Zucker: Süße Last

Was Zucker in unserem Körper alles so anstellt: Nicht nur die Zähne, auch Herz, Hirn und Nieren leiden, die Haut altert schneller

Zucker: Süße Last

Lollis und Limo machen dick und verursachen Karies. Aber gerade in letzter Zeit zeigt sich, welche verheerenden Wirkungen Zucker sonst noch hat.

Haut

Zu viel Süßes lässt die Haut schneller altern. Schuld daran ist ein Abfallprodukt des Zucker-Stoffwechsels, das sich im Körper festsetzt: das Makromolekül AGE. Zahlreiche Studien zeigen, dass AGE mit der Zeit das Bindegewebe verhärtet und die Hautzellen bei der Reparaturarbeit stört. Als Folge bilden sich Falten. Was das ausmacht, haben holländische Forscher herausgefunden: Sie ließen die Fotos von knapp 600 Personen mit unterschiedlich hohen Blutzuckerwerten beurteilen. Das Ergebnis: Menschen, die mit Zucker geizen, sehen mindestens ein Jahr jünger aus als gleichaltrige Süß-Fans.

Leber

Die Leber speichert überschüssige Energie und wandelt dazu Fruchtzucker (einen Bestandteil von Haushaltszucker) in Fett um. Je größer das Fettdepot, desto stärker schwillt die Leber an und desto schlechter arbeitet sie: Das Risiko für Hepatitis und Leberkrebs steigt. „Eine nicht alkoholbedingte Fettleber kommt auch bei schlanken Menschen vor“, sagt Ernährungsmediziner Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. In den USA betreffe es bereits jeden Vierten, meldet die amerikanische Leber-Stiftung. Wer häufig ein Völlegefühl im Oberbauch hat, sollte rechtzeitig seine Leberwerte kontrollieren lassen. Denn wenn man Schmerzen spürt, ist die Leber bereits entzündet. Spätestens dann sollte man nicht nur bei Alkohol, sondern eben auch bei Süßspeisen unbedingt die Stopptaste drücken.

Brust, Darm, Eierstöcke, Nieren

Bei einigen Krebsarten ist bereits bekannt, dass sie bei Übergewichtigen rund 30 Prozent wahrscheinlicher sind als bei schlanken Menschen. Ein Grund dafür könnte Zucker sein bzw. das Insulin, dessen Ausschüttung Süßes provoziert: In vielen Geweben haben Krebszellen im Frühstadium Insulinrezeptoren auf der Oberfläche. Das Hormon könnte also auch die Aufnahme von Blutzucker in die Zellen und damit das Wachstum von Krebs begünstigen.

Gehirn

Zucker macht vergesslich, so eine Studie der Berliner Charité, für die 141 gesunde Teilnehmer sich Wörter aus einer Liste merken sollten. Diejenigen mit höherem Blutzuckerspiegel konnten weniger behalten. Außerdem zeigte sich bei ihnen eine schlechtere Hirnstruktur verglichen mit Teilnehmern, die weniger Zucker im Blut hatten. Studienleiterin Agnes Flöel schließt daraus: Wer konsequent wenig Süßes zu sich nimmt, ist fitter im Kopf. Und beugt zugleich Alzheimer vor. Denn Zucker im Blut kurbelt die Produktion von Insulin an. Flutet dieses Hormon zu stark das Gehirn, so die Forscherin, hindere es ein wichtiges Enzym daran, ein giftiges Eiweiß abzubauen. Dieses Eiweiß, Beta-Amyloid, lagert sich zwischen den Nervenzellen ab und verursacht so Demenz.

Herz

Zu viel Zucker im Blut macht es dickflüssiger. Das ist übel für die feinen Kapillaren im Herzgewebe, die leicht verstopfen. Forscher der Universität von Chicago stellten in einer Studie mit 31.000 US-Bürgern fest: Wer mehr als 20 Prozent der Kalorien täglich über Zucker deckt, hat ein doppelt so hohes Herzinfarkt-Risiko als Menschen, die nur 10 Prozent ihrer Energie aus Zucker holen. Bereits ein zuckerhaltiges Getränk pro Tag steigert den Daten zufolge das Risiko, an Herzversagen zu sterben.

 

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