Social Cure: Soziale Heilung durch Gruppen

Sozialer Zusammenhalt, Social Cure oder soziale Heilung, soll für die Gesundheit ebenso wichtig sein wie Sport oder Rauchen.

Social Cure: Soziale Heilung durch Gruppen

Soziale Heilung / Social Cure ist wichtig für die Gesundheit. Foto: ©iStock/monkeybusinessimages

Was bedeutet Soziale Heilung (Social Cure) und warum ist sie so wichtig?

Soziale Isolation macht krank

Das Bedürfnis nach Nähe und sozialen Beziehungen ist ein menschliches Grundbedürfnis, genau wie Essen, Trinken, Schlafen. Fehlen Freunde oder Bekannte, sind soziale Isolation oder ein Gefühl von Einsamkeit die Folge – und das kann für die eigene Gesundheit ähnlich schädlich wie der tägliche Konsum von Zigaretten sein. Zu diesen Schlüssen kommen Wissenschaftler wie der US-amerikanische Neurowissenschaftler John C. Cacioppo oder der Ulmer Bestsellerautor und Professor für Psychiatrie in Ulm Manfred Spitzer.

Social Cure – Soziale Heilung durch Gruppen

Aber nicht nur einzelne Freunde, auch die soziale Unterstützung von Gruppen etwa in Sportvereinen oder im Kollegium gilt erwartungsgemäß als positiver Faktor für Gesundheit. Wer im Job gesundheitlich angeschlagen ist und praktische Hilfe von seinen Mitarbeitern erfährt, kann sich besser auskurieren – ein Beispiel für soziale Heilung. Genauso ist ein Schicksalsschlag im Alltag besser zu meistern, wenn Nachbarn oder Freunde mit Rat und Tat oder einer Umarmung zur Seite stehen. Diese Zusammenhänge untermauert der Psychologe Alexander Haslam von der australischen University of Queensland durch Studien. In seinem Buch zum Thema, das er zusammen mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern veröffentlicht hat, gelangt er zu dem Fazit, dass soziale Isolation durch den Wegfall eines Gruppengefüges krank machen kann.

„Wenn Mütter durch die Situation mit den Neugeborenen den Kontakt zu Freunden verlieren, Studierende in eine neue Stadt ziehen oder ältere Menschen in den Ruhestand gehen oder ihre gewohnte Umgebung für ein Pflegeheim verlassen müssen, kann das zu Stress-Erkrankungen, vorzeitiger Alterung oder Depressionen führen“, formuliert Alexander Haslam. Durch seine Publikation möchte er das Bewusstsein für die Bedeutung sozialer Beziehungen schärfen und gleichzeitig Tipps geben, wie soziale, der Gesundheit zuträgliche Kontakte gepflegt werden können. Interessant sind solche Erkenntnisse ganz konkret für die Unternehmenskultur. Führungskräfte, denen es gelingt, ihren Mitarbeitern das Gefühl zu vermitteln, Teil einer Gruppe zu sein, tragen deutlich zur Gesundheit der Angestellten wahr. Und der Erhalt der Arbeitsgesundheit gilt nicht zuletzt ein großes Wirtschaftsthema. Denn Krankheitstage verursachen jährlich einen Schaden von 75 Milliarden Euro.

Nicht jede Gruppe ist gesund

Aber nicht jede Gruppe tut automatisch gut. Zu diesem Schluss kommt der Frankfurter Wissenschafter Rolf van Dick. „Man beobachtet zum Beispiel in Deutschland seit einigen Jahren, dass das Rauchen unter Jugendlichen insgesamt sich nicht verändert, obwohl junge Männer weniger rauchen“, sagt der Wissenschaftler im Deutschlandfunk. „Und das liegt daran, dass es unter jungen Frauen und Mädchen scheinbar zunehmend cool wird, zu rauchen. Man weiß auch aus Studien aus den USA, dass Menschen der sozialen Unterschicht sich eher weniger gesund ernähren und weniger bewegen, weil es in diesen Gruppen, in diesen Communities eher cool ist, sich von Fastfood zu ernähren und dick zu sein.“ Umgekehrt gebe es Gruppen, in denen Sport die Norm ist.
Wie gesund die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ist, hängt also letztlich immer von den Standards ab, die die Gruppe sich selbst als Norm gesetzt hat.

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