt und rasselt es.

Bestimmte Faktoren begünstigen das Schnarchen. Im Alter nimmt die Straffheit der Muskulatur ab, und auch die Schleimhäute erschlaffen. Bei einem Großteil der Patienten spielt außerdem Übergewicht eine Rolle. „Ich zeige schnarchenden Männern in meiner Praxis gerne auf den Bauch und sage: Sie sind nicht nur hier übergewichtig, Sie sind auch innen im Körper übergewichtig“, berichtet Torsten Klauke. Denn Fettzellen lagern sich auch in den Schleimhäuten des Rachens an und lassen mehr Gewebe entstehen, das im Luftstrom vibrierend für geräuschvolles Schnarchen sorgt. „Man kann Schleimhäute operativ entfernen und beispielsweise das Zäpfchen kürzen“, fährt Klauke fort. „Gleichzeitig kann man so viel operieren, wie man will – wenn jemand nach dem Eingriff wieder zunimmt, schnarcht er in aller Regel auch wieder“.

Erkrankung Schlafapnoe

Schnarchen ist schlecht für den Bettnachbarn, aber oftmals harmlos für die Gesundheit. Es wird aber gefährlich, wenn eine Erkrankung vorliegt: das Schlafapnoe-Syndrom. Bei diesem Syndrom kommt es während des Schnarchens zu Atemaussetzern. Experten schätzen, dass ungefähr zwei Millionen Menschen in Deutschland an dieser gefährlichen Variante des Schnarchens leiden. „Während der Nacht verringert sich bei den Betroffenen der Sauerstoffgehalt im Blut“, erklärt HNO-Arzt Torsten Klauke. „Das bedeutet für den Körper Stress. Denn es gibt Alarm: Ich ersticke! Der Blutdruck geht hoch, die Herzfrequenz geht hoch – manchmal bis hin zu einer Weck-Reaktion. Ein Mensch, der unter solchen Voraussetzungen schläft, erholt sich nicht. Er ist krank – und das hat Langzeitfolgen, die zu Bluthochdruck und zu einem Herzinfarktrisiko führen“.

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Varianten der Schlafapnoe: Da ist zum einen die Obstruktive Schlafapnoe, die durch verengte oder verlegte Atemwege entsteht. Bei ihr übersendet das Gehirn der Atemmuskulatur zwar den Befehl, aktiv zu werden und Luft zu holen. Die Kraft der Muskeln reicht aber nicht aus, die Atemwege sind blockiert. Durch diese mechanischen Ursachen entstehen Atempausen.

Daneben gibt es die Nicht Obstruktive Schlafapnoe, bei der die Steuerzentrale im Gehirn den Atemmuskeln nicht oder zu spät den Impuls zur Atmung weiterleitet.

Schlafapnoe äußert sich meistens in bleierner Müdigkeit. Die Betroffenen nicken am Tag für ein paar Sekunden ein und fühlen sich auch nach acht Stunden Schlaf wie gerädert. Auslöser für die Apnoe können Übergewicht sein, vergrößerte Rachenmandeln oder eine Fehlstellung des Unterkiefers. Für die schlussendliche Diagnose werden die Patientinnen und Patienten oftmals in ein Schlaflabor überwiesen, wo im Verlauf von zumeist zwei Nächten Messungen vorgenommen werden, beispielsweise der Hirnströme, des Herzrhythmus oder des Sauerstoffgehalts des Blutes. Weiterhin wird der Blutdruck ausgewertet, die Muskelspannung, die Körperlage und die Schnarchgeräusche. Ein sogenannter Dehnungsgürtel registriert die Atembewegungen.

Therapie bei Schlafapnoe

Sind vergrößerte Rachenmandeln oder Nasenpolypen die Ursache der Schlafapnoe, so können diese operativ entfernt werden. In vielen Fällen empfiehlt das ärztliche Fachpersonal eine Beatmung mit einer Maske während der Nacht. Diese CPAP-Maske (Continous Positive Airway Pressure) ist an ein Gerät angeschlossen, das mit leichtem Überdruck Raumluft in Nase und zum Teil auch Mund bläst. So wird verhindert, dass die Atemwege zusammenfallen und die Luftzufuhr unterbrochen wird.

