Das bisschen Haushalt: Viel Putzen gefährdet Gesundheit

Menschen, die viel putzen, sterben früher, besagt eine Studie aus Belgien. Aber gar nicht putzen ist auch keine Lösung

Das bisschen Haushalt: Viel Putzen gefährdet Gesundheit

© iStock/ferlistockphoto

Aus dem Fernsehen sind putzende Männer wohlbekannt: Der Tatortreiniger Schotty, gespielt von Bjarne Mädel, schrubbt in der gleichnamigen Serie seit sieben Jahren Blutflecken vom Boden. Er desinfiziert Badezimmer und sprüht Chemikalien auf Teppiche, die sich in weißen Schaum verwandeln. Walter White geht in der US-Serie Breaking Bad bei seinen Säuberungsaktionen noch unerschrockener vor. Nachdem er in seiner Drogenküche Crystal Meth gekocht hat, poliert er die Laborkolben und Messbecher auf Hochglanz. Und als er die Leiche eines Widersachers in Flusssäure aufgelöst hat, beseitigt er anschließend klaglos das entstandene Schlamassel. Als ehemaliger Chemielehrer weiß er immerhin, mit welcher Substanz er es zu tun hat.

Anders der deutsche Durchschnittsmann. Während Frauen hierzulande durchschnittlich 164 Minuten am Tag putzen, kochen oder bügeln, kommen Männer nur auf 90 Minuten. An dieser grundlegenden Rollenverteilung hat sich seit jeher wenig geändert. Die männlichen Drückeberger erhalten nun sogar zumindest auf den ersten Blick Rückenwind von einer wissenschaftlichen Studie. Laura Van den Borre von der Vrije Universiteit Brussel hat untersucht, aus welchen Gründen männliche und weibliche Reinigungskräfte zwischen 1991 und 2011 verstorben sind. Sie konnte dabei auf Daten der belgischen Bevölkerungsstatistik zurückgreifen. Die Ergebnisse: Das Sterberisiko für Putzmänner ist um 45 Prozent höher als für Angehörige anderer Berufsgruppen, beispielsweise Mitarbeiter und eines Büros. Für Putzfrauen ist das Risiko um 16 Prozent erhöht.

Insgesamt verstarben die Reinigungskräfte signifikant häufig an Lungen- sowie Herz- und Gefäßkrankheiten. Sie litten beispielsweise an COPD, der Chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bei der die Bronchien oder die Bronchiolen befallen werden. Außerdem verstarb das Reinigungspersonal an Lungenkrebs oder zerebrovaskulären, also die Blutgefäße des Gehirns betreffenden Erkrankungen.

Warum die Reinigungskräfte ein höheres Sterberisiko hatten, ist bislang nicht genau geklärt. Es darf spekuliert werden, dass weniger die Putzmittel selbst ein Risiko darstellen als vielmehr die Art und Weise, wie sie benutzt und mit anderen Mitteln kombiniert wurden. Für diese Theorie spricht, dass der belgischen Studie zufolge Reinigungskräfte in Privathaushalten stärker gefährdet waren als professionelle Reinigungskräfte. Die Profis sind vermutlich besser geschult und über mögliche Gefahren aufgeklärt als Laien, vermutet die Forscherin Van den Borre. Auch über die Gründe, warum Männer häufiger verstarben als Frauen, kann nur gemutmaßt werden. Eine mögliche Erklärung lautet: Frauen achten möglicherweise besser auf Schutzmaßnahmen und lesen die Etiketten genauer, auf denen unter Umständen vor einem toxischen Mix mit anderen Produkten gewarnt wird.

Insofern gibt es auch für Männer künftig keine Ausrede, weniger als Frauen zu putzen. Denn die vorbeugenden Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit sind offensichtlich: die Gebrauchsanleitung lesen, so wenig Chemie wie möglich verwenden, und bei aggressiven Mitteln Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz verwenden.

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