Die Kraft der Thermalquellen – die wohl älteste Heilkur der Welt

Allein in Europa sprudeln tausende Quellen aus dem Boden, deren heilende Wirkung als wissenschaftlich erwiesen gilt. Was hat es mit dieser besonderen Kraft der Natur auf sich und bei welchen Krankheitsbildern wird sie angewendet?

Die Kraft der Thermalquellen – die wohl älteste Heilkur der Welt

©iStock/Minerva Studio / Thermalquellen

Die Geschichte der Nutzung von Thermalquellen führt weit zurück bis in die Antike. Schon zu dieser Zeit tauchten Könige und große Feldherren ihre Körper und Waffen in heiße Quellen, um sich für den nächsten Kampf zu rüsten. Aber auch das einfache Volk wusste, dass ein Bad in diesem besonderen Wasser Hautkrankheiten, Knochenschmerzen oder Entzündungen lindert und somit das allgemeine Wohlbefinden steigert. Mittlerweile ist die Wissenschaft dem Grund dafür zumindest teilweise auf die Spur gekommen. Und sie weiß auch: Jede Quelle ist anders. Was bedeutet, dass sich einige bei der Therapie bestimmter Krankheitsbilder besser eignen als andere.

Was sind Thermalquellen?

Laut Definition sind Thermalquellen Wasservorkommen, deren Temperatur bei ihrem Austrittsort mindestens 20 Grad Celsius betragen. Einige sind sogar über 80 Grad heiß. Vor allem ist ihr Salz -, Schwefel-, Kohlendioxid- und Mineralien-Gehalt ungewöhnlich hoch, wobei der Anteil an gelöstem Sauerstoff dementsprechend niedrig ist. Manche enthalten sogar radioaktive Bestandteile. Fische oder Pflanzen kommen deshalb in natürlichen Thermalbecken so gut wie gar nicht vor.
Damit unterscheidet sich Thermalwasser in seiner chemischen Zusammensetzung vom herkömmlichen Grundwasser, welches in der Regel keine besonderen Eigenschaften aufweist.

Warum Thermalwasser Seele, Geist und Körper so gut tut

Zum einem ist es die Wärme, welche Muskeln und Gelenke entspannt. Der Organismus beruhigt sich, der Blutdruck sinkt, gleichzeitig wird der Stoffwechsel angeregt. Innere Unruhe, Stress und Erschöpfung verfliegen wie von selbst. Zum anderen befinden sich viele Thermalquellen unter freiem Himmel und sind somit von einer atemberaubenden Landschaft umgeben, was einen entscheidenden Einfluss auf die Psyche hat und damit wie ein natürliches Antidepressivum wirkt. Doch Quelle ist nicht gleich Quelle, denn sie unterscheiden sich je nach Region, Inhaltsstoffe und damit in ihrer Wirkung erheblich. Thermalbäder – und das ist eine mehrere tausend Jahre alte Erkenntnis – helfen nicht nur dabei wieder gesund zu werden, sondern es auch zu bleiben.

Welche Quelle sich für welches Leiden eignet

Solebäder, also jene Quellen, deren Salzgehalt mindesten zehn Prozent aufweisen – zum Vergleich: in der Nordsee sind es lediglich drei Prozent – eignen sich besonders bei Rheuma, Gelenkerkrankungen, Erkältungen, Infektanfälligkeit, Allergien und Atemwegsbeschwerden. Sogenannte Kalzium- beziehungsweise Magnesiumbecken wirken gegen Muskelkater, beugen Osteoporose vor, lindern Rheuma und Gicht und unterstützen gleichzeitig die Erneuerung alter Hautschichten. Sie gelten deshalb auch als Anti-Aging-Wunder. Quellen mit einem hohen Jod- und Selengehalt helfen bei Schilddrüsenfunktionsstörungen und sollen sogar Krebs vorbeugen. Radonhaltiges Wasser, ein natürliches in tieferen Erdschichten vorkommendes radioaktives Gas, aktiviert die Selbstheilungskräfte, lindert Entzündungen und kurbelt die Produktion von Radikalfängern an, womit Stoffwechselprodukte gemeint sind, die sich zerstörerisch auf die Zellen auswirken. Schwefelhaltige Quellen helfen bei Neurodermitis, Akne, Ekzemen oder Schuppenflechte.
Bei all dem handelt es sich keineswegs um einen seichten Wellness-Effekt, sondern um hochwirksame Bestanteile, die durch die Haut während dem Baden oder mittels einer Trinkkur in den Organismus dringen und somit ihre Wirkung entfalten. Thermalquellen sind demnach kein reiner Badespaß, sondern gelten als hochwirksames Arzneimittel.
Für Schwangere oder Menschen mit ernsthaften Herz-Kreislauf-Problemen können deshalb bestimmte Quellen fatale Folgen haben, deshalb sollte eine Thermalkur zuvor immer mit einem Arzt abgesprochen werden.

Die berühmtesten Heilbäder Europas

Die ungarische Hauptstadt Budapest gehört mit ihren mehr als 120 Thermalquellen und der daraus entstandenen über 450 Jahre alten Bäderkultur zu den bekanntesten Kurorten der Welt. In den nordgriechischen, von wildem Bergpanorama und Wasserfällen umgebenen Freiluft-Becken von Loutra Pozar badete schone Alexander der Große. Das französische Vichy gilt als Beauty-Wunder und Jungbrunnen, das britische Städtchen Bath wird seit der Römerzeit als Seelentröster gegen Kummer aller Art genutzt. In Deutschland sind es Bad Reichenhall, Bad Ems, Bad Salzuflen oder Bad Füssing – überhaupt alle Orte, die ein „Bad“ in ihrem Namen tragen – was nämlich erst dann erlaubt ist, sobald die medizinische Wirkung ihrer Quellen offiziell bestätigt worden ist.
Doch wie so oft hinkt die Wissenschaft dem uralten Erfahrungsschatz nach wie vor hinterher. Die genaue Erkenntnis, wie, warum und in welchem Ausmaß Thermalbäder tatsächlich auf den menschlichen Organismus wirken, ist noch weit davon entfernt, gänzlich erforscht zu sein.

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