Erika Marianne Schorn lebt in Essen und trägt seit fünf Jahren eine Schlafmaske.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie an Schlafapnoe leiden?
Ich wusste natürlich, dass ich schnarche, aber es hat mich nicht besonders gestört. Genauso wenig hat mich beunruhigt, dass ich abends oftmals vor dem Fernsehen eingenickt bin. Ich dachte, das wäre normal. Doch dann machte mich meine Tochter auf einen möglichen Zusammenhang zwischen meinem Sekundenschlaf und dem Schnarchen aufmerksam.

Sie sind dann zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gegangen.
Genau. Der untersuchte zunächst meinen Rachenraum und meine Nase. Dann gab er mir ein Gerät mit nach Hause, das ungefähr so groß wie ein Smartphone und an einem Gurt befestigt ist. Diesen Gurt habe ich mir während der Nacht um den Oberkörper geschnallt, außerdem musste ich zwei schmale Schläuche unterhalb der Nasenlöcher befestigen. Soweit ich weiß, hat das Gerät meine Atemzüge gemessen, die Ausweitung des Brustkorbes und die Sauerstoffsättigung. Am nächsten Tag konnte der HNO-Arzt anhand der Daten ablesen, dass es bei mir nachts zu Atemaussetzern gekommen war. „Ist das denn wirklich schlimm?“, wollte ich wissen. „Versuchen Sie mal eine Minute die Luft anzuhalten, und das mehrmals hintereinander“, antwortete er und machte mir dadurch klar, dass die Atemaussetzer schwerwiegend sind – auch wenn ich sie nachts nicht bewusst wahrnehme. Also habe ich einem Termin im Schlaflabor zugestimmt.

Wie lange haben Sie auf den Termin gewartet?
Ungefähr ein halbes Jahr. Das scheint die gängige Wartezeit zu sein.

Wie viel Zeit haben Sie im Schlaflabor verbracht?
Bei meinem ersten Besuch war ich zwei Tage dort. Abends im Bett wurde ich auf dem Rücken liegend voll verkabelt, und eine Kamera schrägt unter der Decke hat mich gefilmt. Wirklich gut geschlafen habe ich in der Nacht nicht. Ich hätte mir allerdings auch ein leichtes Schlafmittel geben lassen können. Die Ärzte im Schlaflabor haben meine Schlafaktivität noch ausführlicher als der HNO-Arzt gemessen und zudem die Hirnströme aufgezeichnet. Sie haben mir dann zu einer Atemmaske geraten, deren Kosten die Krankenkasse übernimmt – genau wie den Besuch im Schlaflabor übrigens. Eine solche Maske habe ich zur Probe in der zweiten Nacht im Schlaflabor getragen.

Was für ein Gefühl ist es unter einer solchen Maske?
Die Maske geht über Mund und Nase und wird mit Bändern am Kopf festgehalten. Über einen Schlauch ist sie mit einem Gerät verbunden, das mit leichtem Überdruck Raumluft in die Atemwege leitet. Wirklich bequem ist eine solche Maske anfangs nicht. Es ist einfach ein Fremdkörper, an den man sich gewöhnen muss, und man sagte mir, dass es in der Anfangszeit zu trockenen Schleimhäuten oder Druckstellen auf der Nase kommen kann. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass es mir nach dem Aufwachen besser als vorher geht.

Inwiefern?
Ich fühle ausgeruhter und fitter. Abends bin ich weniger schnell müde. Wenn man zusätzlich weiß, dass man ohne Maske als Apnoe-Patientin ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck oder einen Schlaganfall hat, dann lohnt sich die Maske allemal. Heutzutage ist der Schlaf mit Atemmaske Alltag für mich, und ich nehme sie natürlich auch in den Urlaub mit.

Weitere Informationen zur Schlafapnoe und den Therapiemöglichkeiten finden sie hier.

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